Treibstoff

Kerosin-Knappheit! Bund greift ein und gibt Reserven für den Flughafen Zürich frei

Die Trockenheit hat drastische Folgen für die Lieferketten in Europa. An den Flughäfen Zürich und Frankfurt herrschen Sprit-Engpässe. Swiss-Piloten müssen ihre Tankstrategie anpassen.

Am Flughafen Zürich droht das Flugbenzin auszugehen. Deshalb hat der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung beschlossen, Bezüge aus den Pflichtlagern zu bewilligen. Bis und mit 1. November können bis zu 30 Millionen Liter Kerosin bezogen werden. Das entspricht 6,5 Prozent der aktuell vorhandenen Pflichtlagermenge an Flugpetrol.

Die Knappheit beim Kerosin begründet der Bund mit «Ausfällen und erheblichen Verspätungen im internationalen Schienengüterverkehr». Insbesondere Probleme auf den Zufahrtsstrecken aus Deutschland beeinträchtigten die Versorgung des Flughafens Zürich mit Flugpetrol.

Die Ausfälle auf der Schiene können laut dem Bund nicht nachgeholt werden, weshalb es nötig wurde, die Pflichtlager anzuzapfen. Das hat mit der anhaltenden Trockenheit nach den Hitzewellen im Sommer zu tun. Der Rhein führt so wenig Wasser, dass die Transportschiffe viel weniger Güter laden können. Eine Alternative bietet die Bahn, die inzwischen überlastet ist.

Die Schweiz bunkert für mehrere Monate

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung betont, auch die Versorgung mit Benzin, Dieselöl und Heizöl habe sich gegenüber der Vorwoche verschlechtert, sei jedoch weiterhin sichergestellt.

Die Schweiz verfügt für den Krisenfall über ein ausgeklügeltes Pflichtlagersystem. Der Bund verpflichtet die Unternehmen, Reserven anzulegen. Sobald die Versorgung kritisch ist, kann der Bundesrat die Notvorräte freigeben.

Insgesamt bunkert die Schweiz Benzin, Diesel und Kerosin in 55 Tankanlagen. Sie fassen 6,8 Milliarden Liter. Bei Benzin und Diesel reichen die Lager 4,5 Monate, beim Kerosin sind es 3 Monate.

Auch der Flughafen Frankfurt ist betroffen

Gestern hatte die deutsche «Bild» berichtet, dass auch dem Flughafen Frankfurt das Kerosin ausgeht. Die Lufthansa hat deswegen ihre Pilotinnen und Piloten angewiesen, auf bestimmten Flügen zusätzliche Mengen an Treibstoff zu tanken. In der Branche ist vom sogenannten Tankering die Rede.

Swiss-Sprecherin Silvia Exer-Kuhn bestätigt auf Anfrage von «Schweiz heute», dass auch die Swiss von dieser Anweisung des Mutterkonzerns betroffen ist: «Für die Flüge von Zürich nach Frankfurt tanken wir in Zürich auch schon für den Rückflug.» Das gleiche gelte für die Swiss-Flüge ab Genf nach Frankfurt. Diese Vorsichtsmassnahme gelte bis auf Weiteres. Sie habe keinen Einfluss auf das Flugprogramm oder die Menge der Passagiere und Fracht an Bord.

Beim Flughafen Zürich heisst es auf Nachfrage, es würden derzeit keine Einschränkungen bei der Betankung von Flugzeugen gelten. «Die eigentliche Kerosinversorgung erfolgt durch sogenannte Durchsetzer», sagt Sprecher Dario Geiser. Dabei handle es sich um eigenständige Unternehmen, die entsprechende Liefervereinbarungen mit den Fluggesellschaften haben. Am Flughafen Zürich sind neun solcher Unternehmen tätig, darunter Socar, BP und Shell.

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