
Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für Glaubensfragen und damit der oberste Glaubenshüter der katholischen Kirche, hat nicht lange gefackelt: 24 Stunden nach der vom Papst nicht genehmigten Bischofsweihe in der Walliser Gemeinde Écône im Kanton Wallis hat er am Donnerstag sein Dekret veröffentlicht, mit dem sowohl die vier neu geweihten Bischöfe als auch die zwei weihenden, bisherigen Bischöfe der Piusbrüder mit dem Kirchenbann belegt werden.
Mit der Weihe gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. hätten sie einen «Akt schismatischer Natur» vollzogen, schrieb der Kardinal. Damit wird eine Handlung bezeichnet, die die Spaltung der katholischen Kirche bezweckt. Mit der Exkommunikation verlieren die Geistlichen all ihre kirchlichen Ämter und Würden.
In seinem Dekret hat Kardinal Fernandez auch Papst Johannes Paul II. zitiert, der gegen die fundamentalistische katholische Gemeinschaft, die die Reformen des zweiten vatikanischen Konzils ablehnt, im Jahr 1988 aus den gleichen Gründen die gleiche Strafe verhängt hatte. Der Papst aus Polen hatte bei der damaligen Exkommunikation festgehalten, dass es sich bei der nicht genehmigten Weihe von damals ebenfalls vier Bischöfen um «Ungehorsam gegenüber dem Römischen Papst in einer sehr ernsten und für die Einheit der Kirche höchst bedeutsamen Sache» gehandelt habe.
Konkret betroffen von der Verbannung aus der Kirche sind der spanische Bischof Alfonso de Galarreta, der die Weihe vornahm, sowie die vier neuen Bischöfe Pascal Schreiber aus der Schweiz, Michael Goldade aus den USA sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier (beide aus Frankreich). Auch der bisherige Bischof Bernard Fellay (Schweiz) ist wegen seiner Beteiligung vom Kirchenbann betroffen.
Die Warnung des Vatikans war eindeutig
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. - so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft - hatte am Mittwoch in Écône trotz ausdrücklicher Warnung des Papstes neue Bischöfe geweiht. Der Vatikan hatte bereits Wochen zuvor klargemacht, dass ein solcher Schritt ohne Zustimmung des Papstes den automatischen Kirchenausschluss nach sich zieht.
Der Generalobere der Gemeinschaft, Davide Pagliarani, hat sich davon nicht gross beeindrucken lassen: Er dankte dem Papst am Mittwoch sarkastisch für seine «väterliche Fürsorge», stellte aber sogleich klar, dass aus seiner Sicht «alle Strafen und Zensuren, die gegen die Weihen ausgesprochen werden, keinerlei Gültigkeit besitzen. «Wir sind bereit, jeden Preis für die Rettung der Kirche zu bezahlen», rief Pagliarani in die Menge.
Trotzdem verlieh der Chefdiplomat des Vatikans, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, am Mittwoch seiner Hoffnung Ausdruck, dass eines Tages der Dialog wieder aufgenommen werden könne, um zu einer Lösung zu gelangen. Der schismatische Akt der Piusbrüder sei eine «grosse Verletzung der Einheit der Kirche», betonte Parolin.
So schnell wird der Dialog freilich kaum aufgenommen werden: Papst Leo XIV. hatte gegenüber den Piusbrüdern mehrfach die Hand ausgestreckt und im vergangenen Oktober offiziell eine grosse Messe im alten, lateinischen Ritus zugelassen, an dem die Gemeinschaft so sehr hängt. Aber letztlich bestehen die Piusbrüder auf der Rückgängigmachung sämtlicher Reformen des zweiten vatikanischen Konzils. Mit der (erneuten) nicht autorisierten Weihe von vier Bischöfen haben sie dem dialogbereiten Papst den Fehdehandschuh hingeworfen - Leo XIV. konnte gar nicht anders, als den Ungehorsam zu sanktionieren.

