Ja, die Liebe… «Alles besiegt die Liebe», meinte schon Vergil. Die (pop-)kulturelle Beschäftigung mit dem Thema reisst nie ab, Lieder, Bücher und Filme sind voll davon. Doch was ist Liebe? Eine einzige Frage und so viele mögliche Antworten. Wenn auch keine eindeutige. Liebe hat viele Gesichter. Romantische Liebe, Liebe in der Familie, Freundschaft, Seelenverwandtschaft, asexuelle Liebe – die neue Reihe «What is Love?» im Stattkino Luzern nähert sich der Frage mit vier jüngeren Spielfilmen.
Ein Todesfall in der Familie hat ihn stumm und einsam gemacht und von seiner Frau und Tochter entfernt. In «Ghostlight» (7./18. Februar) findet Bauarbeiter Dan in einem kleinen Laientheater unerwartet Gemeinschaft und Sinn sowie den Mut und die Kraft, den Verlust zu verarbeiten. Ein sensibler amerikanischer Indiefilm, der ans Herz rührt.
Reicht die emotionale Verbundenheit zwischen ihnen aus, um eine glückliche Beziehung zu führen?, fragt die litauische Regisseurin Marija Kavtaradze in «Slow» (2023; 13./28. Februar) und erzählt feinfühlig und authentisch von der Tänzerin Elena und dem (asexuellen) Gebärdensprachdolmetscher Dovydas, die sich nahekommen, ohne miteinander zu schlafen. Weil Asexualität im Kino nach wie vor stark unterrepräsentiert ist, fand der Film 2024 Eingang ins «PinkPanorama»-Programm.
Bei Nora in New York taucht 24 Jahre später Hae Sung auf, ihr Freund aus der Kindheit in Seoul. In «Past Lives» (2023; 15./20. Februar) erzählt Celine Song, autobiografisch inspiriert, von erfüllter und unerfüllter Liebe, von Vorsehung, Bedauern und Glück. Ein wunderbarer Film, philosophisch und klug.
«Laurence Anyways» (2012; 21. Februar) des kanadischen Regiegenies Xavier Dolan ist ein in jeder Hinsicht aussergewöhnlicher Film. Pop-Oper und (Melo-)Drama, bunt und exzentrisch, eigenwillig und kunstvoll, vor allem aber durch und durch menschlich. Darin erzählt er die Geschichte von Laurence und Fred – bevor und nachdem er ihr anvertraut hat, dass er fortan als Frau leben will. Der Film stelle «die grundlegende Frage nach dem Wesen der Liebe», sagt Christine Albrecht, beim Stattkino für die Programmation zuständig. «Was lieben wir an einem Menschen? Und wie drückt sich das aus?»
Antikommerzprogramm am Valentinstag
Die Reihe schliesst am 14. Februar, am Valentinstag, mit einem queeren, nichtkommerziellen Kurzfilmprogramm «que(e)r zu klischierten Schnulzen, von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart», präsentiert von Kulturwissenschaftlerin Gina Dellagiacoma. Sie unterhält sich im Anschluss mit den Filmschaffenden.
Fortsetzung vielleicht nächstes Jahr mit «Carol» (2015) von Todd Haynes oder «Call Me by Your Name» (2017) von Luca Guadagnino oder…?
Stattkino, Luzern; www.stattkino.ch.

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