Präsident Wolodimir Selenski entliess nach tagelangem Druck von Demonstranten den bisherigen Oberkommandierenden Olexander Syrskyj (60) und berief den jüngeren General auf diesen Posten.
In einer Videobotschaft aus Kiew kündigte der Staatschef eine Neuordnung des Generalstabs in Abstimmung mit Verteidigungsministerium und Präsidialamt an. Drapatyj, seit 25 Jahren Soldat, schrieb auf Facebook: «Ich werde verantwortungsbewusst, konzentriert und mit Respekt gegenüber den Menschen arbeiten, die heute unser Land verteidigen.»
Der Umbesetzung in der Armeeführung waren tagelange Proteste in vielen Städten der Ukraine vorausgegangen, die sich an der Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow (35) entzündet hatten. Fedorow hatte in einem halben Jahr im Amt die Technisierung der ukrainischen Armee vorangetrieben. Dies zeigte sich vor allem bei den zunehmend erfolgreichen Drohnenangriffen auf das russische Hinterland.
Neue «würdige Aufgabe» für Ex-Minister Fedorow
Der Minister lag aber, wie sich zeigte, im Dauerkonflikt mit Oberbefehlshaber Syrskyj, einem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Kommandeur alter Schule. Die Demonstranten sahen den entlassenen Minister als Vertreter einer anderen Kriegsführung an, die auf Technik statt auf den Verschleiss von Soldaten setzt, an denen es in der Ukraine fehlt.
Nach tagelangen Beratungen mit vielen Kommandeuren traf Selenski sich am Dienstagabend noch einmal mit Fedorow. Dieser solle eine «würdige Position» bekommen, in der er sich weiter um die technische Entwicklung der Ukraine kümmern könne, kündigte der Präsident an. Details nannte er nicht.
Drapatyjs Husarenstreich in Mariupol 2014
Der in der Bevölkerung beliebte Drapatyj wird nach Walerij Saluschnyj und Olexander Syrskyj der dritte Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee in fast viereinhalb Jahren des russischen Angriffskriegs. Er erlangte schon 2014 als Major Berühmtheit, als er mit einem gepanzerten Mannschaftstransporter eine Strassensperre prorussischer Kräfte in Mariupol durchbrechen liess. Damals konnte die Hafenstadt von der Ukraine verteidigt werden.
2024 half Drapatyj als Kommandeur, den russischen Einmarsch in das Gebiet Charkiw zu begrenzen. Später wurde er Befehlshaber der ukrainischen Bodentruppen. Von diesem Posten trat er 2025 zurück, weil beim Einschlag einer russischen Iskander-Rakete in eine Ausbildungseinheit zwölf Soldaten getötet worden waren. Er übernehme die Verantwortung dafür, dass im Heer Soldaten nicht genügend geschützt worden seien, erklärte er. Zuletzt befehligte Drapatyj eine Armeegruppe, die für die Verteidigung des Gebiets Charkiw zuständig ist.
Neuer Oberbefehlshaber für Armee-Reform
Das Portal «Kyiv Independent» schrieb, der General habe ein Image als «der oberste moderne, auf Menschen fokussierte Militärführer der Ukraine». In einem Facebook-Eintrag erklärte Drapatyj seine Unterstützung für Fedorow und forderte eine Armee-Reform: «Die Armee braucht Veränderungen, aber ohne Gerechtigkeit sind Veränderungen für die Menschen sinnlos, die diesen Krieg jeden Tag auf ihren Schultern tragen.»
Selenski würdigte ausdrücklich die militärischen Verdienste des scheidenden Armeechefs Syrskyj bei der Verteidigung von Kiew 2022 und Charkiw 2024 sowie beim ukrainischen Vorstoss ins russische Gebiet Kursk 2024. Er betonte, dass auch Nachfolger Drapatyj dies so sehe.
Zum neuen Verteidigungsminister hat der Präsident kommissarisch Jewhenij Chmara ernannt. Drapatyj, Chmara und der Präsidialamts-Vize Pawlo Palissa sollen sich um eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen Verteidigungsministerium und Generalstab kümmern. (dpa)

