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Die überraschende Wahl: Mark Dittli wird neuer NZZ-Chefredaktor

Verwaltungsrat entscheidet sich für neue Redaktionskultur - und behält eine Hypothek.

Die Verwaltungsratspräsidentin Isabelle Welton hat ein Zeichen gesetzt: Neuer Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» wird der 52-jährige Wirtschaftsjournalist Mark Dittli. Er folgt im kommenden Februar auf Eric Gujer, der die NZZ-Redaktion seit 2015 leitet.

Die Ernennung Dittlis ist eine Überraschung, obwohl er in den vergangenen Wochen vor allem intern als Favorit und Wunschkandidat für den Redaktionsposten gehandelt wurde. Zum einen hat er sich publizistisch eher links-liberal positioniert, was einen erheblichen Kurswandel zum rechts-liberalen Kurs des aktuellen Chefredaktors Gujer verspricht. Zum anderen hat die NZZ den Anspruch formuliert, die Stelle intern zu besetzen, was mit Dittli nur ansatzweise gelingt.

Dittli hat einen Grossteil seiner Berufskarriere bei der zur TX Group gehörenden Fachzeitung «Finanz und Wirtschaft» verbracht. Diese führte er während fünf Jahren als Chefredaktor. 2018 publizierte er für die pointiert linke Onlinepublikation «Republik». Seit 2019 verantwortet er das digitale Finanzmedium «The Market», das mittlerweile in die NZZ-Gruppe integriert wurde.

Die Wahl Dittlis ist auch die Nichtwahl des Auslandchefs Benedict Neff. Diesen hat Gujer in den vergangenen Jahren als seinen Kronprinzen aufgebaut. Als jüngere Ausgabe des amtierenden Chefredaktors stand er sowohl für eine Weiterführung eines stramm rechts-liberalen Redaktionskurses als auch für eine Redaktionskultur, die von Machtkämpfen durchdrungen ist und entsprechend als schwierig bezeichnet wird.

Auguren an der Falkenstrasse, der Zürcher Redaktionsadresse der NZZ, sind sich nicht einig, welche Kontinuität den Verwaltungsrat mehr erschreckte. Die Redaktion verspricht sich von Dittli vor allem eine frische und partizipativere Redaktionskultur. Allerdings dürften auch die liberalen Stimmen vom Zürichberg, dem Hort des Zürcher Bürgertums, zunehmend Gehör gefunden haben, die immer weniger Gefallen an Gujers Deutschland-Kommentaren haben. Schon der Anschein, sich damit bei der AfD publizistisch anzubiedern, weckt Abwehrreflexe.

An der Vorstellung des neuen Chefredaktors bei der Redaktion hat Gujer das Wort der Verwaltungsrätin und dem Konzernchef Felix Graf überlassen. Von Bord wird er jedoch nicht gehen. So bleibt er Herausgeber der NZZ Deutschland, die mit einer eigenen Redaktion aus Berlin für das deutsche Publikum berichtet. Ob er diese Funktion als Oberchefredaktor ausführt oder bloss als repräsentative Galionsfigur, ist derzeit nicht absehbar. Es dürfte auch davon abhängen, welchen Spielraum ihm der neue Chefredaktor Mark Dittli dafür lässt.

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