Sonntagspresse

Airlines in der Kritik, Hunde unrechtmässig getötet und Praktikanten diagnostizieren ADHS

Airlines halten sich nicht an geltendes Recht, der Fall Ramiswil weitet sich immer mehr zum Skandal aus und ADHS wird von Praktikanten diagnostiziert – die News der Sonntagspresse.

Die Zahl von Passagierbeschwerden beim Bundesamt für Zivilluftfahrt hat zugenommen. «Im Jahr 2025 behandelten wir über 8100 Anzeigen. Im ersten Halbjahr 2026 sind bei uns bereits rund 5600 Anzeigen eingegangen», sagt Francine Zimmermann, neue Direktorin des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl), im «SonntagsBlick»-Interview.

Passagiere müssen um ihre Rechte kämpfen.
Bild: Andreas Becker

Zimmermann machte selbst die Erfahrung, dass Airlines nicht korrekt vorgehen. «Ich war auf Dienstreise in Zypern. Obwohl wir keine Verspätung hatten und ich schnell unterwegs war, verpassten andere Passagiere und ich in Wien den Anschlussflug in die Schweiz. Das Flugzeug war zwar noch am Gate, aber uns wurde das Boarding verweigert. Mein Fall für eine Entschädigung ist aktuell bei der Schlichtungsstelle in Wien», sagt Zimmermann. Es geht um einen Flug von Austrian Airlines. «Ich bin eine Passagierin wie alle anderen auch und fliege Economy – niemand interessiert, dass ich Bazl-Direktorin bin. Ich erwarte, dass sich eine Airline an geltendes Recht hält», sagt Zimmermann.

Betroffenen Fluggästen steht das kostenlose Anzeigenportal auf der Bazl-Website offen, um Regelverstösse der Airlines zu melden.

Die Akte Ramiswil: So kam es zur Tötung von 122 Hunden

Der Fall Ramiswil ist einer der schwersten Tierschutzfälle in der Geschichte der Schweiz. Im November 2025 wurden auf einem Hof im Solothurner Jura 122 Hunde eingeschläfert. Der kantonale Veterinärdienst sah keine Möglichkeit, für die in Aufzucht und Betreuung anspruchsvollen Hunde geeignete Halter zu finden. Nun zeigt der Untersuchungsbericht eines Anwaltsbüros, den die Solothurner Regierung in Auftrag gegeben hat und der der «SonntagsZeitung » vorliegt: Die Behörden wurden jahrelang durch die Tierhalterin getäuscht. Sie waren aber auch zu gutgläubig und haben trotz deutlicher Warnsignale nicht früh und entschieden genug eingegriffen. Auch wollten sie im Einvernehmen mit der Tierhalterin vorgehen, um einen Rechtsstreit zu vermeiden.

Die Hunde wurden eingeschläfert.
Bild: CH Media.

Tatsächlich würden Gerichte den Behörden oft in den Rücken fallen, wenn sie durchgreifen, sagt Tierrechts-Expertin Marie-Lou Laissue. Nach Gesetz hätten die Behörden im Fall Ramiswil durchaus früher und effektiv intervenieren können, etwa mit Tierwegnahmen oder einem Tierhalteverbot. Der betreffende Hof steht laut «SonntagsZeitung» mittlerweile leer, nur die Weiden werden von einer vom Fall unabhängigen Person für das Sömmern von Pferden benutzt. Gegen die Tierhalterin läuft ein Strafverfahren.

Basler Klinik lässt Praktikanten im Alleingang ADHS diagnostizieren

Über Jahre hinweg wurden an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel ADHS-Diagnosen an Praktikanten delegiert. Das zeigt eine Recherche der «NZZ am Sonntag». Ehemalige Praktikanten berichten, sie hätten Abklärungen fast allein durchgeführt. Die leitende Psychologin setzte lediglich ihre Unterschrift darunter. Das wirft ein düsteres Licht auf hunderte Diagnosen, die von der UPK ausgestellt wurden. Fachexperten sind alarmiert.

Immer mehr Kinder haben ADHS.
Bild: Symbolbild: Keystone

Und auch in der Politik löst das Vorgehen Kritik aus. Die SP-Nationalrätin Sarah Wyss fordert Konsequenzen: «Das interne Kontrollsystem hat offenbar versagt. Man muss klären, warum die Klinik so gearbeitet hat.» Wyss bringt den Fall nächste Woche in die Gesundheitskommission und stellt den psychologischen Berufsverband FSP zur Rede: «Ich will wissen, wie die Qualität solcher Abklärungen sichergestellt wird.» Auch die SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri zeigt sich unnachgiebig: «Ein solches Fehlverhalten muss sanktioniert werden.» Sie erwägt einen parlamentarischen Vorstoss. «Die Verantwortlichen müssen in die Pflicht genommen werden.» (has)

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