«Wieso jammert ihr eigentlich über eure verlorenen Häuser?», steht auf dem Flyer, den die Bewohnerinnen und Bewohner von Blatten am Samstag im Briefkasten vorfanden, wie der Walliser Bote berichtet. Darunter befindet eine Grafik zu den Abstimmungsergebnissen beim CO₂-Gesetz, das in Blatten 2021 mit 60 Prozent Nein-Stimmen verworfen wurde. Wesentlich knapper war es in der Gesamtschweiz, wo der Nein-Anteil 51,6 Prozent betrug.
Der Verfasser suggeriert damit, dass die Blatterinnen und Blattner selbst schuld am verheerenden Bergsturz sind, der Ende Mai Teile des Dorfes komplett ausradiert hatte. Die Bevölkerung reagiert schockiert und empfindet das Schreiben als geschmacklos. Eine vom Bergsturz betroffene Einwohnerin sagt gegenüber dem «Walliser Boten»:
Wer hinter dem Flyer steckt, ist nicht bekannt. Der Hinweis zum Verfasser auf dem Zettel ist kryptisch. Es heisst:
Flankiert ist die Unterschrift von einem Revolver, der auf eine Abbildung der Erde feuert. Wie der Blick schreibt, ist mit «AMOC» vermutlich die Atlantische meridionale Umwälzströmung gemeint. Dabei handelt es sich um ein grosses System von Strömungen im Atlantik, das kaltes und warmes Wasser nach Norden und Süden austauscht und damit das Klima beeinflusst. Das Phänomen ist heute nachweislich für mildere Temperaturen in Europa verantwortlich.
Blatten wurde im Mai von einem Bergsturz getroffen, Teile des Dorfes wurden komplett begraben, viele Menschen verloren ihr Hab und Gut. Eine Person kam ums Leben. Experten erachten es als erwiesen, dass der Klimawandel den Bergsturz ausgelöst oder zumindest begünstigt hatte.
Über das CO₂-Gesetz wurde 2021 in der Schweiz abgestimmt. Die Vorlage sollte helfen, die Treibhausgasemissionen in der Schweiz zu reduzieren, wurde aber von der Bevölkerung relativ knapp verworfen. Besonders in ländlichen Kantonen sprach sich eine grössere Mehrheit gegen das Gesetz aus. Im Wallis betrug der Nein-Anteil 60,9 Prozent. (watson.ch/con)

