USA

«Trump zu wählen, war ein Fehler»: An dieser Gruppe könnten die Republikaner scheitern

Donald Trump gewann 2024 so viele Latino-Wähler wie kaum ein Republikaner vor ihm. Zwei Jahre später bröckelt ihre Unterstützung – ausgerechnet vor den entscheidenden Midterms.

Vor zwei Jahren war Caleb De La Torre einer der jungen Latino-Männer, die Donald Trump zurück ins Weisse Haus halfen. Heute bereut er seine Entscheidung. «Trump zu wählen, war ein Fehler», sagt der 25‑Jährige. Er fährt nach seiner Nachtschicht als Logistiker nahe Austin, Texas, gerade nach Hause. Bei den Midterms will er nicht stimmen gehen.

Damit gehört der junge Mann zu einer Wählergruppe, die den Republikanern gerade besonders zu schaffen macht. Unter den Latino-Wählern, die sich 2024 noch für Trump entschieden, ist die Zustimmung zu seiner Amtsführung von 93 auf 57 Prozent gesunken, wie eine aktuelle Umfrage des Pew Research Center zeigt. Besonders kritisch sehen viele Trumps verschärfte Abschiebepolitik.

In Texas hat das Thema besonders mobilisiert. Im Juli erschoss ein ICE-Beamter in Houston den 52-jährigen Bauarbeiter Lorenzo Salgado Araujo. Die Behörden sprechen von Notwehr, Angehörige und ein Augenzeuge widersprechen dieser Darstellung; der Fall wird noch untersucht. Inzwischen ist der Ort seines Todes zu einer Gedenkstätte geworden. Zwischen Blumen und Kerzen haben Menschen Hunderte «I Voted»-Sticker hinterlassen. Die «Washington Post» berichtet von einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung in dem mehrheitlich von Latinos bewohnten Viertel.

62 Prozent der Latino-Wähler finden laut Pew Research Center, dass die Regierung bei den Abschiebungen zu weit geht. Selbst unter jenen, die 2024 für Trump stimmten, sind es 30 Prozent. Doch «die» Latino-Wähler gibt es politisch nicht. Gerade in Texas wird deutlich, wie unterschiedlich die Haltung zu Migration und Trump sein kann.

Die «Washington Post» berichtet aus dem fast vollständig von Latinos bewohnten Starr County an der mexikanischen Grenze von früheren Trump-Unterstützern, die nur gewisse Teile seiner Einwanderungspolitik gutheissen, weil sie die Abschiebung langjähriger Bewohner ablehnen. Andere haben sich von beiden Parteien distanziert – so auch De La Torre.

Seine eigene Familiengeschichte macht seine Haltung zur Migration besonders bemerkenswert: Sein Vater und seine Grosseltern kamen aus Mexiko in die USA, zunächst ohne Aufenthaltspapiere. Auch heute leben laut De La Torre Angehörige seiner Familie ohne regulären Aufenthaltsstatus im Land. Trotzdem sind die ICE-Razzien nicht der Grund, weshalb er seine Stimme für Trump bereut.

Sollte seine Familie Ziel einer ICE-Aktion werden, würde er seine Haltung vielleicht überdenken, sagte De La Torre vor zwei Jahren. Bisher ist das nicht passiert. «Ihnen geht es gut. Sie sind noch in den USA», sagt er.

Von Trump abgewandt hat er sich aus einem anderen Grund: «Der Krieg gegen Iran, hundert Prozent», sagt er. Er versteht nicht, weshalb die USA in diesen Konflikt gezogen seien. Besonders stört ihn, dass Trump damit aus seiner Sicht eines seiner zentralen Versprechen gebrochen hat: die USA aus neuen Kriegen herauszuhalten. Sein wichtigstes Anliegen sei deshalb inzwischen: «Raus aus diesem Krieg.» Trump habe sich für ihn von einem Präsidenten, der Geschichte hätte schreiben können, zur «grössten Enttäuschung aller Zeiten» entwickelt.

Zu den Demokraten treibt ihn die Enttäuschung trotzdem nicht. Ihre Kandidaten sind ihm zu links, die Republikaner überzeugen ihn ebenfalls nicht. Also bleibt De La Torre bei diesen Midterms zu Hause – und trägt damit zu einer Verschiebung bei, die den Demokraten eine historische Chance eröffnet: Mit James Talarico könnten sie erstmals seit fast 40 Jahren wieder einen texanischen Senatssitz gewinnen.

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