notifications
Doppelmoral

Kimmel macht Witze, Trump wird sauer? Warum es diesmal anders ist

Der ewige Kleinkrieg zwischen Jimmy Kimmel und Donald Trump geht in eine neue Runde. Late-Night-Shows waren zwar schon um einiges kontroverser, doch plötzlich werden aus Witzen Bedrohungen und aus Kritik Verrat.
Einst waren sie freundlich zueinander: Donald Trump 2015 bei «Jimmy Kimmel Live».
Bild: Randy Holmes

Vergangenen November sagte Jimmy Kimmel in seiner Show über Donald Trump: «Alle fünf Wochen flippt er aus und will, dass ich gefeuert werde.» Darum machte er Trump sogar das Angebot: «Ich gehe, wenn Sie gehen, okay? Lassen Sie uns zusammen in den Sonnenuntergang reiten.» Bis dahin borge er sich den Satz, den Trump zu einer Reporterin gesagt hatte: «Still, Schweinchen.» Doch daran hielt sich der US-Präsident natürlich nicht.

Am vergangenen Donnerstag sagte Kimmel über den Altersunterschied zwischen Melania und Donald Trump: «So wunderschön. Mrs. Trump, Sie haben das Leuchten einer werdenden Witwe.» Als dann am Samstag bei einer Gala mit dem Präsidentenpaar ein Angreifer festgenommen wurde, waren sie plötzlich zutiefst schockiert über Kimmels «verabscheuungswürdigen Aufruf zur Gewalt». Donald Trump meinte auf Truth Social: «Normalerweise würde ich auf nichts reagieren, was Kimmel sagt, aber das geht eindeutig zu weit.» Offenbar hat er vergessen, dass er genau das seit Jahren tut.

Bild: Screenshot Truth Social

Die Highlights einer Feindschaft

Was 2015 als harmloses Geplänkel begann, wurde nach und nach immer lächerlicher. 2017 warf Kimmel Trump vor, das als Obamacare bekannte Gesundheitsreformgesetz nur aus Trotz abschaffen zu wollen: «Er hasst, dass Obamas Name darauf steht.» Kurz danach schrieb Trump online, wie «grossartig» das neue Gesetz sei: «Aufheben und ersetzen.»

Noch während der Oscar-Verleihung teilte Trump 2024 seine Meinung zu Kimmels Moderation. Dieser reagierte prompt auf der Bühne auf Trumps laufenden Schweigegeld-Prozess: «Ich bin überrascht, dass Sie noch wach sind. Ist es nicht Zeit für Ihre Haftstrafe?»

Nachdem der Late-Show-Kollege Stephen Colbert im Sommer 2025 gecancelt wurde, stichelte Trump, Kimmel sei «der Nächste». Wenige Monate später wurde dessen Show tatsächlich kurzzeitig abgesetzt, was Trump wiederum feierte.

Als Kimmel nach seiner Rückkehr auf Trumps Freundschaft zu Jeffrey Epstein anspielte, tobte der US-Präsident auf Truth Social: «Warum lassen die Fernsehsender das zu? Völlig einseitige Berichterstattung. Holt den Kerl vom Bildschirm runter!!!»

Britney musste mehr einstecken als Trump

Late-Night-Shows taten nie etwas anderes, als sich über die Schönen und Reichen lustig zu machen und die Zuschauer vor dem Fernseher zum Lachen zu bringen. Und die Witze waren früher um einiges fieser. Monica Lewinsky kann ein Lied davon singen.

Nachdem die Affäre der damaligen Praktikantin mit US-Präsident Bill Clinton ans Licht gekommen war, zerrissen sich die Moderatoren monatelang das Maul über sie. Auch Britney Spears wurde durch den Dreck gezogen, als sie zusammenbrach, sich eine Glatze rasierte und das Sorgerecht für ihre Kinder verlor. Bill Maher verglich den Ex-«One Direction»-Sänger Zayn Malik sogar mit dem Boston Marathon-Attentäter.

Das Publikum lachte vor elf Jahren über Bill Mahers geschmacklosen Witz.
Bild: Screenshot YouTube

Auch Politiker wurden schon immer zum Ziel. Doch genau wie Promis nutzen sie die Shows auch für sich. 2003 verkündete Arnold Schwarzenegger bei Jay Leno seine Kandidatur als Gouverneur, Barack Obama war 2007 bei Conan O’Brien zu Gast, und Donald Trump war in diversen Shows zu sehen. 2015 sogar bei Jimmy Kimmel.

Die Reaktionen: «Witze sind Witze»

Nun hat sich George Clooney geäussert und reagiert relativ diplomatisch. «Jimmy ist Komiker, und ich würde sagen: Karoline Leavitt meinte auch nicht, dass tatsächlich geschossen werden soll», sagte er über die unglückliche Wortwahl der Pressesprecherin vor dem Angriff. Diese sagte in einem Interview zuvor über die bevorstehende Rede von Trump: «Es wird witzig, es wird unterhaltsam – es werden heute Abend einige Schüsse in diesem Raum abgefeuert.»

«Sie hat einen Witz gemacht. In Ordnung. Man kann sich das anschauen und sagen: Witze sind Witze», sagte Clooney. Doch er warnte auch: «Wenn eine Seite alle, mit denen sie nicht übereinstimmt, als Verräter am eigenen Land bezeichnet – ein Vorwurf, auf den die Todesstrafe steht –, dann ist die Rhetorik etwas zu aufgeheizt.»

Auch eine Umfrage im CH-Media Popkultur-Ticker unter über 300 Lesern zeigt: Die überwältigende Mehrheit will Jimmy Kimmel nicht feuern. Kimmels Vorgesetzte bei ABC oder Disney scheinen zumindest für den Moment gleicher Meinung zu sein. Doch der nächste Tobsuchtsanfall von Donald Trump dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Denn die nächste Show von Jimmy Kimmel läuft am kommenden Donnerstag.

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema: