notifications
Stilkritik

Weniger Glanz, aber viel Glamour an den Oscars: Welche Outfits für Gesprächsstoff sorgten – und welche langweilten

Im Schatten der gegenwärtigen weltpolitischen Krise hiess es in Hollywood: Scheinwerfer an! Zum 97. Mal wurde der wichtigste Filmpreis im Dolby Theatre verliehen. War die Kleiderwahl der Stars oscarreif? Unsere Autorin hat die Looks auf dem roten Teppich unter die Lupe genommen.

Feiern? Was zum Teufel gibt es zu feiern in diesen zappendusteren Zeiten? Ach so, da ist ja noch Hollywood, das strahlende Epizentrum des Films, der Spielplatz des Glitz und Glamour. In der Nacht auf Montag versammelte sich die Elite dieser Parallelwelt im Dolby Theatre, um der Verleihung der Oscars beizuwohnen und auf die Pauke zu hauen. Knapp einen Monat nach den verheerenden Waldbränden rund um Los Angeles schmissen sich alle Stars in Schale, ganz nach dem Motto: «The Show must go on».

Also, fast alle. Comedian Adam Sandler in Shorts und Hoodie zog den Zorn von Host Conan O'Brien auf sich: «Was zur Hölle hast Du da an?» Eine Anspielung auf Donald Trumps polternde Kritik an Wolodimir Selenskis einfaches Outfit, das am vergangenen Freitag nach dem Geschmack Trumps respektlos und so gar nicht dem Weissen Haus würdig war.

Aber lassen wir mal Trump Trump sein. Der Abend war, abgesehen von dieser Anspielung O'Briens, bemerkenswert unpolitisch. Die grösste Nacht der Traumfabrik ging jedoch mit einem Hauch textiltechnischer Zurückhaltung über die Bühne. Zumindest, was die Ladys anbelangt. In den vergangenen Jahren sahen wir deutlich mehr ausgeflippte Roben. In der diesjährigen Ausgabe der Oscars dominierten klassische Festgewänder.

Steigen wir böse ein: Von Fashion-Darling Mikey Madison hätten wir mehr erwartet als die grosse Öde in Schwarz und Pink. Die Schleife war wohl daran schuld, das das Dress an die Uniform eines 50er-Jahre-Diners erinnerte. Da wurde es uns beim Anblick von Elle Fanning schon kuscheliger ums Herz. Ihr Prinzessinnen-Kleid von Givenchy aus weisser Spitze mit schwarzer Schleife war eine Hommage an die goldenen Zeiten des Films. Auf die Karte Reinheit, also Weiss, setzten ohnehin viele, viele Damen. Desweiteren pastellfarbene Träumchen noch und nöcher, hin und wieder metallisch schimmernde, körperbetonte Kreationen im Bodycon-Stil, um Wahnsinns-Körper zu inszenieren. Ja, Demi Moore, wirklich mega. Soweit, so mässig spannend.

Ausnahmen, die die Szene aufmischen, gibts glücklicherweise immer. Ein Highlight diesbezüglich lief in der Gestalt von Zoe Saldana über den roten Teppich. Sie räumte den Oscar als beste Nebendarstellerin ab und rangiert in unserem Stil-Ranking in den Gewinnerinnen-Sphären. Das schulterfreie Kleid von Saint Laurent hatte alles, was eine ikonische Oscar-Robe ausmacht und bewies, dass Mode Kunst kann: elegant, aber effortless, mit vielen raffinierten Details wie dem Bandeau-Oberteil mit funkelnden Applikationen, Netzhandschuhen und Bordeaux-farbenem Satinrock in trendiger Bubble-Optik.

Auch Cynthia Erivos Outfitwahl machte Spass. Nominiert als beste Hauptdarstellerin für ihre Performance in «Wicked» trat sie ebenso wicked, also schräg, auf. Ja, die schönste Robe war's bestimmt nicht, aber die mit dem meisten Pfeffer. Dunkelgrüner Samt mit überdimensionaler Schulterpartie und schnittigem Kragen – die Cynthia, die als die am besten Gekleidete in dieser Award-Saison gilt, kann's tragen. Mit ihr würden wir gerne mal einen drauf machen.

Derweil hatte Ariana Grandes Dress, ein kastenförmiger, blassrosa Mädchentraum mit jeder Menge Tüll, Schlaftabletten-Potenzial. Ja, Grande ist wirklich, wirklich herzig und talentiert und alles, aber bereits im vergangenen Jahr wählte die ohnehin schon sehr blasse Schauspielerin und Sängerin diese Farbe. Ein bisschen Abwechslung wäre nicht verkehrt gewesen. Etwas Leuchtendes, alles Überstrahlendes. Michelle Yeoh, Oscar-Preisträgerin im 2023, setzte auf eine Satinrobe in dem schönsten Blau, das uns je untergekommen ist. Wir konnten uns gar nicht satt sehen daran. Wow.

Die Herren bewiesen im Vergleich zu den Damen viel mehr Mut zur Farbe. Allen voran Timothée Chalamet. Der Goldjunge für bester Hauptdarsteller war ihm zwar nicht vergönnt. Dafür ist er der König des Red Carpet. Der ist sein Revier, Chalamet trägt das Label Stilikone schon eine ganze Weile. Warum? Er inszeniert sich und seinen Stil jedes Mal bravourös. In Begleitung seiner Mama und im buttergelbem Lederanzug von Givenchy kam er zur Verleihung.

Auch Colman Domingo, nominiert als bester Hauptdarsteller, hatte keine Lust auf den 08/15-Smoking und tauchte im roten Kimono-Anzug mit verschmitztem Revers auf. Hollywood-Oldie Jeff Goldblum nahm's noch lässiger: Das cremefarbene Jackett kombinierte er mit Hemd im Blüemli-Look sowie lavendelfarbenen Schal. Da gibt's nichts zu bemängeln, das war wohltuend erfrischend.

Hollywood-Prinzessin in weisser Spitze: Elle Fanning./>
Hatte gut lachen: Zoe Saldana überzeugte in Saint Laurent./>
Überraschung in Buttergelb: Oscar-Preisträger Timothée Chalamet./>
Stach heraus: Cynthia Erivo in opulenter Robe und mit auffälligem Fingerschmuck./>
Hat ein Faible für Extravaganz: Colman Domingo im Kimono-Anzug./>
Wir wollen in dieser Farbe baden: Michelle Yeoh in wunderschöner, leuchtend blauer Robe.../>
..wohingegen dieses Blau gar nicht überzeugte: Sorry, Isabella Rosselini!/>
«Was hast Du da an?» Adam Sandler zog im hellblauen Hoodie den Zorn von Host Conan O'Brien auf sich./>
Ariana Grande in Schiaparelli: More of the same, diese kastenförmige Märchenrobe langweilt./>
Keine Frage, Demi Moore macht im Armani-Glitzerfummel eine Wahnsinnsfigur. Aber fantasievoll ist anders./>
Enttäuschendes Outfit: Von Oscar-Preisträgerin Mikey Madison hätten wir mehr erwartet./>
Auch er langte in die Farbkiste: Jeff Goldblum sah gut aus./>
Viele wählten weisse Roben. Lupita Nyong'o sah in Chanel am besten aus./>
Kommentare (0)