Sonntagspresse

40-Grad-Hitze, SVP-Pläne und verstörende KI-Chats

Die Schweiz schwitzt bei Temperaturen bis 40 Grad, die SVP sucht nach neuen Wegen zur Begrenzung der Zuwanderung, der Fall um den Aargauer Ex-Grossrat wirft Fragen auf und KI-Chats schockieren mit simulierten Vergewaltigungen.

«Ich bin seit 30 Jahren ‹Wetterfrosch›, aber diese Woche habe ich zum ersten Mal Modellrechnungen gesehen, die örtlich 40 Grad auf der Alpennord­seite prognostizieren»: Das sagt Peter Wick, der Chef von Meteonews, zur «SonntagsZeitung». Wir seien auf Kurs, die «Extremjahre» 2003 und 2018 zu schlagen, so der Meteorologe. Das sei «bedenklich und bemerkenswert». Auch wenn die 40-Grad-Marke noch nicht in den nächsten Tagen erreicht wird: Ab Donnerstag und bis zum Wochenende dürften bereits rekordverdächtige Temperaturen gemessen werden. Das bedeutet, dass es auch am Nationalfeiertag extrem heiss sein wird.

Die nächste Hitzewelle rollt an.
Bild: Symbolbild: Michael Buholzer

In vielen Kantonen und Gemeinden gilt bereits ein Feuerverbot. Das wird sich auch am 1. August nicht ändern. Die Verkäufer von Feuerwerk spüren, dass der Umsatz dieses Jahr klein ausfallen wird. Urs Corradini, der oberste Feuerwerker des Landes, appelliert an Städte und Gemeinden, kreativ zu werden, um private Feuerwerke doch zu ermöglichen – etwa auf von der Feuerwehr überwachten speziellen Plätzen.

Nach Nein zu 10-Millionen-Schweiz: SVP denkt über lokale Zuwanderungsstopps in Gemeinden nach

Es ist erst wenige Wochen her, dass die Schweiz die 10-Millionen-Initiative der SVP abgelehnt hat. Doch nun erhält die Idee eines Zuwanderungsstopps neuen Aufschwung. Der Luzerner Nationalrat Franz Grüter leitet Ende August eine SVP-Tagung, an der diskutiert werden soll, «ob es auf kantonaler und kommunaler Ebene Möglichkeiten gibt, die Zuwanderung zu begrenzen», wie er in der «NZZ am Sonntag» sagt.

Als Vorbild nennt er eine Volksinitiative aus dem luzernischen Hochdorf, die das Bevölkerungswachstum gebremst hat. Die Walliser Gemeinde Grimisuat hat gar schon einen Bevölkerungsdeckel eingeführt. Bei 5000 Einwohnern soll Schluss sein mit Wachstum, auch weil das Trinkwasser in der Gemeinde knapp ist. «Wir sind an eine natürliche Obergrenze gekommen», sagt der Gemeindepräsident Raphaël Vuigner.

Für Ursin Fetz, Professor an der Fachhochschule Graubünden und Experte für Gemeindeentwicklung, passt Grimisuat in ein Muster. Er beobachtet, dass es im gegenwärtigen politischen Klima heikler geworden sei für Gemeinden, ein Wachstum anzuvisieren. «Viele Gemeinden haben ihre Wachstumsziele nach unten korrigiert.»

Hat der Ex-Grossrat seine Übergriffe angekündigt?

Ein Aargauer Ex-SVP-Politiker ist angeklagt, mehrere Frauen sexuell missbraucht zu haben, nachdem er sie betäubt hatte. Eine davon war noch minderjährig. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann etwa mehrfache Vergewaltigung, Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern und gar versuchten Mord vor. Er bestreitet Teile der Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ex-SVP-Grossrat soll schon vor Jahren sexuelle Übergriffe beschrieben haben.
Bild: zvg

Nun gibt es laut «SonntagsZeitung» aber Hinweise darauf, dass der Mann schon vor Jahren gegenüber einem Psychotherapeuten sexuelle Übergriffe beschrieben haben soll. Was die Frage aufwirft, wann Therapeutinnen und Therapeuten eine mögliche Bedrohung melden sollen – auch wenn sie an die Schweigepflicht gebunden sind.

KI-Chats zeigen, wie Männer die Betäubung und Vergewaltigung von Frauen simulieren

Die Missbrauchsvorwürfe gegen den Aargauer Ex-Politiker sind kein Einzelfall. Eine Studie zeigt, dass 22 Prozent der Männer den Gedanken erotisch finden, mit einer schlafenden oder regungslosen Frau Sex zu haben. Eine Recherche der «NZZ am Sonntag» zeigt ausserdem: Auf KI-Plattformen wie Character.ai, Chub AI oder Janitor AI toben sich zahlreiche User mit diesen Phantasien aus. In ihrer Brutalität kennen die veröffentlichten Chats keine Grenzen. Auf den Websites finden sich zahlreiche öffentlich zugängliche Chatverläufe, in denen Nutzer mittels KI simulieren, wie sie Frauen betäuben, missbrauchen und teilweise sogar töten.

KI wird für sexualisierte Gewalt benutzt.
Bild: Symbolbild: Peter Steffen

Experten warnen davor, dass KI-Bots die Hemmschwelle von Tätern senken können. «Diese KI-Chatbots verschieben Grenzen und normalisieren Gewalt in einer Dimension, wie wir es bisher noch nie gesehen haben», sagt Rüya Toparlak. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Luzern und hat an der ersten grösseren Studie mitgeschrieben, die untersucht, wie künstliche Intelligenz neue Formen der sexualisierten Gewalt an Frauen und Mädchen schafft.

Bund hofft auf Zollbefreiung für Schweizer Uhren

Die Pharmaindustrie, der Flugzeugbauer Pilatus und Nespresso haben es geschafft: Ihre Produkte sind von den Zöllen der Trump-Administration ausgenommen. Die übrigen Branchen zahlen seit Freitag einen Satz von 12,5 Prozent. Nun lobbyiert auch die Uhrenbranche für eine Zollbefreiung. Ihr informeller Cheflobbyist ist der Breitling-Chef Georges Kern: Weil die USA keine eigene Uhrenindustrie hätten, ergebe der Zollschutz keinen Sinn, sagt Kern zur «NZZ am Sonntag». «Es wäre deshalb richtig, dass man die Uhrenindustrie von den Zöllen befreit.»

Auch der Bund setzt sich gemäss Recherchen hinter den Kulissen für die Zollbefreiung für die Uhrenindustrie ein. Nachträgliche Verhandlungen seien nie ausgeschlossen, gibt sich das Staatssekretariat für Wirtschaft bedeckt. «Die Idee, Schweizer Uhren von den US-Zöllen zu befreien, verfolgen wir schon sehr lange. Wir hoffen, dass dies gelingt», sagt Yves Bugmann, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie FH.

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