Unglück Nepal

Zahl Vermisster nach Himalaya-Flutwelle steigt dramatisch ++ Hunderte Touristen vermisst ++ Ursache weiter unklar

Eine Sturzflut ergiesst sich unvermittelt durch das Hochland im Himalaya. An der Grenze zwischen China und Nepal kommen Menschen zu Tode.

Was ist passiert?

Eine Sturzflut hat Häuser unter sich begraben und eine schwere Spur der Zerstörung in ein Flusstal zwischen Nepal und Tibet gerissen.

Nach Berichten der Zeitung «The Kathmandu Post» und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen grosse Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfliesst. Die Flut riss Brücken mit sich, beschädigte Staudämme und liess Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken, wie dramatische Videoaufnahmen zeigten. Der Moment des Unglücks wirkte wie aus einem Katastrophenfilm.

Noch ist nicht klar, wie es zur Sturzflut kam.
Bild: Narendra Shrestha/Keystone

Die Schlammassen haben auch Strassen für schweres Gerät und grosse Fahrzeuge unpassierbar gemacht und die Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen lassen.

Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmassnahmen an. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus.

Die Schlammlawine habe die Strassen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua

Was ist unklar?

Was die Flutwelle diesmal auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutete jedoch nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben, der im Hochland von Tibet entspringt, wie die «Kathmandu Post» berichtete. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschliessend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll sei dann flussabwärts im Himalaya-Staat vorgerückt.

Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien durch einen Erdrutsch am Morgen (Ortszeit) Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet worden. Zunächst sei man von einem Erdbeben ausgegangen. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, «dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde», teilte die USGS mit.

Sind Menschen ums Leben gekommen?

Nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China ist die Zahl der Opfer und der Vermissten weiter angestiegen. Die Zahl der Vermissten auf chinesischer Seite mehr als verdoppelte sich auf 558 Menschen, darunter 260 Ausländer, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Am Vortag hatten die Behörden noch von insgesamt 265 Vermissten gesprochen. Die nepalesische Polizei gab die Zahl der Todesopfer mit 162 an, wie aus einem Beitrag auf der Plattform X hervorging. Mehr als 40 Verletzte wurden demnach in Krankenhäusern behandelt. Von Hunderten Menschen fehlt allein auf nepalesischer Seite noch jede Spur. Chinas Staatsmedien meldeten bislang nur drei Todesopfer in dem betroffenen Kreis in Tibet.

Bilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaya legten ein erschreckendes Ausmass der Zerstörung nahe. Es war davon auszugehen, dass die Opferzahlen weiter ansteigen würden. Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari, sagte der Deutschen Presse-Agentur, derzeit seien mehr als 350 Touristen nicht erreichbar. Die Mehrheit der Vermissten seien Inder, zudem seien viele Menschen aus den USA und Grossbritannien darunter, erklärte Adhikari.

Die betroffene Region gilt als beliebtes Wandergebiet und Ziel von buddhistischen und hinduistischen Pilgern, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet wollen.

Sind unter den Opfern auch Schweizer Staatsangehörige?

Nach der heftigen Sturzflut in Nepal steht die Schweizer Vertretung in Kathmandu in Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort. «Dem EDA liegen derzeit keine Informationen über Schweizer Opfer vor», heisst es auf Anfrage. Entsprechende Abklärungen seien im Gang, richtet das Aussendepartement gegenüber Watson aus. Das EDA rät Schweizerischen Staatsangehörigen vor Ort, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.

Allerdings liess das EDA gegenüber dem «Blick» ausrichten, dass rund 20 Nepal-Reisende aus der Schweiz registriert seien. Zudem würden 120 Personen aus der Schweiz fix im Land leben.

Hilfen aus dem Ausland zugesagt

Die USA sagten Nepal Hilfe mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern zu. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf 500.000 US-Dollar (rund 430.000 Euro), teilte das Aussenministerium mit. Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. det deutsche Aussenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Betroffenen und Rettungskräften in der Region auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft für Unterstützung. UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Nepal Hilfe durch Teams der Vereinten Nationen zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren.

Wie hilft die Schweiz?

Die Schweiz stellt in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen (UN) 500'000 Franken für Nothilfe bereit. Dies geht aus einem X-Post des Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) hervor.

Auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) stellt für die Betroffenen der Katastrophe vorerst 50'000 Franken für Nothilfe bereit. Es hält sich bereit, das lokale Roten Kreuz mit Fachpersonal und weiterer Hilfsgeldern zu unterstützen, heisst es in einer Medienmitteilung. Dieses ist seit den ersten Stunden im Einsatz.

Gibt es Bilder oder Videos?

Ja, es gibt eine grosse Anzahl Bilder. Wir haben einige zusammengestellt.

Und auch Videos von diesem verheerenden Ereignis gibt es.

Auch in den Sozialen Medien sind viele Videos zum tragischen Ereignis zu finden.

(Mit Material der DPA und watson)

Mehr zum Thema: