
Macklemore soll nicht mehr bei der Tour von Ed Sheeran mitmachen dürfen. Das fordert eine israelisch-amerikanische Gruppe nach dem Konzert des Rappers in New Jersey. Dort nutzte der 43-Jährige seinen Auftritt für ein politisches Statement.
Mehrmals rief er «Free Palestine» ins Mikrofon und performte seinen Protestsong «Hind's Hall» aus dem Jahr 2024, während im Hintergrund Bilder aus dem Gazastreifen und von pro-palästinensischen Demonstrationen eingeblendet wurden.
Überraschend ist das nicht. Macklemore äussert sich seit Jahren politisch – in seinen Songs und auf der Bühne. Erst letzten Monat trat er in Schaffhausen am «Stars in Town» mit demselben Protestsong und mit palästinensischer Flagge auf. Manche Zuschauer applaudierten, andere verliessen den Platz.
Auch beim Konzert in New Jersey waren die Reaktionen laut «TMZ» unterschiedlich. Doch nun hagelt es Protest: Das Israeli-American Council fordert mit einer Petition, dass Macklemore von den verbleibenden Konzerten der Tour ausgeschlossen wird.
Die Begründung: Die Fans hätten für ein Konzert bezahlt und nicht für eine politische Kundgebung. Wie viele Unterschriften bisher gesammelt wurden, ist nicht bekannt.
Ein Verbot polarisiert
Das klingt gewaltig ähnlich wie die Forderung des «Glücksgefühle»-Festivals. «Unsere Bühne soll der Musik gehören – nicht politischen Auseinandersetzungen», hiess es vergangene Woche zur Ausladung von Alphaville. Das, nachdem Sänger Marian Gold zuvor bei Konzerten Äusserungen gegen rechts gemacht hatte.

Doch das biss dem Veranstalter in den Hintern. Denn frei nach dem Motto «Jetzt erst recht» solidarisierten sich zahlreiche Acts mit Alphaville und machten das Festival so politisch wie nie.
Die No Angels trugen auf der Bühne Shirts mit der Aufschrift «FCK AFD» und auch Culcha Candela, Marteria oder Mark Forster äusserten sich. Sängerin Nura wurde dabei wohl am deutlichsten. «F*** die AfD und jeden, der was damit zu tun hat», sagte sie bei ihrem Auftritt.
Olivia Rodrigo macht Politik zum Hauptakt
Andere rücken politische Themen dagegen ganz bewusst in den Mittelpunkt. So wie kürzlich Olivia Rodrigo mit ihrem «Daisy Chain Fields»-Festival.
Die Sängerin veranstaltete Ende August ein eintägiges Musikfestival mit rein weiblichem Line-Up, dessen Erlös an Organisationen gespendet wird, die sich für Frauen und Mädchen engagieren. So beispielsweise Planned Parenthood oder das National Women’s Law Center.
Obwohl das Festival nur knapp zwei Monate zuvor angekündigt wurde, strömten rund 45'000 Zuschauer – und vor allem Zuschauerinnen – nach Kalifornien. Insgesamt wurden 20 Millionen Dollar gesammelt.

Inspiriert wurde Rodrigo vom Festival «Lilith Fair», bei dem 1997 ebenfalls nur Sängerinnen auftraten, um gegen den Sexismus im Musik-Business zu protestieren.
Konzertveranstalter und Radio-Verantwortliche sagten damals zu der Festival-Gründerin Sarah McLachlan: «Du kannst keine zwei Frauen hintereinander auf die Bühne stellen oder im Radio spielen – die Leute werden nicht kommen.» Also bewies sie das Gegenteil.
Wo fängt Politik an?
Natürlich muss nicht jedes Konzert politisch aufgeladen sein und nicht jeder Song eine Botschaft haben. Aber: «Musik war, ist und wird immer politisch sein», schrieb jemand in einem Kommentar zur Diskussion um das «Glücksgefühle»-Festival.
Zu fordern, Musik solle unpolitisch sein, ist bereits politisch. Und zu definieren, wo das anfängt und endet, ist schier unmöglich. Darf man sich auf der Bühne zu Rassismus äussern? Zur Klimakrise? Zu einem Krieg? Zu Rechten für Frauen oder queeren Menschen?
Wie politisch Musik (noch) sein darf, wird heiss diskutiert. Eine Antwort hat niemand. Dabei lautet die Frage nicht, ob sie das sein darf, sondern wer darüber entscheiden will. Und wie das Publikum reagiert.



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