Gesundheit

Alt, selbstständig und voller Sorge: So gut geht es der Schweizer Bevölkerung

Die Schweizerinnen und Schweizer sind zufrieden mit ihrer Gesundheitsversorgung. Nur der Umstand, dass sie teuer ist, finden viele schlecht. Der Stada Health Report 2026 bringt aber auch überraschende Ergebnisse – gerade im Vergleich zu unseren Nachbarn.
Ein gesundes Verhältnis zum Altern: Schweizerinnen und Schweizer wollen nicht ewig leben, aber lange gut.
Bild: Gaëtan Bally / Keystone

Wer die hiesige Bevölkerung fragt, wie es um die Gesundheitsversorgung in der Schweiz bestellt ist, erhält eigentlich immer die gleiche Antwort: Die Versorgung ist gut, sie gehört sicher zu den besten der Welt. Nur ist sie auch teuer. Die ewige Diskussion um die hohen Krankenkassenprämien lässt grüssen.

Der Stada Health Report 2026 bestätigt diese Haltung. Er zeigt aber auch: Die Schweiz ist eine Insel der Glückseligen. Bei den Nachbarn lässt die Zufriedenheit deutlich nach. Vor allem die Deutschen sorgen sich um den schwindenden Zugang zu medizinischer Versorgung. Das zeigt die grossangelegte Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Heilmittelhersteller Spirig. Für die Studie wurden in 20 europäischen Ländern fast 20'000 Menschen befragt, davon 500 in der Schweiz. Das sind die überraschenden Ergebnisse daraus.

Usbekistan steht vor der Schweiz, Platz eins hat aber ein anderes Land

90 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer bewerten ihr Gesundheitssystem positiver als andere Länder, einschliesslich unserer direkten Nachbarländer. Doch wenn es um die Zufriedenheit mit der Versorgung geht, laufen andere Länder der Schweiz den Rang ab. Belgien steht auf Platz eins, Usbekistan erhält Silber, die Schweiz muss sich mit Bronze zufrieden geben.

Studienautor Sven Arn erklärt dies mit grösseren Änderungen im System. So müssen die Belgier ihre Arztrechnungen nicht mehr selbst bezahlen, die Krankenkassen verrechnen das direkt. Ebenfalls sind weitere Leistungen über die Versicherung gedeckt. Bei Usbekistan können mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) weite Landstriche des Landes besser medizinisch versorgt werden.

Schweizerinnen wollen nicht lange, sondern gut leben

Der Supertrend Longevity hat die Schweiz entweder noch nicht erreicht, oder die Bevölkerung foutiert sich darum. Lange zu leben, wird von den Befragten nicht prioritär gewichtet. Viele mehr deuten alle Antworten darauf hin, dass die Qualität wichtiger ist als die Länge des Lebens. Dazu tragen viele auch selbst bei. Die Bereitschaft, auf Süssigkeiten, Fastfood oder Bildschirmzeit zu verzichten, um die Gesundheit zu fördern, ist gross. Bei einer Reduktion des Alkohol- und Fleischkonsums sinkt die Bereitschaft allerdings.

Helfen die gute Gesundheit zu erhalten: Ältere Menschen übernehmen Verantwortung für ihr Wohlbefinden im Alter.
Bild: Gaëtan Bally / Keystone

Mental gesund, aber geplagt von grossen Sorgen

Die Schweiz positioniert sich bei der mentalen Gesundheit klar über dem Durchschnitt. 71 Prozent geben an, dass sie sich psychisch gesund fühlen. Das sind deutlich mehr als in Deutschland (60 Prozent) oder in Österreich (61 Prozent). Die hiesige Bevölkerung schneidet aber auch im Vergleich mit Italien und Frankreich besser ab (je 69 Prozent). Mental deutlich besser geht es den Rumänen, Bulgaren, Serben und Usbeken.

Allerdings ändert sich die Lage, wenn nach der grössten gesundheitlichen Herausforderung gefragt wird. Da geben 58 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer die zunehmenden mentalen Probleme an. Das ist deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Wohingegen die alternde Bevölkerung und der Mangel an verfügbarem Fachpersonal in anderen Ländern viel höher gewichtet wird.

Wenig Vertrauen in Künstliche Intelligenz

Während andere Länder die Nutzung von KI im Gesundheitsbereich vorantreiben, bleiben die Schweizerinnen und Schweizer zurückhaltend. Zwar zeigen sich 51 Prozent der Befragten offen, darunter vor allem Jüngere. 48 Prozent lehnen eine KI-Beratung aber klar ab. Der Vergleich mit anderen europäischen Staaten zeigt gemäss Studie: «Je besser das Gesundheitssystem funktioniert, desto zurückhaltender ist die Bevölkerung gegenüber technologischem Ersatz.»

Selbstvertrauen im Umgang mit eigener Gesundheit

Unter dem Strich zeigt sich ein grosses Selbstvertrauen im Umgang mit der eigenen Gesundheit. So geben 95 Prozent der Befragten an, auf Selbstmedikation zurückzugreifen. Gerade bei leichten Schmerzen, Grippe oder leichten Magen-Darm-Beschwerden greifen die meisten auf eigene Erfahrung zurück. «Sie wissen, was bei ihnen wirkt», erklärt Sven Arn. In anderen Ländern führten auch die langen Wartezeiten für medizinischen Rat zu mehr Selbstmedikation. Hans-Peter Borger, General Manager der Spirig HealthCare AG, resümiert, dass die Schweizer Gesundheitsversorgung eine hohe Qualität hat, dass aber auch die Menschen über eine ausgeprägte individuelle Gesundheitskompetenz verfügen.

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