Nahost

Nach Drama auf Tel-Aviv-Flug: Warum die Strecke nach Dubai so beliebt ist

Mehr als eine Million Israeli reisten seit 2020 in die Emirate – selbst der Gaza-Krieg bremste den Boom kaum.

Kaum eine Fluglinie zeigt so deutlich, wie eng die Verbindung zwischen den Golfstaaten und Israel inzwischen geknüpft ist, wie Flydubai. Die Fluggesellschaft war die erste überhaupt, die nach dem sogenannten Abraham-Abkommen eine planmässige Passagierverbindung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel aufnahm.

Das im September 2020 unter Vermittlung der USA unterzeichnete Abkommen normalisierte die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die zuvor keine offiziellen Kontakte unterhalten hatten; ihm folgten ähnliche Normalisierungsverträge Israels mit Bahrain, Sudan und Marokko.

Der Erststart auf der Strecke Dubai–Tel Aviv erfolgte am 26. November 2020 mit zwei täglichen Flügen. Seither ist das Angebot stetig gewachsen. Ende 2023 waren es acht tägliche Flüge, mittlerweile bis zu zehn Rotationen pro Tag – die höchste Frequenz seit Streckenstart. Damit ist Flydubai heute die dominierende Airline auf der Strecke Dubai–Tel Aviv.

Insgesamt verkehren zwischen den Emiraten und Israel mittlerweile mehr als 200 Flüge pro Woche, davon rund 88 zwischen Tel Aviv und Dubai sowie 22 nach Abu Dhabi, bedient von Emirates, Flydubai, Etihad und El Al. Innerhalb von drei Jahren seit dem Abkommen stieg die Zahl der Flüge laut der Emirati-Botschaft in Israel von null auf 106 pro Woche allein in eine Richtung. Der bilaterale Handel erreichte im selben Zeitraum rund 5,6 Milliarden Dollar.

Besonders einladendes arabisches Ziel

Über eine Million Israeli haben die Emirate seit 2020 besucht – nach Angaben des israelischen Aussenministeriums fast jeder zehnte Israeli. 2023 war Israel zeitweise der am schnellsten wachsende touristische Herkunftsmarkt für Dubai überhaupt, mit einem Plus von 212 Prozent in den ersten beiden Monaten des Jahres.

Für die Popularität nennen Beobachter mehrere Gründe: die kurze, seit dem Abkommen visafreie Distanz von rund drei Flugstunden; das Fehlen einer historisch gewachsenen antisemitischen Tradition, wie die israelische Diplomatin Larissa Samoilovich betont. Der israelische Nahost-Analyst Yossi Kuperwasser vom Jerusalem Center for Public Affairs verweist ausserdem auf die generelle Reisefreudigkeit der Israeli, für die die Emirate als besonders «einladendes» arabisches Ziel gelten.

Der Tourismus verläuft dabei stark einseitig: Während bis 2022 rund 470'000 Israeli in die Abrahams-Abkommen-Staaten reisten, kamen im Gegenzug nur gut 5'000 Besucher aus diesen Ländern nach Israel – unter anderem wegen Visa-Hürden und der Sorge arabischer Reisender vor Anfeindungen.

Bemerkenswert: Selbst der Krieg zwischen Israel und der Hamas in Gaza sowie die Spannungen mit Iran haben daran bislang wenig geändert. Sowohl Flydubai als auch Etihad hielten ihre Israel-Verbindungen aufrecht – ein Zeichen dafür, wie entschlossen die Emirate ihre wirtschaftliche Normalisierungsstrategie vom Kriegsgeschehen zu trennen versuchen, wie es ein bahrainischer Analyst gegenüber der «Times of Israel» formulierte.

Ungeachtet dessen bleiben die Beziehungen mit Israel in der Bevölkerung selbst umstritten. Umfragen des Washington Institute zeigen seit Jahren ein gespaltenes Bild: 2022 sahen nur noch rund ein Viertel der Emirati die Auswirkungen des Abkommens auf die Region positiv. Direkt nach der Unterzeichnung 2020 waren es noch doppelt so viele.

Kritiker sprechen von einer Normalisierung «von oben», die von der Bevölkerung mehrheitlich geduldet, aber nicht getragen werde. Offene Kritik ist in den Emiraten riskant.

Mehr zum Thema: