Woerdz

Ohne Rolf, Sibylle Berg, ein Länderspiel und ein Topstar aus den USA

Vom 21. bis 24. Oktober findet im Südpol das zweijährliche Woerdz Spoken Word Festival statt. Neben hierzulande sehr bekannten Namen kommt ein Star aus den USA, den es zu entdecken gilt.

Sie kommt aus der South Side von Chicago und ist eine preisgekrönte, international tourende Dichterin, Soul-Sängerin und Performerin. Die 37-jährige Jamila Woods ist der Stargast am diesjährigen Spoken Word Festival Woerdz. Ihre Werke nennt sie «physical spaces», in welchen Wort und Klang eins werden. Anders gesagt: Sie lässt die Grenzen zwischen Gedicht und Lied verschwimmen. Und erinnert daran, dass jeder gute Liedtext im Grunde ein Gedicht sein sollte.

Ihre Themen sind gesellschaftspolitische wie Identität oder afroamerikanischen Feminismus. Ihre bisher drei Soloalben, erschienen zwischen 2017 und 2023, wurden von der Kritik hoch gelobt. Sie wird am Freitag, 22. Oktober, im Südpol auftreten. Doch nun zum gesamten Programm Tag für Tag.

Mittwoch: Nachwuchstalente und Slam-Legenden

Den Festivalauftakt macht der «Dead or Alive» Slam, bei dem lebende Slam-Poeten gegen verstorbene Grössen der Literatur antreten. Haben die Werke aus dem Jenseits eine Chance gegen aktuelle Bühnenpoesie? Mit dabei sind etwa die amtierende Poetry-Slam-Schweizermeisterin Karla Lamešić, Remo Zumstein oder Momo Samira Schraner.

Im Vorprogramm messen sich beim U18-Dichterwettstreit Nachwuchstalente aus den Kantonsschulen Alpenquai, Rotkreuz, Willisau, Obwalden, dem Berufsbildungszentrum Bau & Gewerbe und einem freien Workshop. Die Besten treten dann auf der grossen Festivalbühne an. Für den musikalischen Rahmen sorgt die Luzerner Band Blind Butcher.

Donnerstag: Die Schweizer Szene zeigt sich vielseitig

Am Woerdz präsentiert die Schweizer Spoken-Word-Szene ihre neuen Programme und Projekte. Den Auftakt 2026 macht der vielseitige Performer und Autor Ralf Schlatter. Das junge Duo Bass & Bieder (Lia Maria Neff / Annika Biedermann) erzählt mit Worten und Musik Geschichten aus dem Leben der «Generation Rastlos».

Der Liedermacher und Zeichner Manuel Stahlberger war schon öfter in Luzern. Er zeigt sein aktuelles Programm «Es geht». Zum Abschluss will die singende Poetin Paquita Maria das Publikum bezirzen. Die Moderation des Abends besorgt der bekannte Luzerner Kulturjournalist Beat Mazenauer. Danach sorgen hiesige DJs für einen musikalischen Ausklang.

Freitag: Premiere für Ohne Rolf

Stargast Jamila Woods haben wir bereits erwähnt. Auch sonst ist der Freitag der Abend der bekannten Namen. Eine besondere Premiere verspricht der Werkauftrag des Luzerner Duos Ohne Rolf, das kürzlich mit einem Schweizer Preis Darstellende Künste ausgezeichnet worden ist. Für Woerdz tritt es mit einer dritten Person auf: Gregor Schwellenbach ist ein Schweizer Multiinstrumentalist, Arrangeur und Komponist. Mit ihm  werden Worte vertont und Töne zu gedruckten Worten. Gespielt und gedruckt wird mit Toner und Tönen und gerne auch ein wenig mit Unsinn. Alles in allem: ein musikalisches «Textperiment» als Ergebnis eines Werkauftrags.

Jessica Jurassica ist das Pseudonym einer Schweizer Autorin und Bloggerin mit Wurzeln im Appenzellerland. In der Öffentlichkeit tritt sie mit einer Sturmmaske auf. So vermutlich auch am Woerdz – alles andere wäre eine Sensation – in einer bisher noch nie gezeigten performativen «Poetikprofessur». In einem weiteren Act trifft die Lyrik von Simone Lappert auf die Bassklänge von Martina Berther.

Samstag: Fussball und Sibylle Berg

Der Festivalsamstag beginnt im Kleintheater Luzern mit Dominic Oppligers Mundart-Fantasy-Erzählung «Helsinki» für Kinder ab sieben Jahren und Erwachsene. Am Nachmittag treffen die Schweizer Literatur-Nati und das österreichische AutorInnen-Fussballteam auf der Sportanlage Ruopigenmoos in Littau aufeinander – bei freiem Eintritt. Dieses Duell geht am Abend auf der Bühne in die dritte Halbzeit, bevor Pedro Lenz der Fussballlegende Diego Maradona ein literarisches Denkmal setzt.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Uraufführung des Werkauftrags von Sibylle Berg, Kreidler und Marc Bauer, die Literatur, elektronische Musik und visuelle Kunst zu einer Art Filmkonzert verbinden. Sibylle Berg, dieses Jahr bereits am Literaturfest Lettera Luzern zu Gast, liess dazu verlauten: «Es sind so oft nur Sekunden, die über den Verlauf des Lebens der Menschen entscheiden. Der Besuch beim Arzt, der falsche Fuss beim Überqueren der Tramgleise, der falsche Mensch zur falschen Zeit, nur mal schnell die Fenster von aussen putzen.»

Den Festivalabschluss bildet eine Afterparty mit Trampeltier of Love (Simon Hari, Matto Kämpf und Marc Unternährer) und dem DJ-Kollektiv Akiwawa mit selten gehörten Sounds etwa aus Afrika oder Island.

Vollständiges Programm und Tickets: www.woerdz.ch

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