Als Markus Schwegler vor vier Jahren begann, an einer innovativen Wasserversorgung für das Naturgut Katzhof zu tüfteln, runzelten einige Menschen die Stirn: Das braucht es doch nicht, wozu soll das gut sein?
Nun, in diesem aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer, sieht das ganz anders aus. Es ist der grosse Stresstest für Schweglers Kreislaufsystem. Und er sagt: «Ich bin extrem froh, dass wir das gemacht haben. Noch besser wär's, wir hätten schon vor zehn Jahren angefangen.»
Der Katzhof liegt abgelegen auf einem Hügel im luzernischen Wiggertal. In den letzten Jahren haben Markus Schwegler und seine Frau Claudia Meierhans den Betrieb zu einem Grossgarten entwickelt, der den Wasserfluss verlangsamt, das Wasser auf Acker- und Gemüsefläche verteilt, es versickern lässt und speichert wie ein Schwamm. Das macht den Boden resilienter, sowohl gegen Trockenheit als auch gegen Hochwasser. Und es sieht schön aus.
Geschwungene Gräben halten Wasser zurück
Das Kernelement der Wasserkultur auf dem Katzhof sind Gräben. Sie sind als geschwungene Linien angelegt, die an die Höhenlinien auf einer Wanderkarte erinnern. Sie sammeln das Regenwasser und halten es lange genug auf, damit es bis in die Tiefe versickern kann, anstatt über den sandigen Boden hangabwärts zu fliessen. Das hält den Boden feucht für das Getreide, die Kartoffeln und das Gemüse, die zwischen den Gräben wachsen.
Überschüssiges Wasser leiten die Gräben dank eines leichten Gefälles in ein Speicherbecken. Es erfüllt eine zentrale Aufgabe: In den vergangenen Jahren regnete es seltener, aber wenn es regnet, dann heftiger. Dank des Speichers kann das Wasser des Winters im Frühling die Sprösslinge tränken. Das Becken ist kein Rechteck aus Beton, sondern ein Biotop, in dem sich bereits Frösche und Libellen angesiedelt haben.
Mittlerweile macht Schwegler zahlreiche Führungen auf dem Hof, es interessieren sich Landwirte, Wissenschaftlerinnen und Behörden für sein Wassersystem. Es ist Teil eines Projekts namens «Slow Water» der Kantone Luzern und Basel-Landschaft, das Methoden testet, wie das Wassermanagement auf Landwirtschaftsbetrieben und in Gemeinden optimiert werden kann.
Der Natur helfen, sich selbst zu helfen
Die aktuelle Trockenheit bringt allerdings auch das innovative System auf dem Katzhof an seine Grenzen. «Auch unsere Wiesen sind braun. Wir müssen die Kühe im Stall füttern, weil es draussen kein frisches Gras mehr gibt», sagt Schwegler. Das ist ihm in den zwölf Jahren, die er nun auf dem Betrieb arbeitet, bisher noch nie passiert. Auch das Wasser im Speicherbecken ging in den vergangenen Wochen aus. Nun hat Schwegler eine alte Quelle angezapft, die immerhin noch ein bisschen Wasser liefert.
Schon im Winter gab es nur wenig Niederschlag. «Wir sind noch nie so trocken ins Jahr gestartet wie ins 2026», sagt Schwegler. Zudem: «Unser System ist noch sehr jung.» Die Kastanienbäume und Haselsträucher, die er entlang der Wassergräben gepflanzt hat, sind erst seit drei Jahren im Boden. Sie sind vielleicht in zwanzig Jahren gross und tief verwurzelt genug, um einen Effekt auf den Wasserkreislauf zu haben. Mit Schatten und Transpiration würden sie zur Kühlung der Landschaft beitragen. «Da müssen wir jetzt gut schauen, dass die gedeihen», sagt Schwegler. «Wir wollen der Natur helfen, sich selbst zu helfen.»
Das ist sein Anspruch: ein ganzheitlicher Ansatz. Es brauche mehrere Methoden, clever kombiniert, um die Klimaleistung einer Landschaft zu stärken, ist er überzeugt.
Die Lage ist prekär, aber nicht akut
Momentan frisst vor allem das Wässern viel Zeit. Um möglichst sparsam zu arbeiten, werden die Pflanzen von Hand mit dem Schlauch getränkt. Das Wasser soll tief in den Boden sickern, anstatt, wie beim Sprinklersystem, auf der Oberfläche gleich wieder zu verdunsten.
Das Wasser dafür stammt aus der Hausversorgung des Katzhofs. Er ist nicht ans Trinkwassernetz angeschlossen, sondern bezieht das Wasser aus einer Quelle, die im Wald entspringt. Diese Quelle bereitet Markus Schwegler momentan noch keine Sorgen. Sie führt gut Wasser. Er misst aber immer wieder nach, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können.
Das Gräben-System hat trotz allem seine Aufgabe erfüllt. Schwegler ist froh, konnte er dank des gespeicherten Wassers die Hausversorgung möglichst lange entlasten. Ohne diesen Puffer wäre es schon vor Wochen schwierig geworden, das Gemüse zu wässern. «Die Lage ist prekär», sagt er. «Noch nicht akut. Aber der Kipppunkt kommt näher.»






