Trockenheit

Nach dem Dürresommer: Bundesrat spricht 71,5 Millionen Franken

Nach Wochen der Kritik reagiert die Landesregierung auf die historische Trockenheit. Umweltminister Albert Rösti stellt zudem für den Herbst weitere Entscheide in Aussicht.
Bundesrat Albert Rösti spricht über Hitze und Trockenheit in der Schweiz, am Mittwoch, 26. August 2026, im Medienzentrum Bundeshaus in Bern.
Bild: Anthony Anex/Keystone

«Die Lage war und ist ernst. Aber die Schweiz ist handlungsfähig.» Mit diesen Worten schloss Umweltminister Albert Rösti seine Pressekonferenz vom Mittwoch, während derer er mehr als einmal in den Verteidigungsmodus gewechselt war. Seit Wochen prasselt Kritik auf den SVP-Bundesrat ein, er unternehme zu wenig gegen den historischen Dürresommer 2026.

Was hat der Bundesrat nun beschlossen?

Die Regierung kommt zum Schluss, dass kurzfristig zusätzliche Unterstützung nötig ist. Konkret will sie mehr Geld für den Wald bereitstellen und Bauernbetrieben helfen, die wegen der Trockenheit in Existenzängste geraten. Gleichzeitig lässt er weitere Massnahmen prüfen.

Wie viel zusätzliches Geld erhält der Wald?

Hitze und Trockenheit haben den Schweizer Wäldern arg zugesetzt. Für das Jahr 2027 will der Bundesrat den Kredit für den Wald um 17,5 Millionen Franken erhöhen. Das Geld soll in die Anpassung der Wälder an den Klimawandel fliessen. Es handelt sich dabei um einen politischen Wiedergänger: Diese Mittel hat das Parlament auf Antrag des Bundesrats im Rahmen des Sparprogramms im vergangenen Frühjahr gestrichen. Ab 2028 soll das Umweltdepartement zudem die Möglichkeit erhalten, jährlich weitere 17,5 Millionen Franken zu beantragen.

Was ist mit den Bauern?

Bereits im Sommer hat der Bund Massnahmen beschlossen – etwa die Streichung von Zöllen beim Futterimport. Mehrfach betonte Rösti, dass der Bundesrat zu keiner Zeit untätig geblieben sei. Für die Landwirtschaft sollen nun noch dieses Jahr zusätzlich 54 Millionen Franken bereitstehen. Es handelt sich dabei nicht um direkte Entschädigungen, sondern um sogenannte Betriebshilfen: zinslose Kredite für Landwirtschaftsbetriebe, die wegen der Trockenheit in einen Liquiditätsengpass geraten.

Ist das alles?

Nicht unbedingt. Der Bundesrat betrachtet die zusätzlichen Gelder ausdrücklich als kurzfristige Reaktion. Mehrere Departemente müssen die Entwicklung nun weiter beobachten und bis Ende Oktober prüfen, ob weitere Schritte nötig sind. Im Herbst will der Bundesrat erneut eine Gesamtschau vornehmen und über zusätzliche Massnahmen entscheiden. Nicht zum ersten Mal verwies Rösti zudem auf mehrere langfristige Projekte gegen den Klimawandel – unter anderem die Dekarbonisierung.

Was wird geprüft?

Unter anderem soll das Innendepartement untersuchen, wie schweizweit einheitliche Hitzekarten eingeführt werden könnten. Zudem soll geklärt werden, welche weiteren Grundlagen nötig sind, um Menschen sowie Tiere besser vor extremer Hitze und Trockenheit zu schützen. Das Umweltdepartement soll zudem einen Runden Tisch zu spezifischen Problemen der Landwirtschaft organisieren. Gemeinsam mit dem Innen- und dem Verteidigungsdepartement wird ausserdem geprüft, wie die bestehende nationale Trockenheitsplattform weiterentwickelt werden kann.

Wie sieht es denn aktuell aus bezüglich der Trockenheit?

Ein bisschen besser. In den vergangenen Tagen fiel in der Schweiz grossflächig Niederschlag, was den Böden etwas geholfen hat. «Nach wie vor ist die Waldbrandgefahr in grossen Teilen der Schweiz aber hoch bis sehr hoch», sagte Rösti.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Unverändert harsch. SP, Grüne und GLP kommentierten die Ankündigungen des Umweltministers umgehend und in markigen Worten. «Selbst nach wochenlanger Rekordhitze, vertrockneten Feldern und Hunderten Hitzetoten legt SVP-Bundesrat Albert Rösti keine wirksamen Massnahmen für den Klimaschutz vor», lässt sich SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer zitieren. Auch die Grünliberalen urteilen, Rösti habe den Ernst der Lage noch nicht erkannt.

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