Zivilstandsamt

Transfrau mit Penis in FKK-Zone: SVP will einfache Geschlechts­­änderung abschaffen

Von Mann zu Frau und umgekehrt: 3000 Personen haben seit einer Gesetzesänderung ihr Geschlecht ohne Angabe näherer Gründe gewechselt. Nach einem Vorfall in einer Frauennacktzone im Marzilibad in Bern reagiert jetzt die SVP.

Der Fall sorgte international für Aufsehen. An einem Sonntag Ende Juni weigerte sich eine Transfrau, das sogenannte Paradiesli, eine ausschliesslich Frauen vorbehaltene FKK-Zone im Berner Marzilibad, zu verlassen. Die Polizei führte sie ab, nachdem das Badipersonal vergeblich versucht hatte, die Bart-, Brust-, Rückenhaar- und Penisträgerin aus dem Frauenbereich zu schicken; einige Frauen hatten sich über ihre Anwesenheit beschwert.

Gemeinderätin Ursina Anderegg (Grüne) entschuldigte sich später als Vertreterin der Stadtberner Exekutive bei der Transfrau für die Vertreibung aus dem Paradiesli. Das Badipersonal habe die Regeln falsch angewendet, sagte sie im Interview mit CH Media. Die Regeln besagen, dass alle Personen, die sich als Frau identifizieren, Zugang zur FKK-Zone im Marzilibad haben. Nur wenn es hart auf hart kommt, müssen Betroffene den Ausweis zücken, der eine allfällige Geschlechtsänderung dokumentiert. Die Transfrau vom Marzilibad hatte diesen Schritt gemacht, weigerte sich aber, ihre Identitätspapiere zu zeigen.

Die Marzilibad-Posse hat nun ein politisches Nachspiel. Die Zürcher SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel fordert, dass die vereinfachte Geschlechtsänderung wieder abgeschafft wird. In der kommenden Herbstsession wird sie eine entsprechende Motion einreichen.

Nationalrätin will Frauen schützen

Juristin Fehr Düsel zielt mit ihrem Vorstoss primär auf den Schutz der Frauen. Sie will nicht, dass sie etwa in Umkleidekabinen, Toiletten oder für Frauen reservierten FKK-Zonen biologischen Männern begegnen, die sich per Selbstdeklaration zur Frau erklären liessen. «Das ist keine Diskriminierung, sondern gesunder Menschenverstand», sagt Fehr Düsel. Die gut gemeinte Gesetzesänderung führe in der Praxis zu Problemen. Die SVP-Politikerin denkt auch an Sportwettkämpfe, bei denen sich Männer, die amtlich zu Frauen werden, Vorteile verschaffen können.

Fehr Düsel sagt, sie höre auch aus Kreisen der FDP und der Mitte zunehmend kritische Stimmen. Eine davon gehört Marcel Dobler. Für den St. Galler FDP-Nationalrat ist klar, dass dieses Gesetz überarbeitet werden muss. In der Parlamentsdebatte seien die problematischen Aspekte zu kurz gekommen: «Es braucht Kriterien für einen Geschlechterwechsel im Ausweis, und auch dann haben für mich Penisträgerinnen im Paradiesli oder in Frauensaunas nichts zu suchen.»

Die Aargauer Mitte-Ständerätin Marianne Binder teilt diese Haltung. In der Ratsdebatte habe die Mehrheit des Parlaments nicht damit gerechnet, dass die Gesetzesänderung im Namen der Toleranz in der Praxis ad absurdum geführt werden könnte. Binder stellt aber momentan noch nicht die ganze Gesetzesrevision infrage. Sie findet jedoch: In der Umsetzung braucht es Anpassungen. «Es kann nicht sein, dass Frauen nun in ihren Räumen bedrängt werden und die Leidtragenden sind.»

Die Geschlechtsänderung kostet 75 Franken

Seit 2022 können Frauen und Männer auf dem Zivilstandsamt ohne Angabe näherer Gründe ihr Geschlecht und ihren Namen gegen eine Gebühr von 75 Franken ändern. Rund 3000 Personen haben das seither getan. Zuvor musste die Geschlechtsänderung in einem gerichtlichen Verfahren anerkannt werden. Das Parlament schaffte diese Pflicht mit einer in der Wintersession 2020 verabschiedeten Änderung des Zivilgesetzbuches ab.

Die Idee lautete, die als langwierig und teuer empfundene Prozedur für Menschen abzuschaffen, die überzeugt sind, dass das ihnen bei der Geburt zugewiesene Geschlecht falsch ist. Die SVP lehnte das neue Gesetz grossmehrheitlich ab, ebenso eine Handvoll Mitte-Parlamentarier und FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen.

Befürchtungen, es könnte zu Missbrauch kommen, hegten der Bundesrat und die Mehrheit des Parlaments nicht. Die damals zuständige Justizministerin Karin Keller-Sutter (FDP) sagte, niemand stelle sein Leben aus einer Laune heraus auf den Kopf: «Sie müssen sich vorstellen: Ich müsste dem Arbeitgeber erklären, warum ich am nächsten Tag plötzlich Karl Keller bin und nicht mehr die Karin Keller.»

In der Folge gab es in der Presse mehrfach Schlagzeilen, die das Gegenteil erahnen liessen – zum Beispiel über einen 60-jährigen Mann, der zur Frau wurde, um früher in Rente gehen zu können. Ein anderer junger Mann wollte sich mit einer Geschlechtsänderung vor der Wehrpflicht drücken.

Im Auftrag des Bundesamts für Justiz untersuchte Christiana Fountoulakis von der Universität Freiburg die Geschlechtsänderungen des Jahres 2022. Sie kam zum Schluss, dass der Anteil der missbräuchlichen Erklärungen gering erscheine. Einzelfälle könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden.

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