Bankenregulierung

Eigenkapital: Diese Banken stellen sich gegen die UBS

Die Privatbank Pictet sieht die Eigenkapitalvorlage des Bundesrates weit weniger negativ als UBS und ein Expertendiskussion zeigt, die Genfer sind damit nicht allein.

Den Schweizer Banken geht es gut. Das zeigt das Bankenbarometer der Schweizerischen Bankiervereinigung, in dem unter anderem der addierte Geschäftserfolg (Umsatz) aller Banken in der Schweiz dargestellt wird. Mit 73,8 Milliarden Franken war die Kennzahl 2025 so hoch wie noch nie.

Vor allem war die Zahl höher als 2006 (73 Milliarden Franken), dem letzten Jahr bevor die globale Finanzkrise das weltweite Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs führte und eine staatliche Rettung der UBS erforderlich machte. Im Vergleich zu damals seien die international tätigen Banken mit einem viel solideren Geschäftsmodell unterwegs, betonte Martin Hess, Chefökonom der Bankiervereinigung, anlässlich der Präsentation des Bankenbarometers in Zürich.

Wird das so bleiben? Und wenn ja, was braucht es dafür? Eine Panel-Diskussion mit den Chefstrategen der Genfer Privatbank Pictet, der Valiant-Gruppe, der Zürcher Kantonalbank und Martin Hess hat Positionen zum Vorschein gebracht, die sich in erstaunlich deutlicher Weise von jener der UBS unterscheiden.

UBS: Bloss kein regulatorischer Alleingang der Schweiz

Die UBS stellt sich auf den Standpunkt, dass eine strengere Regulierung, wie sie Finanzministerin Karin Keller-Sutter dem Parlament als Antwort auf das CS-Debakel vorschlägt, eine deutliche Verschlechterung ihrer internationalen Wettbewerbsposition zur Folge hätte. Im Chor mit der Bankiervereinigung, welche von der UBS dominiert wird, warnt die Grossbank seit Monaten vor dem «extremen» Maximalvorschlag des Bundesrates und einem regulatorischen «Alleingang» der Schweiz, welcher der Konkurrenzfähigkeit des hiesigen Finanzplatzes stark schaden würde.

Diese Ansicht vertreten viele Banken nicht, aber laut werden sie mit ihrer Meinung nie. «Viele Leute haben einfach Angst, offen gegen Grossbanken anzutreten», sagt SVP-Doyen Christoph Blocher, der es der UBS am liebsten verbieten würde, in den USA Geschäfte zu machen. Anastassios Frangulidis, Chefökonom und Anlagestratege der Genfer Privatbank Pictet, wagte am Panel den Tabubruch.

Auf die Frage, welche Regulierung dem Schweizer Finanzplatz am meisten helfen würde, sagte er: Die Bankenregulierung müsse so ausgestaltet sein, dass sie die traditionellen Stärken der Schweiz unterstütze. Ausdrücklich nannte Frangulidis die solide, staatliche Haushaltspolitik mit der im internationalen Vergleich sehr tiefen Verschuldung und den starken Franken, der das Vertrauen ausländischer Investoren in die Schweiz und in ihre Institutionen abbildet. Vertrauen, Sicherheit und eine gute Reputation seien die Quellen des Erfolges des Schweizer Finanzplatzes, sagte Frangulidis.

Reiche Kunden schauen auf die Sicherheit

Ein zentrales Motiv des bundesrätlichen Regulierungsvorschlages besteht just darin, diese Stärken zu bewahren und den Staat und seine Steuerzahlenden vor den Gefahren einer nächsten Bankenkrise zu beschützen. Das von der UBS ins Feld geführte Argument, eine schärfere Regulierung untergrabe die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes, stellte Anastassios Frangulidis mit einer interessanten Beobachtung stark in Frage: «Wir beobachten, dass immer mehr internationale Kunden ihre Vermögen zwischen verschiedenen Jurisdiktionen diversifizieren, und davon profitieren wir.»

Mit anderen Worten: Die reichen Kunden, die ihr Geld zu Pictet bringen, wollen nicht alle Eier in den gleichen Korb legen und sie vergleichen auch die Regulierungen zwischen den Finanzplätzen. Wenn eine Bankenregulierung die Sicherheit für die Kunden verbessere, dann sei dies ein Vorteil für die Schweiz, wiederholte Frangulidis ein an sich bekanntes, aber eher selten gehörtes Argument, das die Position der UBS widerlegt.

Unterstützung erhielt der Pictet-Vertreter schliesslich auch noch von Renato Flückiger, dem Chefstrategen der Regionalbankengruppe Valiant. Auch er beantwortete die Frage nach der richtigen Bankenregulierung für die Schweiz mit der Aussage, was den stabilen Institutionen in der Schweiz und der soliden Finanzpolitik helfe, sei auch gut für die Banken.

Obschon auf dem Panel direkt nicht anwesend, blieb UBS der Elefant im Raum: Auf die Frage eines Journalisten, ob die Grossbank entgegen ihren eigenen Beteuerungen doch eine implizite Staatsgarantie besitze, wollte sich auf der Bühne niemand äussern.

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