Naturgefahr

Nach eindrücklichem Felssturz: Droht in Kandersteg ein zweites Blatten?

Ausländische Medien zeichnen ein Schreckensszenario im Berner Oberland. Doch die Lage in Kandersteg unterscheidet sich von jener in Blatten. Daran ändern auch die jüngsten Regenfälle nichts.
Blick auf Kandersteg. Bewohntes Gebiet ist laut den Behörden derzeit nicht in Gefahr.
Bild: Hernan Munoz (4. August 2026)

Das beschauliche Kandersteg im Berner Oberland macht international Schlagzeilen. Ausländische Medien berichten Anfang dieser Woche, eine instabile Felsformation über der 1300-Seelen-Gemeinde drohe sich zu lösen. Man wisse, dass sich der Berg bewege, doch man habe keine Angst, sage eine Einwohnerin dem Reporter der US-Nachrichtenagentur Associated Press. Ein anderer Einwohner erklärt, er erwarte kein zweites Blatten. Genau dieses Schreckensszenario werfen die Beiträge jedoch auf. Mit Titeln wie «Instabile Felsformation könnte auf Schweizer Dorf stürzen». Ist die Lage wirklich so dramatisch?

Die Aufregung begann, als am 8. August am «Spitze Stei» rund 1500 Kubikmeter Gestein abbrachen. Urlauber am Oeschinensee, der mit seinem blauen Wasser zu einem Instagram-Hotspot geworden ist, filmten den eindrücklichen Felssturz. Die Behörden betonten umgehend, es habe sich um ein kleines Ereignis gehandelt. Am 11. August folgte ein Murgang im Oeschibach, weil Gewitter einen Teil des abgebrochenen Materials in Bewegung versetzten. Verletzte gab es keine, auch bewohntes Gebiet blieb verschont.

Der Gemeindepräsident äusserte die Befürchtung, dass grössere Regenschauer die Situation verschärfen könnten. Nach den Regenfällen vom Montag gibt Nils Hählen, Leiter der Abteilung Naturgefahren des Kantons Bern, jedoch Entwarnung: «Die Gefahrensituation ist unverändert.» Eine markante Zunahme der Bewegungen sei nur mit grossen Wassermengen möglich. In den letzten 72 Stunden habe es in Kandersteg 25 Millimeter Niederschlag gegeben, was wenig sei.

Experte erwartet nur kleinere Abbrüche

Ab Donnerstag sind weitere Regenfälle angesagt. Hählen rechnet jedoch nicht mit ausserordentlichen Mengen. Die Niederschläge dürften die Rutschungen beschleunigen, wie dies auch in vergangenen Jahren schon vorgekommen sei, so der Experte. «Einen grösseren Abbruch muss man deswegen nicht erwarten.» Kleinere Abbrüche seien dagegen jederzeit möglich.

Die Behörden betonen, bewohntes Gebiet sei nicht gefährdet. Südlich des Oeschibachs gilt eine Sperrzone, in der der Aufenthalt untersagt ist. Einzelne Wanderwege sind gesperrt. Die Sperrzone ist auf Abbrüche von bis zu 200'000 Kubikmetern ausgelegt. Das entspricht mehr als dem 130-Fachen der Felsmenge, die auf den Videos von Anfang August zu sehen ist.

Zum Vergleich: In Blatten donnerten im Mai 2025 neun Millionen Kubikmeter ins Tal. Auch am «Spitze Stei» könnten über die kommenden zehn Jahre ähnliche Geröllmengen abbrechen. Die Fachleute rechnen aber damit, dass der Berg etappenweise herunterkommt. Ein weiterer entscheidender Unterschied zu Blatten: Am «Spitze Stei» fallen die Geröllmassen nicht auf einen Gletscher.

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