Handykonsum

Wie viel Bildschirmzeit wollen Kinder wirklich? Ich habe meine gefragt

In vielen Familien wird oft über Bildschirmzeit gestritten. Auch bei uns. Aber was denken die Kinder über den eigenen Konsum?
Michael, Paul, Frieda und John (von links nach rechts).
Bild: Michael Graber

«Dürfen wir noch chli geräteln?» ist bei uns daheim eine oft gestellte Frage. Gemeint ist: Tablet, Fernsehen, Handy oder Playstation. John (14), Frieda (11) und Paul (bald 8) gamen leidenschaftlich gerne oder schauen Videos auf Youtube. Das führt auch immer wieder zu Konflikten. Höchste Zeit für ein Gespräch über den eigenen Bildschirm-Konsum.

Glaubt ihr, ihr habt einen guten Umgang mit Handy, Tablets und Games?

John: Ja, mega. Ich habe einen mega guten Umgang mit den Geräten.

Und ihr anderen? Seid ihr süchtig?

Frieda: Nein.

Paul: Doch. Fast.

Frieda: Meine Brüder sind fast schon süchtig. John ein bisschen weniger.

Was macht ihr denn vor allem?

Paul: Meistens schaue ich Videos über Fussballsachen, manchmal spiele ich Minecraft oder Fifa.

John: Ich spiele meistens Minecraft oder Fifa mit Paul oder alleine.

Bei dir ist es eigentlich immer Gamen, oder?

John: Ja. Ich schaue nicht gerne Videos.

Frieda: Aber Tiktok schaust du!

Du hast das? Das wusste ich gar nicht.

John: Das schaue ich manchmal im Bus.

Habt ihr das Gefühl, das Gamen und die Videos machen etwas mit euch?

Frieda: Mich machen sie glücklicher.

Paul: Mich macht es manchmal auch trauriger. Wenn John gegen mich bei FIFA gewinnt, lacht er mich aus. Dann werde ich traurig.

John: Du rastest dann komplett aus.

Paul: Ja, manchmal passiert das schon.

Wir haben bei dir schon das Gefühl, das Gamen mache dich nervös.

Paul: Ja, das stimmt.

Wie merkst du das?

Paul: Wenn ich ausraste.

Mit dir haben wir auch immer einen Kampf, wenn wir sagen, du müsstest abstellen. Du kannst ziemlich wütend werden.

Paul: Ich will einfach noch das Video fertigschauen.

Findet ihr, ihr könnt genug, zu wenig oder zu viel spielen?

Frieda: Mehr würde ich nicht unbedingt wollen.

Das ist doch einfach gelogen. Ihr würdet alle sehr gerne sehr viel mehr.

John: Nein, wirklich nicht.

Was wäre, wenn ihr sehr viel mehr dürftet?

John: Ich würde richtig süchtig werden.

Paul: Ich auch.

Würdet ihr dann nicht mehr mit Freunden spielen gehen?

John: Die ersten drei, vier, fünf Tage wohl nicht. Dann würde ich durchgamen.

Wie lange würdet ihr denn gamen, wenn euch einen ganzen Tag niemand kontrollieren würde?

John: Bei mir wären es wohl so acht Stunden.

Frieda: Ich würde nicht mehr als fünf Stunden Videos schauen.

Paul: Ich würde die ganze Zeit, wenn ich wach bin, am Fernseher oder Tablet sein.

Sind wir Eltern eigentlich gute Vorbilder mit dem Handy?

Paul: Mega gute Vorbilder.

Ich finde, ich bin viel zu viel am Handy.

Paul: Weil du ein Erwachsener bist, ist das normal.

Ich kenne viele Erwachsene, die weniger am Handy sind.

Frieda: Du brauchst es ja auch zum Arbeiten. Etwa 65 Prozent brauchst du es zum Arbeiten.

Das stimmt überhaupt nicht. Ich bin auch süchtig. Habt ihr manchmal das Gefühl, wir würden euch mit den Geräten ruhig stellen?

John: Wie meinst du das?

Also etwa wenn wir lange Busfahren müssen und ihr dann hibbelig werdet. Dann erlaube ich euch manchmal, auf Johns Handy Spiele zu machen.

Frieda: Was sollten wir sonst während der Busfahrt machen?

Reden und aus dem Fenster schauen.

Frieda: Bei einer Busfahrt, die wir schon 10'000-mal im Leben gefahren sind? Wenn wir im Ausland wären, würden wir schon rausschauen.

Wir bestrafen euch häufig damit, dass ihr nicht an die Konsole oder das Tablet dürft, wenn ihr etwas Dummes gemacht habt. Ist das gut oder schlecht?

John: Schlecht.

Frieda: Ich finde es richtig gut.

Beide Brüder: Du bist so eine Kackstreberin!

Im Sommer habt ihr teilweise zwei Wochen lang nicht gerätelt. War das schwierig?

John: Ich war im Jungwacht-Lager. Wenn man genug Freizeitaktivitäten mit Freunden hat, dann ist es nicht so schlimm. Wenn ich zu Hause nichts machen kann, dann muss ich geräteln. Aber im Lager konnte ich etwas machen. Darum habe ich die Geräte nicht so vermisst.

Wann würdet ihr euren eigenen Kindern ein Handy kaufen?

Frieda: Ich würde ihnen eines geben, wenn die meisten in ihrer Klasse schon ein Handy haben.

Das wars.

Paul: Also darf ich jetzt ein wenig geräteln?

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