
Online kursieren Hochzeitsbilder, die Jacques und Jessica Moretti als glückliches Paar zeigen. Seit der Silvesternacht stehen die Betreiber der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana in traurigem Zusammenhang im Fokus des internationalen Medieninteresses. 40 Menschen, darunter Minderjährige, verloren beim verheerenden Brand ihr Leben, 116 erlitten schwere Brandverletzungen.
Jacques Moretti hat sich bisher nur kurz in Westschweizer Medien zu dem Brand in seiner Bar in Crans-Montana geäussert. «Es geht uns sehr schlecht, wir können nicht schlafen und nicht essen», sagte er zu «20 Minuten». «Le Constellation» sei «in zehn Jahren dreimal behördlich kontrolliert» worden, sagte der 49-jährige Korse zur «Tribune de Genève». Alles sei «normgerecht» gewesen. Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, betonte hingegen, die Brandschutzkontrollen würden alle ein oder zwei Jahre durchgeführt. Dazu äusserte sich Moretti nicht.
Auch sonst bleibt Moretti diskret, nachdem ihn die Polizei am Freitag verhört hat. Ein aktuelles Bild erschien am Sonntag in der Zeitung «Le Parisien». Es zeigt einen Mann mittleren Alters mit Bart und hoher Stirn, der sich in Jeans und Winterjacke mit einer Frau unterhält. Moretti war in der Neujahrsnacht nicht im «Constellation», anders als seine aus Nizza stammende Frau Jessica, die an der Unglücksbar arbeitete und in dem Brandunglück eine Armverbrennung davontrug.
«Le Parisien» berichtet weiter, Jacques Moretti sei der französischen Justiz «défavorablement connu», also negativ bekannt. Er sei vor drei Jahrzehnten in diverse Affären (Zuhälterei, Freiheitsberaubung, Betrug) verwickelt und in der Alpenregion Savoyen deswegen auch einmal in Haft gewesen. Seitdem er im Wallis arbeite, habe er aber nichts mehr mit der «organisierten Kriminalität» zu tun, bescheinigt ihm das Pariser Blatt.
Als ambivalente «Borderline-Persönlichkeit» hingestellt
In der beliebten Skidestination Crans-Montana besitzt Moretti neben der 2015 erworbenen Bar «Le Constellation» eine weitere Bar, und im benachbarten Lens führt er ein Restaurant für korsische Spezialitäten. «Blick»-Reporter wurden nach eigenen Angaben bei Recherchen vor Ort von Mitarbeitern Morettis bedrängt und verbal beleidigt.
«Le Corse», wie Moretti in französischen Medien genannt wird, stammt aus dem kleinen Dorf Ghisonaccia im Departement Haut-Corse. Der Bürgermeister schildert ihn als «seriösen Vielarbeiter».
In Bonifacio, wo er eine Bar geführt hatte, wird er gemäss dem Bericht im «Le Parisien» hingegen als ambivalente «Borderline-Persönlichkeit» hingestellt. Ausschlaggebend für die strafrechtliche Untersuchung wird aber nicht das Vorleben des Wirtes sein, sondern die Frage, ob die Sicherheitsnormen beim Umbau und Betrieb der Bar eingehalten worden waren.
Die Walliser Staatsanwaltschaft hat gegen das Ehepaar Moretti eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst eröffnet.
Das lokale «Altitude Magazin» bezeichnete Jacques und Jessica Moretti neulich als Duo mit «überschäumender Energie», das mit dem Restaurant in Lens korsisches Flair ins Wallis gebracht habe. Die Bar «Le Constellation» baute das Paar nach der Übernahme im Jahr 2015 während sechs Monaten selber um, wie Jacques Moretti 2016 der Zeitung «Le Nouvelliste» sagte. In Crans-Montana habe er sich nach einer Ferienwoche im Jahr 2011 verliebt. Bei den Menschen aus dem Wallis und Korsika entdeckte er Gemeinsamkeiten: «Wir sind Bergler mit einem harten Schädel, aber einem weichen Kern.»

