Sommer-RS

«Hydration Break» im Tenu grün: Warum die Armee jetzt Trinkpausen verordnet

Über 8200 Rekruten sind Ende Juni in die Sommer-RS eingerückt. Sie erleben rekordhohe Temperaturen. Die Armee ist bemüht, ihre Gesundheit zu schützen – und hat aus der Vergangenheit gelernt.
Angehörige der Infanterie-Rekrutenschule 11 im August 2025 in Herisau.
Bild: Raphael Rohner/Tagblatt

Am Montag, 26. Juni, rückten in der ganzen Schweiz 8’289 Rekruten und Rekrutinnen zur Sommer-RS ein.

Kurz zuvor hatte die Wetterstation in Basel-Binningen mit 39,0 Grad einen Allzeit-Temperaturrekord verzeichnet, zumindest für die Deutschschweiz. Nach einigen weniger heissen Tagen kehrte die Hitze im Juli zurück – wenn auch nicht mehr gleich rekordverdächtig.

Die Armee hat auf die Lage reagiert. Sie verfüge «über bewährte Massnahmen, die bei hohen Temperaturen angewendet werden», teilt Armeesprecher Mathias Volken auf Anfrage mit: «Ziel ist es, die Gesundheit der Angehörigen der Armee zu schützen und gleichzeitig die Ausbildung sicherzustellen.» Dafür seien die Kommandantinnen und Kommandanten im Rahmen ihrer Führungsverantwortung zuständig.

«Konsequente Trinkdisziplin» und Pausen im Schatten

Die Armee zählt einen ganzen Strauss an Massnahmen auf. Dazu zählen etwa die Verlegung von körperlich besonders anspruchsvoller Tätigkeiten in die kühleren Tageszeiten sowie die Anpassung der Kleidung und der getragenen Ausrüstung, wo dies möglich ist. Teile der Ausbildung finden im Schatten und in Theorieräumen statt. Wo nötig, können auf Ausbildungsplätzen Tarnnetze oder Zelte für Schatten sorgen. Die Armeeangehörigen tragen zudem Sonnenbrillen und verwenden regelmässig Sonnenschutzmittel. Ebenso wird auf Trink- und Schattenpausen sowie die «Sicherstellung einer ausreichenden Trinkwasserversorgung und konsequente Trinkdisziplin» geachtet.

Dazu dient auch der «Pocket Guide» der Armee für das richtige Verhalten bei Hitze. Dieses Taschenbuch gibt es in doppelter Ausführung: einmal für Vorgesetzte, einmal für Angehörige der Armee.

Dort werden etwa Risikofaktoren wie Schlafmangel, leichte Erkrankung oder Alkoholkonsum sowie Anzeichen für Hitzeschäden (Muskelkrämpfe, Sonnenstich, Erschöpfung) und Tipps für Erste Hilfe aufgelistet.

Eine Tabelle weist aus, wie viel Flüssigkeitszufuhr sowie Ruhezeiten einzuplanen sind. Alle Armeeangehörigen erhalten zudem eine «persönliche Wasserkonsumkarte». Die Vorgesetzten sind angewiesen, die erforderliche Trinkmenge zu kommunizieren und die Kontrollkarten der Armeeangehörigen zu überprüfen.

2025 landeten vier Rekruten im Spital

Wie wichtig ausreichendes Trinken und regelmässige Pausen sind, zeigte ein Vorfall im August 2025 während eines sogenannten Sternmarsches der Grenadier-RS in Isone TI.

Bei diesem individuell absolvierten Leistungsmarsch mussten vier Rekruten – trotz jederzeit sichergestellten Zugangs zu Flüssigkeit und Nahrung – wegen Anzeichen eines Hitzeschlages beziehungsweise Dehydration ins Spital gebracht werden. Einer der Rekruten befand sich sogar vorübergehend in einem künstlichen Koma.

Mehr zum Thema: