
Am Dienstag sprachen sich die EU-Innenminister auf einer Krisen-Konferenz für eine bessere Überwachung der sozialen Netzwerke aus, um Massenbewegungen wie in Ceuta besser vorhersehen und unterbinden zu können. Laut jüngsten offiziellen Zahlen stürmten fast 72'000 vor allem junge Marokkaner am vergangenen Freitag die spanische Exklave.
Bundesrat Beat Jans nahm am virtuellen EU-Treffen ebenfalls teil. Zu «Schweiz heute» sagte er im Anschluss: «Wir müssen besser verfolgen können, was in den sozialen Medien geschieht. So könnten wir früher reagieren und Menschen davon abhalten, eine solch gefährliche Reise überhaupt anzutreten.»
Das scheint eine ziemlich gute Idee zu sein. Denn Marokkos Jugend plant im Internet bereits einen neuen Ansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave. Es gibt sogar ein konkretes Datum – der 15. August.
Auf Instagram, TikTok und über Whatsapp wird zur Vorbereitung eines erneuten Versuchs aufgerufen, nach Ceuta zu kommen. «Brüder, 15.08.2026», «Wir sehen uns dort am 15.! Seid pünktlich!». Verschiedene spanische Medien wie die grosse Tageszeitung «El País» haben anscheinend Zugriff auf fünf Facebook-Gruppen mit fast 400'000 Mitgliedern und neun WhatsApp-Gruppen.
Tipps für Verstecke vor der Polizei
In vielen Foren und Plattformen wird aber auch generell über das Thema diskutiert. Einige geben Tipps, wie Ceuta am Sichersten zu erreichen ist, wo die Polizei einen danach nicht sofort finden kann. Andere raten von einem erneuten Versuch zum jetzigen Zeitpunkt allerdings auch ab. «Geh kein Risiko ein, die Lage ist noch angespannt». In anderen Kommentaren schreiben Follower, sie würden noch ein wenig länger abwarten.

Nach dem Massenansturm auf Ceuta nehmen die spanischen Behörden die aktuellen Nachrichten in den sozialen Medien sehr ernst. In den Tagen danach kursierten ähnliche Nachrichten, die Menschen dazu aufriefen, sich im Viertel Castillejos an der Grenze zu versammeln, um gemeinsam nach Ceuta zu gelangen.
Um einen erneuten Massenansturm zu erschweren, installierten die Behörden bereits eine sich 500 Meter ins Meer ziehende, längliche Bojen-Struktur. Der aufblasbare Schwimmkörper wird zwar kaum verhindern können, dass die Menschen die 300 Meter vom marokkanischen Strand zur spanischen Seite hinüberschwimmen.
Es ist jedoch ein «Grenzsperrelement» und der letzte Ansturm wurde vor allem durch das Urteil des Spanischen Obersten Gerichtshofs ausgelöst, der direkte Rückführungen an der Grenze zu Ceuta verbot, sollten die Migranten schwimmend das spanische Territorium erreicht haben, ohne Grenzsperrungen überwunden zu haben.
Verzweifelte Suche nach Angehörigen
Auch darüber wird derzeit in den Internet-Foren debattiert. Doch während die ersten bereits erneut einen Ansturm auf die sensible EU-Aussengrenze planen, suchen viele in denselben Foren immer noch nach ihren Angehörigen, von denen sie seit dem letzten Ansturm nichts mehr gehört haben. Sie posten Fotos der Vermissten.
Eines soll nach Angaben von «El País» Mohamed Afasi in Badehose und mit einem Handtuch um den Hals zeigen. Er ist neun Jahre alt und verschwand im Meer, als er mit seiner Mutter am Wellenbrecher vorbeischwimmen wollte. Ein anderes Foto zeigt die 15-jährige Mariam, die es laut Zeugenaussagen offenbar nach Ceuta geschafft hat, deren Handy aber seitdem ausgeschaltet ist.
Viele Angehörige klammern sich daran: an das Fehlen eines Telefons, die Möglichkeit, dass sie es auf See verloren haben könnten oder dass der Akku leer ist. Sie hoffen, dass sie sich nicht unter den bereits 78 geborgenen Leichen befinden. Die spanische Flüchtlingsorganisation Caminando Fronteras berichtet am Mittwoch sogar, dass bereits 141 tote Migranten aus dem Meer geborgen wurden.

