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Finale des World Band Festivals: Bläserspektakel mit Glühwürmchen-Ballett

Das World Band Festival in Luzern wechselte am Wochenende von  Barock-Musik in der Jesuitenkirche zum «Tattoo on stage» im KKL. Insgesamt sorgten 16500 Besucher für eine positive Bilanz.

Mit wiederum 16'500 Besuchern vermeldete das am Sonntag beendete World Band Festival eine «positive Bilanz». Möglich machte es ein weites Spektrum bläserischen Musizierens von Volksmusik über Jazz, Brass und Big Band bis hin zu Klassik und spektakulären Showproduktionen. Letztere verbanden sich am Samstag zu einem Doppelabend, der mit dem Barockkonzert in der Jesuitenkirche und dem «Tattoo on Stage» im KKL vermeintliche Gegensätze zusammenbrachte.

Für einen Berührungspunkt zwischen beiden steht die  barocke Formel «mit Pauken und Trompeten». In der Barockmusik repräsentierten die Trompeten den Glanz und die Pauken die Macht Gottes wie der Könige. Das Barockkonzert in der voll besetzten Jesuitenkirche erwies beiden die Reverenz. In Charpentiers Europa-Hymne (aus dem «Te Deum», original mit Pauken) entfalteten je zwei Trompeten und Posaunen sowie Orgel eine opulente Pracht zu Ehren Gottes. Eine Händel-Suite zum Schluss zeigte, wie auch damalige Könige sich durch solche Prachtentfaltung ehren und unterhalten liessen.

Mit Musikern aus Luzern (wie Trompeterin Manuela Fuchs oder Organistin Suzanne Z'Graggen) war es auch ein Beispiel für die regionale Verankerung des Festivals. In Bachs berühmter Toccata und Fuge d-Moll entfachte Z'Graggen zudem einen rockigen Drive, der direkt auf das anschliessende «Tattoo» vorauswies.

In diesen erweiterte sich das Arsenal von Pauken und Trompeten ins Unermessliche. Namhafte Militärmusik- und Showformationen von Schottland über die Niederlande bis in die Schweiz trumpften mit farbigen Bläsersätzen auf, die vom traditionellen Marsch über verspielten Jazz bis hin zu Pop und monumentaler Filmmusik alle Register zogen. Wo einst für Gott und Könige Pauken genügten, setzten im Tattoo-Showspektakel reichhaltiges Schlagwerk und Perkussion gewaltige Kräfte frei.

An die Herkunft aus der militärischen Sphäre erinnerten neben den Uniformen nur der Pulverdampf, die in den Konzertsaal-Himmel gerichteten Suchscheinwerfer oder eine Lichtregie, welche die bewegten Szenerien auf der Bühne in blutrotes Licht tauchte. Der Programm-Ablauf bot eine Mischung, die zwischen orchestralem und perkussivem Powerplay auch atmosphärische Beiträge bot.

Bläsergewitter und Publikumsregen

So kurvten die Lucerne Marching Band und das Schweizer Rekrutenspiel 16-2 nicht nur in theatralen Choreografien über die Bühne und durch musikalische Stile. Das Rekrutenspiel begleitete auch diskret die zauberhaften, wie mit Kastagnetten rasselnden Step-Tanz-Einlagen der Innova Irish Dance Company. Die Königliche Militärkapelle Johan Willem Friso aus Holland entwickelte aus sphärischen Vokalklängen eine bühnenreife Gewitterszene, zu der das schnippende Publikum den Regen beisteuerte. Das Majesticks Drum Corps aus der Romandie sorgte in gewalttätigen Rhythmussalven für magischen Zauber, wenn sich das Wirbeln der Sticks in der Dunkelheit wie ein Glühwürmchen-Ballett entfaltete.

Den bestimmenden Eindruck hinterliessen aber doch Momente elementarer Klanggewalt. An erster Stelle zu nennen ist da der Auftritt der Mid Argyll Pipe Band aus Schottland. Schon beim Einmarsch durch das Publikum hindurch auf die Bühne steigerten sich der durchdringende Ton von zahllosen Dudelsäcken zu einer bedrängenden Urgewalt. Das konnte später selbst das Finale nicht toppen. Der Grossaufmarsch aller Formationen um die niederländische Showband Adest Musica liess auf der prallvollen Bühne keinen Bewegungsspielraum und riss das Publikum vor allem durch schiere Klangfülle zur begeisterten Standing Ovation hin.

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