
Die Met Gala fand erstmals 1948 statt, um Spenden für das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art zu sammeln. Ein Ticket kostete 50 Dollar. Als Anna Wintour 1995 die Leitung übernahm, stieg der Preis erstmals über 1000 Dollar – und diesmal waren es sage und schreibe 100’000 Dollar, die man für ein Ticket blechen musste.
Doch die Frage lautet dieses Jahr nicht nur: «Wer kleidet sich dem Motto entsprechend?», sondern vor allem: «Wozu braucht es das Ganze eigentlich noch?» Die Zeiten, in denen die «Vogue» die Mode-Bibel schlechthin war, sind längst vorbei. Dafür wächst der Unmut gegenüber den Superreichen. Just zu diesem Zeitpunkt wurden Jeff Bezos und Ehefrau Lauren Sánchez zu «Ehren-Co-Vorsitzenden» erkoren und haben laut Pressemitteilung die Met Gala 2026 «ermöglicht». Übersetzt: Sie haben für etwas bezahlt, was eigentlich nicht zu verkaufen sein sollte. Denn am Ende entscheidet eigentlich Anna Wintour, wer auf der Gästeliste steht.
Die Outfits der Met Gala 2026:
Doch bevor wir zur eigentlichen Kritik dieser Veranstaltung kommen, werfen wir einen nicht ganz so ernsten Blick auf die Kleider der Stars. Diesmal unter dem Motto «Fashion is Art» («Mode ist Kunst»).
Anna Wintour war natürlich auch da. Doch die Hohepriesterin persönlich hält sich praktisch nie an das Motto, obwohl sie es selbst bestimmt. In der Vergangenheit trug sie stattdessen fast immer denselben Stil, oft Blumenmuster und noch öfter Chanel – sogar, wenn mit dem Motto ein anderer Designer gefeiert wurde. Ein kleiner Rückblick:
Anna Wintour kuschelt mit Bezos, andere weigern sich
Zurück zum Punkt. Während die Met Gala schon lange als «Hunger Games»-Capitol kritisiert wird, ist ein Vergleich aus dem echten Leben mittlerweile zutreffender: Nämlich Versailles, wo die pure Dekadenz regierte und es nur darum ging, den eigenen Luxus zur Schau zu stellen. Da passen Jeff Bezos und Ehefrau Lauren Sánchez wie die Faust aufs Auge.
Doch die Met Gala ist nicht plötzlich über Nacht moralisch korrupt geworden, und dass die «Vogue»-Chefin mit Bezos zusammenspannt, ist nicht mal verwunderlich. Sie arbeitete auch jahrelang mit Harvey Weinstein und hievte Stars aus seinen Filmen aufs Cover, wo sie dann Kleider seiner Designer-Ehefrau trugen. Wie viel sie von seinen Taten wusste, ist unklar. Aber für sie ist es offensichtlich vor allem eine Geldfrage, mit wem sie sich abgibt. Vor allem, wenn man den Gerüchten glauben will, dass die Met Gala-Tickets diesmal eher schleppend verkauft wurden. Möglicherweise, weil sie 100'000 Dollar kosteten. Oder weil eben nicht alle mit Bezos auf Kuschelkurs gehen wollten.

Manche Stars haben sich bereits vorab abgemeldet. Model Bella Hadid hatte zuvor einen Instagram-Post gelikt, der Bezos kritisierte. Und Zendaya brauchte «eine Pause vom Rampenlicht». Einer, der deutlicher wurde, war Bürgermeister Zohran Mamdani. Das Museum sei zwar «ein wichtiger Bestandteil» von New York, doch sein Fokus liege darauf, die teuerste Stadt der USA bezahlbarer zu machen: «Und darauf möchte ich mich in Zukunft konzentrieren.»
Eine Woche vor der Met Gala haben Aktivisten in Anlehnung an die schlimmen Arbeitsbedingungen von Amazon-Mitarbeitern, die nicht einmal eine WC-Pause bekommen, 300 Flaschen mit Fake-Urin im Museum deponiert. Es wurden Plakate aufgehängt und Botschaften an Gebäude projiziert. Genutzt hat der Protest aber wohl kaum etwas und der Dekadenz wird auch im nächsten Jahr freien Lauf gelassen.
Wer darauf keinen Bock hat, muss zum Glück nicht zuschauen:


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