Wetter

Schattenseite der Sommersonne: Für die Gletscher wird es ein schlechter Sommer

Die meisten von uns geniessen die heissen Frühsommertage mit Glacé, Gartenbeiz und Badi. Doch sollte der angekündigte Rekordsommer kommen, ist das für die Schweizer Berge keine gute Nachricht.
Blick auf den Aletschgletscher im Sommer 2021.
Bild: Keystone

Es ist heiss – und das in der ganzen Schweiz. Während sich viele über die warmen Temperaturen freuen, ist die warme bis teilweise sogar heisse Wetterphase für die Schweizer Gletscher ein denkbar schlechter Start in den kommenden Sommer.

Denn die Schneemenge auf den Gletschern ist zu diesem Zeitpunkt des Jahres unterdurchschnittlich, wie Meteonews mit Verweis auf das Gletschermonitoring des Schweizer Gletschermessnetzes (Glamos) schreibt. «Und das zumeist sehr deutlich», heisst es im Beitrag.

Auf 25 Gletschern hat Glamos im April und Mai die Schneemengen gemessen. Hochgerechnet auf alle Gletscher beträgt das Defizit 25 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2020, wie ein Anfang Mai veröffentlichter Bericht zeigt.

Ohne Schnee gehts schneller

Zwar brachte das kühle und nasse Wetter im Mai etwas Entlastung mit sich, doch nun «schreitet die Schneeschmelze massiv voran.» Die aktuell geringe Schneemasse ist für die Gletscher ein Problem, denn diese würden vom winterlichen Schnee zehren. «Die Schneeauflage schützt das darunterliegende Gletschereis, sie reflektiert das Sonnenlicht. Kommt das dunklere Eis einmal zum Vorschein, beschleunigt sich der Schmelzprozess rapide.»

Zudem habe sich gezeigt, dass selbst grosse Schneemengen im Frühling «bei Weitem nicht mehr ausreichen, um die Schmelze zumindest bis Mitte Sommer zu verzögern», schreibt der Wetterdienst und zieht das Fazit: «Der Gletscherschwund schreitet voran und beschleunigt sich sogar.»

«Sehr schlechte Vorzeichen»

Meteonews zeigt das am Beispiel des Säntis auf: Aktuell liegt am Säntis noch 3,35 Meter Schnee. Doch im vergleichsweise warmen April und Mai ist eine rechte Masse weggeschmolzen. Zwar liegt die aktuelle Schneehöhe etwa im Bereich des Medians, aber «am Freitag steigt die Nullgradgrenze schon auf 3900 bis 4000 Metern an», schreibt Meteonews. Die Schneemasse dürfte damit schnell abnehmen.

Auch im Kanton Graubünden liegt zu wenig Schnee und beschleunigt damit die Gletscherschmelze. Da verschiedene Langzeitprognosen einen warmen bis heissen Sommer prognostizieren, zieht Meteonews die Schlussfolgerung:

«Für die Gletscher im Alpenraum sind die Vorzeichen sehr schlecht, nach dem aktuellen Stand der Dinge droht ein weiterer katastrophaler Gletschersommer». (ome)

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