«Was ist das denn für ein kranker Scheiss?» Johanna Sterns Abscheu ist berechtigt. Die nette Oma mit Silberhaar, die als Unschuldslamm im Luxus-Altenheim ihren Lebensabend verbringt, ist der Teufel. Noch einmal wird sie nicht verhindert, droht sie, dass sich ihr nichtsnutziger Stammhalter etwas zuschulden kommen lässt. Vorher ist sie dafür besorgt, dass ihn der «Stelzenmann» holt.
Doch der verachtete Nichtsnutz ist kein Kind mehr, und der Fluch der bösen Hexe verpufft hinter den Mauern der Ludwigshafener Seniorenresidenz. Folglich nimmt die verhängnisvolle Geschichte von Verletzung und Rache ihren Lauf: Der kleine Paul bleibt verschwunden, die einzige Zeugin ist tot. Und Swen, den Stern (Lisa Bitter) und Odenthal (Ulrike Folkerts) befragen, weil er vor Jahren nach einem ähnlichen Muster während Monaten spurlos verschwand, meint: «Ich weiss nicht mehr, was in meinem Kopf ist und was wahr ist.» Wie kann es sein, dass der «Stelzenmann» immer weiss, wo er sich aufhält.
Wahr ist in diesem «Tatort» mit Thriller-Touch: Der «Stelzenmann», als er sich tatsächlich in einer Gruselszene manifestiert, ist nichts als ein Jammerlappen. Und mindestens so wahr ist, die Kinderseele ist so weich wie Wachs. Schrecken, Grausamkeiten hinterlassen ihre Spuren, oft lebenslang.
Wäre Grimmepreisträger und Regisseur Harald Göckeritz nicht mit einem derart beeindruckenden Kinder-Cast vor der Kamera, es ist fraglich, ob man der Küchenpsychologie, die hier frühkindliche Traumata deutet, bis zum Ende folgen wollte. Doch zum Jahresende sind Freud’sche Märchen und Schwarze Pädagogik womöglich nicht das Schlechteste. Man weiss immerhin, das Böse bekommt seine verdiente Strafe. Und im neuen Jahr dann eine zweite Chance.
«Tatort» – «Der Stelzenmann». SRF 1, 1.1.2025, 20.05 Uhr.
Wir geben drei von fünf Sternen .


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