
Barack Obama
Ex-Präsident Barack Obama, immer noch eine demokratische Ikone, meldete sich bald, nachdem sich der deutliche demokratische Sieg abzeichnete, zu Wort:
«Heute Abend hat das amerikanische Volk eine klare Botschaft gesendet – es will eine Politik, die die Menschen zusammenbringt, anstatt sie zu spalten.»
Die aktuelle Regierung sei noch zwei Jahre im Amt. Die Demokraten müssten in dieser Zeit die Ärmel hochkrempeln, «Änderungen dort vornehmen, wo wir die Macht dazu haben, weiteren Schaden verhindern und die Weichen für die Zukunft stellen.» Obama hatte sich zuletzt auch im Wahlkampf verstärkt eingebracht und ist mit demokratischen Kandidaten aufgetreten.
James Talarico
Einer davon ist James Talarico. Der 37-Jährige sorgte in Texas für eine Überraschung, indem er der erste demokratische Senator im zweitbevölkerungsreichsten US-Staat seit 1988 wurde. Seinen Sieg hat der gläubige Christ nun mit dem Kampf von David gegen Goliath verglichen.
«In diesem Rennen besiegen wir unsere eigenen Goliaths: den reichsten Mann der Welt, den mächtigsten Mann der Welt und das gesamte Establishment von Washington D.C.», erklärte er vor jubelnden Anhängern am Dienstagabend (Ortszeit), nachdem sich sein Wahlsieg gegen den republikanischen Kandidaten Ken Paxton abgezeichnet hatte.

In der alttestamentarischen Erzählung um David und Goliath besiegt ein Hirtenjunge den ihm körperlich deutlich überlegenen Riesen mit einem gezielten Steinwurf. «Die Menschen in Texas waren meine Steinschleuder», verglich Talarico, der seinen Glauben auch im Wahlkampf oft zum Thema gemacht hatte. Die Texaner hätten bei der Wahl «jedem Trillionärs-Mega-Spender, jedem korrupten Verteidiger dieses kaputten politischen Systems» deutlich gemacht, dass die Macht beim Volk liege.
Der frühere Lehrer Talarico versprach, Senator aller Texaner zu sein – und eine «Politik der Liebe» statt des Hasses, der Angst und der Spaltung. «Da ist etwas kaputt in Amerika. Unser Wirtschaftssystem ist kaputt. Unser politisches System ist kaputt. Sogar unsere Beziehungen miteinander fühlen sich kaputt an. Und das ist so, weil die mächtigsten Menschen der Welt es so wollen», sagte der 37-Jährige.
«Es lässt sich mit Sicherheit sagen, dass wir es leid sind, gegeneinander ausgespielt zu werden.»
Elon Musk
Einer der Spalter und «Goliaths», die Talarico ansprach, ist nach seiner Ansicht der reichste Mann der Welt, Elon Musk. Dieser hatte in der vergangenen Jahren seine Firmen schrittweise aus dem liberalen Kalifornien abgezogen und Texas als neue Business-Heimat auserkoren. Dort rechnete sich Musk, der in den vergangenen Jahren gleichzeitig politisch deutlich nach rechts gerückt ist, mehr politische Rückendeckung, weniger Regulierungen und tiefere Steuern aus.
Doch nun droht dem Tech-Unternehmer auch in Texas ein etwas rauerer Wind. Dessen scheint er sich durchaus bewusst, wie aus seiner ersten Reaktion auf X zu schliessen ist. Er schrieb in Bezug auf seine Datencenter-Bauprojekte:
«Datencenter im All sehen aktuell gerade ziemlich verlockend aus.»

Zudem äusserte er sich sarkastisch zu Vorwürfen, er würde mit seinem Geld und seinen Möglichkeiten Wahlen zu seinen Gunsten beeinflussen:
«Ich schätze, meine wahlbeeinflussenden Weltraum-Laser haben dieses Mal nicht gewirkt.»
Musk hatte fast 450 Millionen US-Dollar in Wahlkämpfe republikanischer Kandidaten investiert, unter anderem auch in Texas. Es ist die grösste Geldmenge, die jemals von einer Einzelperson für US-Wahlen aufgewendet wurden.
Abdul El-Sayed
Mit dem Sieg von Abdul El-Sayed wird erstmals in der US-Geschichte ein Muslim Senator. Wegen seiner Religion wurde der Vertreter vom linken Parteiflügel der Demokraten zur Zielscheibe der Republikaner im Wahlkampf und insbesondere auch von Donald Trump. El-Sayed gewann nun gegen den 63-jährigen republikanischen Kandidaten Mike Rogers.
El-Sayed wandte sich in seiner Siegesrede nun nicht nur an seine Wähler, sondern auch direkt an Trump. Er sagte unter anderem, die «miesen Typen» hätten verloren. Und:
«Many won, money lost.» (Viele haben gewonnen, Geld hat verloren.)
Trump hatte sich stets über El-Sayed lustig gemacht, seinen Namen absichtlich falsch ausgesprochen oder ihn mit seinem zweiten Namen «Mohammed» bezeichnet, um Ressentiments zu schüren. Auch bezeichnete er ihn als «Dschihadisten». Nun müsse sich Trump keine Gedanken mehr über seinen Namen machen. Nachdem er im Januar von JD Vance eingeschworen worden sei, könne ihn der US-Präsident schlicht «Senator» nennen.

