
Er ist eine der bekanntesten und mysteriösesten Figuren der Kunstbranche und erhält mit seinen Graffito-Werken, die oft urplötzlich und an unerwarteten Orten auftauchen, weit über diese hinaus Aufmerksamkeit. Nun haben Reporter der renommierten Nachrichtenagentur Reuters mit einer grossangelegten Recherche wohl herausgefunden, wer hinter dem Pseudonym «Banksy» steckt.
Demzufolge heisst der Künstler mit bürgerlichem Namen Robin Gunningham und ist 1973 in Bristol in Grossbritannien geboren. Später soll er seinen Namen, zwecks erschwerter Nachverfolgung, in den englischen Allerweltsnamen David Jones ändern lassen haben.
Interessant ist: Auch wenn durch den Reuters-Bericht nur noch wenig Zweifel an der Identität von Banksy bestehen – neu ist die Vermutung, dass besagter Robin Gunningham hinter dem weltbekannten Pseudonym steckt, nicht. Bereits 2008 wurde Gunninghams Name von der britischen Zeitung «Mail on Sunday» ein erstes Mal im Zusammenhang mit der Identität Banksys erwähnt. Definitiv beweisen konnte das Blatt seine Angaben nicht.

Und durch die Namensänderung in David Jones, die der Künstler zu jenem Zeitpunkt vorgenommen haben soll, soll es ihm gelungen sein, einer endgültigen Demaskierung zu entgehen. Zwar war sein alter Name bekannt, doch der Künstler selbst schaffte es weiter, über Jahre unerkannt zu bleiben.
Wie kamen die Reuters-Journalisten Banksy nun definitiv auf die Schliche? Laut dem Bericht war eine Ukraine-Reise entscheidend. Im Dezember 2022 tauchten in dem kriegsgebeutelten Land Werke von Banksy auf. In einem Fall, im Dorf Horenka, das ein wenig ausserhalb von Kiew liegt, wurden die Ersteller eines Graffitos von Zeugen beobachtet. Diese berichteten, wie zwei maskierte Personen innert weniger Minuten ein Kunstwerk auf von russischen Bomben zerstörte Ruinen brachten.

Die Reuters-Journalisten konnten die Reise der Sprayer von diesem Zeitpunkt an zurückverfolgen und sie mit weiteren Informationen zu Banksy in Verbindung bringen. Durch weitere Zeugenaussagen und über Verbindungen in die Kunstszene stiessen die Reporter im Zuge dessen auf einen Gerichtsfall aus dem Jahr 2000 in New York.
Damals wurde ein Mann verurteilt, der ein Werbeplakat verunstaltet hatte. Er gab dies in einem handschriftlichen Geständnis zu – unterschrieben wurde mit dem Namen Robin Gunningham. Laut Reuters stimmten Name, Unterschrift und weitere Angaben mit früheren Hinweisen auf die Identität Banksys überein.
Beim zweiten Ukraine-Sprayer soll es sich um Robert Del Naja gehandelt haben. Der Musiker und Künstler ist Frontmann der Gruppe Massive Attack und wurde früher ebenfalls schon verdächtigt, hinter Banksy zu stecken. Allerdings soll Del Naja lediglich des Öfteren mit Gunningham bei Projekten zusammengearbeitet haben.

Banksy, oder eben David Jones oder Robin Gunningham, wollte sich zu dem Bericht nicht äussern. Stattdessen nahm Banksys langjähriger Anwalt Mark Stephens, der als öffentliches Sprachrohr des Künstlers gilt, Stellung wie Vanity Fair berichtet. Laut Reuters wollte Stephens die Veröffentlichung des Artikels verhindern. Er kritisierte den Sinn der Recherche an sich – der Künstler sei dadurch womöglich Bedrohungen ausgesetzt, es sei zwingend notwendig, dass sein wahres Ich der Öffentlichkeit weiter verborgen bleibe. Stephens gab zudem an, dass nicht alle Details in dem Reuters-Bericht korrekt seien.

Laut Stephens diene die anonyme Arbeit Banksys auch gesellschaftlichen Interessen, wie dem Ausdruck der Meinungsfreiheit. Kreative könnten durch Anonymität die Wahrheit aussprechen, ohne dass sie «Vergeltung, Zensur oder Verfolgung» befürchten müssten. Banksys Werke haben immer wieder auch eine politische oder gesellschaftliche Note und weisen manchmal auf Missstände hin. Letztendlich profitiert der Künstler aber auch in finanzieller Hinsicht von dem Mythos, der durch die Anonymität geschaffen wurde.

Die Enthüllung von Reuters stösst auch beim Publikum nicht unbedingt auf positive Resonanz. In den sozialen Medien kritisieren viele, dass Banksy eben gerade so eine starke Wirkung habe, weil er ein Mysterium sei. Wenn dieses nicht mehr bestehe, würde auch die Bedeutung seiner Kunstwerke schwinden, so der Tenor. (con/watson)