Bilaterale III

Die grosse EU-Debatte im Ständerat hat begonnen – das sind die wichtigsten Figuren

Die erste Parlamentsdebatte über die Verträge mit der EU verläuft leidenschaftlich. Nicht nur die SVP-Vertreter kämpfen im Ständerat gegen das Paket. Doch die Befürworter sind in der Mehrzahl.

21 Uhr? Mitternacht? Munter wird spekuliert, wie lange die Ständeratsdebatte über die neuen Verträge mit der EU am Montagabend dauern wird. Die Sitzung war «open end» angesetzt, ohne festen Feierabend. Warnend wies Ratspräsident Stefan Engler seine Kollegen zu Beginn darauf hin, dass es an ihnen liege, was «open end» heisse. Man möge sich kurzhalten. Dass das nicht vielen gelang, war keine Überraschung.

Die enorme Tragweite des Geschäfts war schon an der Regierungsbank abzulesen: Wo normalerweise ein Bundesrat sitzt, waren es gleich deren drei. Neben Aussenminister Ignazio Cassis liessen sich Guy Parmelin und Beat Jans nieder, der Wirtschafts- und der Migrationsminister. Das Paket, das sie dem Parlament schmackhaft machen wollen, umfasst die Revision bestehender und den Abschluss neuer Abkommen sowie die dazugehörige innenpolitische Umsetzung.

Die einzelnen Verträge werden erst ab Dienstag behandelt. Am Montag geht es zum Auftakt um das grosse Ganze: um die Frage, ob der Ständerat überhaupt auf die Vorlage einsteigen soll. SVP-Ständerat Marco Chiesa hatte einen Antrag auf Nichteintreten eingereicht.

Unterstützung bekam er nicht nur von seinen Parteikollegen, sondern auch vom konservativen Flügel der Mitte-Partei, der im Ständerat relativ gross ist, sowie von einzelnen Freisinnigen. In der Mitte wollen sich etwa der Zuger Peter Hegglin, der Innerrhoder Daniel Fässler und die Urnerin Heidi Z‘graggen gegen die Verträge aussprechen, in der FDP der Bündner Martin Schmid. Dennoch ist absehbar, dass eine klare Mehrheit auf das Geschäft eintreten wird.

Mitte und FDP auch beim Ständemehr gespalten

Für die Verträge votierten Vertreter sämtlicher Parteien mit Ausnahme der SVP. In den Reihen der FDP sprachen sich der Luzerner Damian Müller und die Schwyzerin Petra Gössi für die Abkommen aus, in der Mitte unter anderem die Aargauerin Marianne Binder, der Solothurner Pirmin Bischof und die Freiburgerin Isabelle Chassot.

Während die Linke und die SVP mehr oder weniger geschlossen agieren, sind die Mitte und die FDP nicht nur in der Grundsatzfrage gespalten. Noch grösser sind ihre Differenzen bei der Frage, ob die neuen Verträge in der abschliessenden Volksabstimmung nicht nur dem Volks-, sondern auch dem Ständemehr unterstellt werden sollen. Darüber dürfte der Ständerat am Mittwoch entscheiden.

Während die stundenlangen Debatten im Ratssaal andauern, ist draussen auf dem Bundesplatz eine Protestaktion angesagt: Um 21 Uhr will die SVP aufmarschieren, um gegen das Tempo der Verhandlungen zu demonstrieren. Sie kritisiert, dass der Ständerat für das umfangreiche Geschäft «nur» vier Halbtage vorgesehen hat. Diese Rechnung ignoriert jedoch die Vorberatung in den Kommissionen: Diese haben laut Ratspräsident Engler in 39 Sitzungen während 111 Stunden über die verschiedenen Teile des Pakets diskutiert.

+++ Update folgt +++

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