
Brütend heisse Tage, tropische Nächte: Ab dem 17. Juni folgte in der Schweiz ein Hitzetag auf den nächsten, reihenweise wurden Temperaturrekorde gebrochen. Die erste Hitzewelle des Jahres hat bei Menschen über 65 Jahren zu übermässig vielen Todesfällen geführt.
Wie aus Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS) hervorgeht, starben in der Woche vom 22. bis zum 28. Juni 175 Seniorinnen und Senioren mehr als zu erwarten gewesen wäre - das ergibt eine Übersterblichkeit von 16 Prozent.
Beträchtliche Unterschiede zwischen den Regionen
Nicht alle Regionen waren gleich betroffen: Am höchsten war die Übersterblichkeit in der Grossregion Genfersee, die die Kantone Genf, Waadt und Wallis umfasst. Dort verstarben 44 Menschen mehr als zu erwarten (ein Plus von 23 Prozent). Vergleichbar war die Übersterblichkeit in der Region Espace Mittelland (Bern, Neuenburg, Jura, Solothurn, Freiburg) mit 22 Prozent.
Im Schweizer Durchschnitt lag die Region Nordwestschweiz (Aargau, beide Basel). In Zürich und der Ostschweiz inklusive Graubünden starben nicht signifikant mehr Menschen als in weniger heissen Zeiten.
In der Zentralschweiz starben in der letzten Juniwoche 123 Betagte, was über dem Durchschnitt liegt, aber noch innerhalb der statistischen Toleranz, weshalb das BfS nicht von Übersterblichkeit spricht. Das gleiche gilt auch fürs Tessin, wo es in der letzten Juniwoche zu 63 Todesfällen von Senioren kam.
Zahlen sind erst vorläufig
Vorsicht mit den Zahlen gilt ganz generell: Erstens kommt es immer wieder zu Verzögerungen bei den Meldungen an den Bund, zweitens wirkt Hitze oft zeitverzögert: Ein Hitzetag kann noch über die folgenden sieben bis zehn Tage zu Todesfällen führen, wie Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut zu bedenken gibt. Man muss daher davon ausgehen, dass die Zahlen noch steigen werden.
Wie viele Hitzetote die Schweiz im Jahr 2026 wirklich zu beklagen haben wird, zeigt sich erst später, wenn Ragettli und ihre Kollegen das Monitoring der hitzebedingten Todesfälle veröffentlichen. In diesen Berechnungen werden neben den Sterbedaten auch Temperaturdaten berücksichtigt, um abzuschätzen, wie viele Todesfälle tatsächlich auf die Hitze zurückzuführen sind.
