
Mit null Punkten und einem Torverhältnis von 0:9 nach drei Spielen ist für die iranischen Fussballerinnen die Asienmeisterschaft in Australien beendet. Damit ginge es jetzt zurück in den Iran. Eigentlich.
Wie CNN am Montagnachmittag Schweizer Zeit berichtete, haben fünf Spielerinnen der iranischen Frauen-Fussballmannschaft angesichts von Sorgen um ihre persönliche Sicherheit das Teamhotel in Australien verlassen und befinden sich derzeit in Obhut der örtlichen Polizei. Auch Donald Trump hat sich am Nachmittag geäussert. Auf Truth Social schreibt er, dass Australien einen grossen Fehler mache, wenn es zulässt, dass die Spielerinnen zurück in den Iran geschickt werden: «Tun Sie das nicht, Herr Premierminister, gewähren Sie ihnen Asyl. Die USA werden sie aufnehmen, wenn Sie es nicht tun.»

Bei der Stadion-Abreise nach dem letzten Gruppenspiel versammelten sich einige Demonstrierende um den Teambus, blockierten die Wegfahrt und riefen «Save our Girls», während sie Protestschilder wie «Bleibt sicher in Australien» zeigten, oder die Iranische Flagge mit Löwe und Sonne von vor der islamischen Revolution wehten.
Laut Eigenzeugen und wie auf einigen Social-Media-Videos verschwommen zu erkennen ist, signalisierten zudem mehrere iranische Spielerinnen das internationale Handzeichen für Hilfe an die Fenster des Teambusses.
Nun haben mehrere Menschenrechtsaktivistinnen und iranische Regime-Gegner die australische Regierung zum Handeln aufgefordert.
Das grosse Schweigen
Grund für die Angst um das Team ist eine Aktion der iranischen Spielerinnen vor dem ersten Gruppenspiel der Asienmeisterschaft. Während der Nationalhymne standen die Iranerinnen still da und sangen nicht mit. Seit den landesweiten Protesten der vergangenen Jahre gilt das demonstrative Schweigen bei der Hymne bei iranischen Sportlern immer wieder als Zeichen der Distanz zum Regime. Im Staatsfernsehen nannte ein Reporter das Team nach der Aktion «Kriegsverräter».
In den beiden folgenden Spielen sangen die Iranerinnen die Nationalhymne wieder mit und salutierten dabei. Eine offizielle Erklärung der Mannschaft dazu gab es nicht. Australische Menschenrechtsaktivistinnen vermuten deshalb, dass das Team unter Druck der iranischen Behörden gehandelt haben könnte.
Athletinnen sind isoliert
Craig Foster, ein ehemaliger australischer Nationalspieler und Menschenrechtsaktivist, forderte deshalb, dass die Spielerinnen Zugang zu unabhängigen Unterstützungsnetzwerken erhalten sollen. Zahlreiche Organisationen hätten während ihres Aufenthalts in Australien versucht, mit dem Team zu sprechen, seien jedoch abgewiesen worden.

Kein Athletinnen-Team dürfe von seinem eigenen Verband faktisch isoliert und von externer Hilfe abgeschnitten werden. Nachdem die Mannschaft aus dem Turnier ausgeschieden sei, liege die Verantwortung für ihr Wohlergehen nun beim Asiatischen Fussballverband, erklärte Craig Forster.
Ehemaliger Kronprinz schaltet sich ein
Auch mehrere in Australien ansässige iranische Aktivisten äusserten sich zur Situation. Der in Brisbane lebende Menschenrechtsaktivist Hadi Karimi warnte gegenüber ABC News, das Leben der Spielerinnen sei bei einer Rückkehr in den Iran in Gefahr.
Auch der in Melbourne tätige iranische Journalist Masoud Zoohori äusserte sich gegenüber ABC News. Er habe bis Samstag noch Kontakt zu den Spielerinnen gehabt. Diese hätten ihm berichtet, sie fühlten sich «wie im Gefängnis», dürften das Hotel nicht alleine verlassen und hätten keinen Kontakt zu ihren Familien.
Zoohori meinte zudem, die Mannschaft werde streng überwacht, mutmasslich von einer Person, die dem Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC), den iranischen Revolutionsgarden, angehöre. Das IRGC gilt in Australien als Terrororganisation. Nach australischem Recht erhalten Personen mit bekannten Verbindungen zu der Organisation kein Visum; werden solche Verbindungen während ihres Aufenthalts bekannt, droht ihnen die Ausweisung.
Auch Reza Pahlavi, der Sohn des ehemaligen Schahs des Irans, äusserte sich via X zum iranischen Frauennationalteam und forderte die australische Regierung dazu auf, für die Sicherheit der Spielerinnen zu sorgen und ihnen alle Hilfe zu gewähren, die sie benötigen. Bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran hätten die Spielerinnen mit schrecklichen Konsequenzen zu rechnen.

