Sport

Nationalrat versenkt Geschlechterquote für Sportverbände

Die grosse Kammer hat entschieden, ein Herzensprojekt der früheren Sportministerin Viola Amherd abzuschaffen.

Ob Turnen, Tennis, Hand-, Fuss- und Volleyball, Schwingen oder Rhythmische Gymnastik: Seit Anfang 2025 müssen alle nationalen Sportdachverbände eine Geschlechterquote erfüllen. In den Vorständen müssen mindestens 40 Prozent Frauen vertreten sein. Das gilt umgekehrt auch für Männer. Sonst kann das Bundesamt für Sport Beiträge kürzen oder streichen.

Es geht um viel Geld. Der Bund überweist dem Dachverband Swiss Olympic jährlich 37,6 Millionen Franken, der diese an die 87 nationalen Sportverbände weiterleitet.

Die Geschlechterquote, erschaffen zur Förderung von Diversität und Inklusion und ein Herzensanliegen der früheren Sportministerin Viola Amherd (Mitte), hat nun einen Rückschlag erlitten. Mit 109 zu 81 Stimmen hiess am Dienstag eine bürgerliche Mehrheit im Nationalrat eine Motion zur Abschaffung der Quote gut. Stefanie Heimgartner, Aargauer SVP-Nationalrätin und Urheberin des Vorstosses, sagte während der Debatte: «Für mich ist eine Quote eine Beleidigung für die Frauen, egal ob im Sport, in der Wirtschaft oder in der Politik.» Heimgartner wies darauf hin, dass etwa der Eidgenössische Schwingerverband aus naheliegenden Gründen eine solche Quote kaum je erfüllen könne.

Eine Minderheit der vorberatenden Kommission und der Bundesrat führten ausgerechnet den Schwingerverband als Beleg dafür an, dass die aktuelle Regelung funktioniere. Zwar sitzen im neunköpfigen Vorstand ausschliesslich Männer. Der Verband erfüllt die Vorgaben dennoch, gemäss dem Motto «erfüllen oder erklären». Er konnte nämlich erfolgreich aufzeigen, was er zu tun gedenkt, um den Zielwert langfristig zu erreichen. In der Umsetzung gelte der Grundsatz des Augenmasses, teilt das Bundesamt für Sport auf Anfrage mit. Beitragskürzungen seien Ultima Ratio und hätten aktuell nur hypothetischen Charakter. Mit anderen Worten: Derzeit muss kein Verband um Bundesgelder bangen.

Aktuell erfüllen 87 Prozent der Sportverbände die Vorgabe der Geschlechterquote. Diese Zahl hat sich damit seit Beginn der Diskussionen zum Thema verdoppelt, wie Swiss Olympic mitteilt. In den 87 Prozent sind auch Verbände enthalten, die zwar kein ausgewogenes Geschlechterverhältnis aufweisen, aber aufzeigen können, welche Massnahmen zugunsten der Diversität sie ergriffen haben.

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