
Als klare Favoriten gingen Linda Lampenius und Pete Parkkonen mit «Liekinheitin» ins erste Halbfinale in Wien und untermauerten ihren Anspruch auf den Sieg beim diesjährigen Eurovision Song Contest eindrucksvoll. Der Beitrag verbindet Drama, Spektakel und grosse Showmomente mit musikalischer Raffinesse und kompositorischer Stärke. Entscheidend ist zudem, dass Teufelsgeigerin Lampenius ihr virtuoses Violinsolo live auf der Bühne spielen darf. Ein Vorteil, der dem finnischen Beitrag zusätzliche Wucht verleiht. Wer soll diese Finnen noch stoppen?
Nicht unterschätzen darf man den griechischen Beitrag «Ferto» des Rappers und Sängers Akylas. Der Song entwickelt sich zur Party-Hymne des diesjährigen ESC und dürfte vor allem vom Publikum viele Stimmen erhalten. Man darf sich aber nicht täuschen lassen. «Ferto», der moderne Techno- und Dance-Beats mit mediterranen und traditionellen griechischen Elementen verbindet, ist mehr als ein simpler Party-Kracher. Hinter der Sehnsucht nach Erfolg, der rastlosen Gier nach Luxus, Ruhm und Statussymbolen verbirgt sich Sozial- und Konsumkritik.
Mit besonderer Spannung wurde der erste Auftritt des israelischen Sängers Noam Bettan erwartet, nachdem im Vorfeld Proteste gegen die Teilnahme Israels angekündigt worden waren. Während der Performance waren vereinzelt Zwischenrufe zu hören, zu grösseren Störaktionen kam es jedoch nicht. Zum Glück – denn «Michelle», das an Songs des belgischen Superstars Stromae erinnert, zählt zu den stärksten Beiträgen des diesjährigen Eurovision Song Contest. Es wäre bedauerlich, wenn politische Spannungen die Erfolgschancen des Songs überschatten würden.
Grosses Gefälle, stimmliche Mängel
Das qualitative Gefälle zwischen diesen Favoriten und dem restlichen Kandidatenfeld war riesig. Länder wie Belgien, Litauen und Schweden qualifizierten sich trotz unüberhörbarer stimmlicher Schwächen. Andere Songs wiederum – etwa jener der polnischen Sängerin Alicja – überzeugten zwar mit vokaler Klasse, liessen jedoch kompositorisch und musikalisch deutlich zu wünschen übrig. Für ansteckende Euphorie sorgte hingegen Satoshi mit seinem Song «Viva, Moldava!». Willkommen im Finale!
Kaum vermissen wird man im Final die Songs von Portugal, Georgien, Montenegro, Estland und San Marino. Umso erfreulicher ist, dass sich einige Songs durchsetzten, die nicht dem typischen ESC-Muster entsprechen. Die fünfköpfige Frauenband Lelek aus Kroatien versteht sich als Projekt zur Bewahrung und Neuinterpretation kroatischer Musiktraditionen und verbindet auch in ihrem ESC-Song «Andromeda» traditionelle Gesangstechniken und Volksmusikmotive mit modernem Pop und elektronischer Musik.
Mit ihrem düsteren, apokalyptischen Metal-Rock hebt sich auch die serbische Band Lavina deutlich vom sonst stark von Dance-Pop geprägten Teilnehmerfeld ab und trägt zur stilistischen Vielfalt bei. Sowohl Serbien, als auch Kroatien dürften im Finale aber höchstens Aussenseiterchancen haben.
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