
Eben noch stand Meta am sprichwörtlichen Pranger. Der Mutterkonzern von Instagram und Facebook musste sich seit Mitte August vor einem Bundesgericht in Kalifornien gegen den Vorwurf verteidigen, Millionen von Kindern mit seinen Produkten süchtig gemacht zu haben — einige davon bis in den Tod.
Am Mittwoch aber kaufte sich Meta von diesen Vorwürfen frei. Der Konzern stimmte der Bezahlung einer Busse von insgesamt 18 Milliarden Dollar zu, um die Klageflut der amerikanischen Bundesstaaten zu stoppen. Zugleich willigte der Social-Media-Gigant erstmals in Kindesschutzmassnahmen ein. So sollen Minderjährige in den USA künftig maximal zwei Stunden pro Tag auf Instagram scrollen dürfen. Auch führt Meta eine Nachtsperre für Kinder ein.
Meta lanciert einen Aufruf an die Konkurrenz
Obwohl die Social-Media-Firma diese neuen Limiten nicht freiwillig einführte, spielt sich das Unternehmen nun als Vorkämpfer für den Kindesschutz auf. In einem «offenen Brief» an Tiktok und Youtube, der am Donnerstag als Inserat auch in der «New York Times» und der «Washington Post» abgedruckt wurde, ruft Meta die Konkurrenten dazu auf, den Jugendschutz ebenfalls zu stärken.
«Alle Plattformen sollten Eltern stärken und Jugendliche auf diese Weise unterstützen, denn wir wissen: Wenn der Zugang von Jugendlichen zu einer App beschränkt wird, wechseln sie einfach zu einer anderen», heisst es im Inserat.
Die Konkurrenz reagierte vorerst nicht auf diesen Appell. Youtube gehört dem Google-Konzern Alphabet, während die amerikanische Tochterfirma von Tiktok sich im Besitz eines Konsortiums befindet, an dem auch der Tech-Unternehmer Larry Ellison beteiligt ist.
Meta hat interessanterweise ein finanzielles Interesse daran, dass sich Konkurrenten wie Youtube und Tiktok weigern, den Kindesschutz zu verbessern. Denn gemäss dem aussergerichtlichen Vergleich, der am Mittwoch vorgestellt wurde, sind nur 70 Prozent der Strafzahlung von 18 Milliarden Dollar fix.
Instagram-Mutter hat Angst vor Benachteiligung
Die restlichen 30 Prozent muss Meta nur dann bezahlen, wenn die anderen grossen Social-Media-Unternehmen ebenfalls eine Busse von mindestens 5,3 Milliarden Dollar bezahlen und den Zugriff von Kindern auf ihre Dienste einschränken. Diese «Phase 2», wie sie im Vergleich genannt wird, würde dazu führen, dass sämtliche grossen Social-Media-Unternehmen eine Limite von einer Stunde pro Tag für Kinder einführen würden.
Dieser höchst ungewöhnliche Passus soll angeblich sicherstellen, dass Meta nicht als einziges Unternehmen den Konsum von Minderjährigen einschränkt und damit wirtschaftlich benachteiligt wird. «Dieser Rahmen funktioniert nur dann, wenn alle unsere Branchenkollegen mitmachen», sagte dazu am Mittwoch der Meta-Chefjurist.