Keisha Lance Bottoms
Geschichte schrieb auch Keisha Lance Bottoms. Die 56-Jährige wurde als erste Afroamerikanerin und als erste Frau zur Gouverneurin von Georgia gewählt. Auch sie sprach von einer klaren und deutlichen Botschaft der Wählerinnen und Wähler, als sie zu ihrer Anhängerschaft sprach. Wie andere demokratische Sieger appellierte sie daran, die Spaltung in den USA zu beenden.
«Wir werden den Krieg beenden. Versucht nie, nie, niemals die Macht des Volkes auszuhebeln.»
Ihr Sieg sei einer für alle, so Lance Bottoms. Georgia ist in der Regel ein umkämpfter Swing State, tendiert nun aber nach den Midterms zu den Demokraten. Der Staat ist stark geprägt von seiner Sklaverei-Geschichte im 19. Jahrhundert und Konflikten zwischen Schwarzen und Weissen auch noch im 20. Jahrhundert, weswegen der Erfolg von Lance Bottoms ein bemerkenswerter Meilenstein ist.

Radoslaw Sikorski
Radoslaw Sikorski ist Vize-Ministerpräsident von Polen. Er machte im vergangenen Jahr weltweit Schlagzeilen, als er sich einen X-Schlagabtausch mit Elon Musk lieferte. Bereits damals ging es um die Nutzung von Musks Satellitennetzwerk Starlink durch die Ukraine im Krieg gegen Russland. Musk drohte damals ebenfalls mit der Abschaltung, was Sikorski danach offen kritisierte und den Aufbau einer Alternative verlangte. Musk bezeichnete Sikorski daraufhin als «kleinen Mann».
Eine erste Retourkutsche gab es von diesem, nachdem Musk seinen Posten als Sonderberater des Weissen Hauses nach Streit mit Donald Trump hatte verlassen müssen. Er schrieb auf X: «Siehst du, grosser Mann, Politik ist schwieriger, als du dachtest.»
Angesichts des aktuellen Wahlresultats sah Sikorski offenbar die Möglichkeit, an den Disput zu erinnern. Er repostete schlicht seine Antwort an Musk vom Juni 2025.

Sikorski hat einen engen persönlichen Bezug zu den USA. Er ist mit der bekannten US-Historikerin Anne Applebaum verheiratet und einer der gemeinsamen Söhne dient in der US-amerikanischen Armee.
Donald Trump
Donald Trump verzeichnet zwar eine der grössten Niederlagen, die je ein US-Präsident bei den Midterms hinnehmen musste (und er hat gute Chancen den Rekord aufzustellen), doch mit ihm hat das nach seiner eigenen Ansicht nichts zu tun.
Auf Fox News hatte er sich zunächst telefonisch zu den Ergebnissen geäussert. Er sehe die Resultate nicht als Kritik an seiner Präsidentschaft.
«Ich betrachte das nicht als Angriff auf mich.»
Er behauptet weiter erneut, die vergangenen zwei Jahre seien die erfolgreichsten eines US-Präsidenten in der Geschichte überhaupt gewesen. Als Gründe für die Niederlage führte er an, dass er nicht auf dem Wahlzettel gestanden habe und den Krieg gegen den Iran – eine Entscheidung, die er getroffen hat.
Darüber hinaus hat Trump erklärt, dass er «absolut» bereit sei, das Wahlergebnis zu akzeptieren. In der Vergangenheit hatte er bei Wahlniederlagen stets behauptet, die Ergebnisse seien manipuliert. Nun hat er gar den Demokraten gratuliert und sie gelobt. «Die Demokraten haben gute Arbeit geleistet.»
Cédric Wermuth
Schweizer Politikerinnen und Politiker halten sich für gewöhnlich zurück, wenn es um Kommentare zu Wahlergebnissen und politischen Ereignissen in anderen Ländern geht. Eine Ausnahme ist SP-Co-Präsident Cédric Wermuth. Dieser sorgte bereits in der Vergangenheit mit eindeutigen Botschaften zur US-Politik für Aufsehen. Auch jetzt meldet sich Wermuth, dieses Mal positiv:
«Eine katastrophale Niederlage für die internationale Rechte, ein grossartiger Sieg für die Welt.»
Sozialdemokratische Hoffnung schlage Angst und Brutalität quer durch die USA, so Wermuth weiter. Es sei ein wunderschöner Morgen.
Pedro Sanchez
Für ähnlich viel Freude sorgen die US-Ergebnisse beim ebenfalls sozialdemokratischen Ministerpräsidenten von Spanien, Pedro Sanchez. Dieser schrieb auf X, die amerikanische Gesellschaft habe gegen eine Politik gestimmt, die die Menschen nur ärmer mache. Und auch:
«Gegen Hass. Gegen Machismo. Gegen Klimaverleugnung und die Privilegien der Eliten.»
Für Sanchez ist klar, dass ein weltweiter Trend erkennbar ist. Es sei zuvor bereits das Gleiche in Brasilien passiert, nun in den USA. Und bald werde es auch in Spanien passieren.

Mohammad Ghalibaf
Auch die iranische Führung kommentierte die US‑Ergebnisse. Das US-Volk habe, ob aus Gewissensgründen oder wegen der Lebenshaltungskosten, «Nein zum Krieg» gesagt, schrieb der iranische Parlamentspräsident Mohammad Ghalibaf auf X.
Ghalibaf drohte der US-Regierung auch erneut mit Vergeltungsmassnahmen, sollte sie den Krieg gegen sein Land wieder aufnehmen. Entsprechende Gerüchte aufgrund von US-Truppenbewegungen im Mittleren Osten kursierten in den letzten Wochen.
Die iranische, nicht-unabhängige, Nachrichtenagentur Tasnim titelte angesichts der Midterms-Ergebnisse: «Krieg gegen den Iran erweist sich als Hauptfaktor für die Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen.» Auch die Agentur IRNA spielte die Niederlage Trump zu, es gebe in den USA «ein beispielloses Mass an Unzufriedenheit mit US-Präsident Donald Trump».

