Nach einem verhaltenen Dienstag erwartet uns am heutigen Mittwoch der Auftakt zu einer Hitzewelle. Für das gesamte Flachland sind Temperaturmaxima von 30 oder mehr Grad angesagt. Während am Mittwoch noch vereinzelt mit Bewölkung zu rechnen ist, scheint am Donnerstag bereits durchgehend die Sonne.
Danach beginnt ein Steigerungslauf, der bis zu neuen Juni- oder gar Allzeitrekorden führen könnte. «Was auf uns zukommt, ist absolut historisch und einmalig», sagt Roger Perret von MeteoNews zu watson. Am Freitag steigen die Maximaltemperaturen nach aktuellen Prognosen auf 32 bis 34 Grad, am Samstag auf 33 bis 36 Grad und bis Montag gar auf 34 bis 38 Grad an. «Extreme Modelle rechnen gar mit 40 Grad, das ist aber sehr unwahrscheinlich», sagt Perret zu watson. Die höchsten Temperaturen werden dabei in Basel erwartet, doch auch für Bern, Aarau und Zürich muss mit Temperaturen von am Montag bis zu 36 oder 37 Grad gerechnet werden.
Während es bis zum Sonntag vielerorts in der Nacht noch auf unter 20 Grad abkühlt, stehen Anfang nächster Woche die ersten Tropennächte an. In der Nacht auf den Dienstag sinkt das Thermometer in Basel voraussichtlich nicht unter 23 Grad.
Diese Rekorde könnten fallen
Die wirklich heissen Tage werden aktuell für den Sonntag und den Beginn der kommenden Woche prognostiziert. Ob es dabei tatsächlich zu Rekorden kommt, sei zwar «sehr wahrscheinlich», aber: «Es ist noch etwas früh, um für so weit in der Zukunft genau Temperaturen anzugeben. Es braucht nur ein oder zwei Grad Verschiebungen und die Rekorde bleiben bestehen», sagt Perret.
Das sind laut MeteoNews die Temperaturrekorde in den verschiedenen Regionen im Juni:
- Basel (Binningen): 36,9 Grad (27. Juni 1947)
- Genf: 36,4 Grad (30. Juni 1950)
- Chur: 36,0 Grad (23. Juni 2003)
- Zürich (Flughafen): 35,9 Grad (23. Juni 2003)
- Luzern: 34,8 Grad (27. Juni 2019)
- Lugano: 34,8 Grad (27. Juni 2019)
- Bern: 34,4 Grad (27. Juni 2019)
- St.Gallen: 31,4 Grad (30. Juni 2019)
Der absolute Rekord auf der Alpennordseite wurde laut Daten von MeteoSchweiz am 7. Juli 2015 in Genf gemessen. Damals stiegen die Temperaturen auf 39,7 Grad. In Grono GR, auf der Alpensüdseite, wurden am 11. August 2003 41,5 Grad gemessen.
Auch der Rekord auf der Alpennordseite ist nächste Woche in Schlagdistanz: «Wir sind nahe an einem absoluten Rekord», so Perret.
Bisher ein durchschnittlicher Juni
Bislang erlebte die Schweiz einen eher kühlen, aber normalen Juni: «Die Temperaturen in der ersten Junihälfte lagen über die ganze Schweiz gesehen ziemlich genau in der Norm», schreibt MeteoNews. Demnach ergab sich in den ersten zwei Wochen eine Abweichung von -0,2 Grad gegenüber dem langjährigen Mittel von 1991 bis 2020.
Was die Niederschläge angeht, erlebten wir bisher einen zu trockenen Juni. Nur im Südosten der Schweiz (Graubünden und Tessin) gab es überdurchschnittlich viel Regen. Im Schnitt ergab sich für die ganze Schweiz ein Defizit von knapp 15 Prozent. «Die Trockenheit wird sich im Laufe der nächsten Tage wieder akzentuieren», sagt Meteorologe Perret.
Auch gewittermässig verlief der Monat bisher eher ruhig: Zwar wurden im Kanton Bern bislang über 1500 Blitze registriert, schweizweit wurden aber erst knapp über 10'000 Blitze gemeldet. «Dies ist gegenüber dem langjährigen Mittel jedoch klar unterdurchschnittlich. Bei einem blitzreichen Juni liegen auch mal über 200'000 Blitze drin», schreibt der Wetterdienst.
Mit der Hitze kommen die Gewitter
Auch diese Zahl dürfte sich in der zweiten Hälfte des Junis deutlich erhöhen, denn mit der Hitzewelle steigen auch die Chancen auf Gewitter. «Am Freitag muss in der zweiten Tageshälfte ausgehend vom Jura und den Alpen recht verbreitet mit teilweise kräftigen Schauern und Gewittern gerechnet werden», schreibt MeteoNews zu den aktuellen Prognosen.
Im Laufe des Wochenendes beschränken sich die Gewitterzellen dann jedoch auf den Alpenraum, im Flachland bleibt es zumeist trocken und heiss. «Ein Ende der Hitzewelle ist bislang nicht in Sicht», sagt Perret. Manche Modelle gehen für nächste Woche zwar von einer etwas weniger heissen zweiten Wochenhälfte aus, andere prognostizieren hingegen eine Hitzewelle, die noch bis übernächste Woche anhalten könnte.
Schuld ist der Hochdruckrücken
«Es ist extrem ungewöhnlich, dass die Schweiz bereits so früh im Sommer über einen längeren Zeitraum derart hohe Temperaturen erlebt», sagt Perret. Dennoch werden wir uns in Zukunft immer häufiger solchen Wetterlagen ausgesetzt sehen. Denn hinter der kommenden Hitzewelle steckt ein sogenannter Hochdruckrücken oder ein Omega-Hoch.
Dabei werden die warmen Luftmassen eingeklemmt. «Kühlere Luft wird an den Rändern umgeleitet und gelangt so nicht mehr nach Mitteleuropa», erklärt Perret. Das Wetter bleibt deshalb über einen längeren Zeitraum stabil.
Im Falle eines Hochs steigen die Temperaturen Tag für Tag weiter an, es kommt zur Hitzewelle. «Grundsätzlich kann das auch mit Tiefdrucklagen passieren. Dann sitzen wir mehrere Tage lang im Regen», sagt der Meteorologe. Ob Hitze oder Regen, diese über Tage oder gar mehr als eine Woche andauernden stabilen Wetterlagen werden wegen des Klimawandels in Mitteleuropa immer häufiger.



