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Ukraine-Krieg

«Hausfrauen mit 3D-Druckern»: Rheinmetall-Chef spottet über ukrainische Drohnenproduktion

Ein Artikel in den US-Medien über den deutschen Rüstungsfabrikanten Armin Papperger schlägt hohe Wellen. Inzwischen schliesst Selenski Verträge mit den Golfstaaten ab.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger (rechts) im Januar bei einer Werksbesichtigung in Harzgerode.
Bild: Hannibal Hanschke/EPA

Was ist bloss in Armin Papperger gefahren? Seit 48 Stunden laufen in der Ukraine die sozialen Medien heiss. Der Grund: eine Aussage des deutschen Rüstungsfabrikanten im US-Magazin «The Atlantic».

Der Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall verglich die Herstellung von Drohnen mit dem «Spielen mit Lego-Steinen» und stellte offen infrage, ob die Ukraine überhaupt echte technologische Innovation hervorbringe. Ukrainische Produzenten bezeichnete er gar als «Hausfrauen», die mit 3D-Druckern in ihren Küchen Bauteile zusammenbauen würden. «Das ist keine Innovation!», zog Papperger den Vergleich mit globalen Rüstungskonzernen wie Lockheed Martin, General Dynamics oder eben seiner Firma.

Damit zieht Papperger ausgerechnet über jenes Land her, mit dem er mehrere lukrative Rüstungskooperationen abgeschlossen hat und dessen erfolgreicher Widerstand die Rheinmetall-Aktien an der Börse in vier Jahren durch die Decke gehen liess. Die Reaktionen liessen entsprechend nicht lange auf sich warten.

Unter dem Hashtag #LEGODrones formierte sich in sozialen Netzwerken scharfe Kritik. Prominente Stimmen wie der frühere Schachweltmeister und Putin-Gegner Garry Kasparow verurteilten Pappergers Aussage.

Besonders deutlich wurde Aleksander Kamyshin, Berater von Präsident Wolodimir Selenski. «Unsere Lego-Drohnen haben mehr als 11'000 russische Panzer zerstört», schrieb er auf X – und konterte damit Pappergers Spott mit einer nüchternen Erfolgsbilanz. Wenig später legte er nach und verwies auf die zentrale Rolle von Frauen in der ukrainischen Rüstungsindustrie: Diese arbeiteten gleichberechtigt in Fabriken und verdienten Respekt statt Geringschätzung.

Tatsächlich gilt die ukrainische Drohnenentwicklung als einer der entscheidenden Faktoren im Abwehrkampf gegen Russland. Seit Beginn der Invasion hat das Land kostengünstige, oft improvisierte Systeme stetig weiterentwickelt. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln – häufig basierend auf handelsüblichen Komponenten – gelingt es den ukrainischen Streitkräften immer wieder, russisches Militärgerät im Wert von Millionen zu zerstören.

Kooperationsverträge mit den Golf-Staaten

Während Papperger die technologische Tiefe dieser Entwicklungen anzweifelt, baut die Ukraine ihre Rüstungskooperationen international weiter aus. Präsident Selenski hat gerade erst langfristige Verteidigungsabkommen mit mehreren Golfstaaten abgeschlossen. Diese sehen nicht nur Waffenlieferungen, sondern auch gemeinsame Produktion und den Austausch von Know-how vor.

Dabei betont Selenski, dass die Stärke seines Landes längst über Drohnen hinausgehe: Gefragt seien auch die Erfahrungen ukrainischer Soldaten in der Luftabwehr sowie ihre Expertise in der elektronischen Kriegsführung.

Die Kontroverse um Pappergers Aussagen wirkt vor diesem Hintergrund wie ein kommunikatives Eigentor. Zumal der Rheinmetall-Chef ähnliche Formulierungen bereits im vergangenen Jahr verwendet hatte – damals jedoch ohne grössere Resonanz, wie das deutsche «Handelsblatt» schreibt.

Dass die Kritik nun so heftig ausfällt, zeigt auch, wie sensibel das Thema inzwischen geworden ist: Für die Ukraine sind Drohnen nicht nur ein Symbol für Improvisation, sondern ein zentraler Pfeiler ihres militärischen Überlebens.

Allerdings gibt es auch nüchterne Stimmen. So empfiehlt der frühere ukrainische Regierungsberater Anton Geraschenko: «Das ist ein wichtiger Artikel, der es verdient, ganz gelesen zu und nicht nur wegen einer Aussage skandalisiert zu werden.» Es gebe verschiedene Ansichten über die Rüstungsindustrie, und diese unterschiedlichen Positionen müsse man diskutieren können.

Angesichts des Scherbenhaufens nahm schliesslich am Sonntagnachmittag auch Rheinmetall Stellung, nachdem der Konzern zunächst auf Medienanfragen nicht reagiert hatte. «Wir haben den allergrössten Respekt vor den ungeheuren Anstrengungen des ukrainischen Volkes, sich gegen die russischen Angriffe zu wehren», schrieb der Konzern auf X, ohne sich allerdings für Pappergers Aussage ausdrücklich zu entschuldigen.

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