Staatsbesuch

Bollywood-Traum wird wahr: Nationalrat sitzt plötzlich am Tisch von Indiens Premier

Seit Montag weilt Guy Parmelin auf Staatsbesuch in Indien. Mit dabei ist Nik Gugger, erster Schweizer Parlamentarier indischer Herkunft. Premierminister Modi lud ihn und seine Eltern wieder nach Indien ein.

Seine Garderobe für den Staatsbesuch hatte Nik Gugger minutiös ausgesucht. Für die politischen Gespräche und das Mittagessen mit Premierminister Narendra Modi in Neu-Delhi tauchte der Schweizer Nationalrat indisch gekleidet auf: Über dem weissen Seidenhemd trug er ein champagnerfarbenes Modi-Jacket mit Goldstreifen. Dazu kamen eine dunkelblaue Bundfaltenhose und dunkelblaue Schuhe mit weissen Sohlen.

Der sorgsam vorbereitete Auftritt fiel auf: Gugger war als einziges Mitglied der Schweizer Delegation indisch gekleidet. Selbst viele indische Minister traten in Anzug und Krawatte auf. Guggers Garderobe sollte Folgen haben.

Der EVP-Politiker ist Teil der Schweizer Delegation um Bundespräsident Guy Parmelin. Dieser weilt seit Montag zum Staatsbesuch in Indien. Im Zentrum stehen der wirtschaftliche Austausch und die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung. Die beiden Länder schlossen zwei neue Abkommen: eines im Bereich der Migration und eines zum Austausch junger Fachkräfte.

Zwischen Premier und Aussenminister platziert

Als Gugger im Hyderabad House, einem repräsentativen Regierungsgebäude in Neu-Delhi, seinen Platz für das Mittagessen suchte, traute er seinen Augen nicht: Die Gastgeber hatten ihn neben drei Staatsmännern platziert: Rechts von Gugger sass Premierminister Modi,  links Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar; auf der anderen Seite von Modi Bundespräsident Guy Parmelin.

Damit wurde für Gugger eine Art Bollywood-Film wahr: Wie in der Traumwelt von Mumbais Filmindustrie findet der Schweizer indischer Abstammung nach schwierigen Zeiten und grossem Einsatz ein Happy-End am Tisch des indischen Premierministers, einem der mächtigsten Männer der Welt. Modi vertritt das mit 1,47 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Land der Welt.

Gugger musste zittern, ob er die Indien-Reise antreten kann. Er musste sich im Sommer drei Herzoperationen unterziehen und verpasste die Herbstsession bis auf einen Tag. Die Ärzte gaben grünes Licht für den Flug.

Als sich Gugger und Modi begrüssten, huschte ein Lächeln über das Gesicht des Premierministers. Die beiden verständigten sich in Hindi-Englisch («Hinglisch»). «Sie sind gut angezogen», begrüsste Modi den Nationalrat. Modi sah sofort, dass Gugger ein sogenanntes Modi-Jacket trug wie er selbst. Das Modi-Jacket ist eine moderne Variante des Nehru-Jackets, das nach Jawaharlal Nehru benannt ist, Indiens erstem Premierminister. Modi trug dazu bei, diese Form in indisch-elegantem Stil als ärmellose Jacke mit geschlossener Front und Stehkragen wieder populär zu machen.

«Ich habe schon von Ihnen gehört», sagte Modi zu Gugger. «Erzählen Sie, wie Sie als indisches Kind in die Schweiz kamen.» Gugger war in Indien geboren und von einem Schweizer Ehepaar adoptiert worden. Er ist der erste indisch-schweizerische Parlamentarier. Gugger war als Brückenbauer aktiv am Freihandelsabkommen beteiligt, das die Schweiz und Indien 2024 schlossen.

Die indischen Gastgeber gaben dem Lunch einen schweizerisch-indischen Touch. Aufgetischt wurden etwa Ambila-Gerstensuppe, Farrukhabadi-Alukam-Raclette, Lapsi-Nusstorte, Masala-Chai-Eiscreme. Modi und Gugger sprachen während des Essens über ihre Herkunft. Modi wurde im Bundesstaat Gujarat geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Gugger kam im Bundesstaat Karnataka zur Welt und verbrachte seine ersten vier Jahre mit den Schweizer Adoptiveltern im Bundesstaat Kerala.

Auch der deutsche Komponist Ludwig van Beethoven war ein Gesprächsthema. Der zweite Satz einer seiner Sinfonien stand auf der Playlist für das Konzert beim Mittagessen zu Ehren von Bundespräsident Parmelin.

Auf den gemeinsamen Bildern mit Gugger wirkt Indiens Premierminister tiefenentspannt. «Der Austausch mit Modi war für mich eine stille Anerkennung für die guten Dienste», sagt Gugger. Er betont, man könne in der Politik viel erreichen mit «Offenheit, Vertrauen, Beziehungspflege und Gemeinschaftsbildung». Zudem orientiere er sich an der Maxime, Freude am Leben zu haben und Interesse am Gegenüber zu zeigen.

Am Montagabend fand dann noch das Staatsbankett mit der indischen Präsidentin Droupadi Murmu im Präsidentenpalast Rashtrapati Bhavan statt. Auch da hatten die Gastgeber Gugger neben die Präsidentin gesetzt.

Zu guter Letzt liess Premierminister Narendra Modi noch eine spezielle Geste folgen. Er lud Nik Gugger und seine Eltern – Fritz und Elisabeth Gugger – ein, wieder nach Indien zu kommen. «Es berührt mich», sagt Nationalrat Gugger dazu, «dass mir die Menschen immer wieder Vertrauen schenken.»

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