Rock

Unwetter in Zürich zwingt Linkin Park zu 45-minütiger Pause im ausverkauften Letzigrund Stadion

Die neue Sängerin Emily Armstrong schafft das Unmögliche. Nach dem Tod des charismatischen Sängers Chester Bennington markiert sie einen vielversprechenden Neuanfang der US-Band.
Die Sängerin Emily Armstrong von Linkin Park im Letzigrund Stadion vor dem Wolkenbruch.
Bild: André Albrecht

Der Tod eines Leadsängers stellt jede Band vor eine grosse Herausforderung, für die es keine Patentlösung gibt. AC/DC und Gotthard haben nach Sängern gesucht, die eine ähnliche Tonlage und Phrasierung hatten wie die verstorbenen Bon Scott und Steve Lee. Der Vorteil ist, dass das alte Repertoire problemlos übernommen werden kann und die musikalische Identität der Band gewahrt wird. Der Nachteil, dass der Sänger ständig mit seinem Vorgänger verglichen wird. Das ist bei AC/DC wie bei Gotthard bis heute der Fall. Sowohl Brian Johnson als auch Nic Maeder haben es bis heute nicht geschafft, ganz aus dem Schatten der legendären Sänger zu treten.

Die Sängerin Emily Armstrong erhielt aus dem Publikum eine Krone und fühlte sich sichtlich wohl damit.
Bild: André Albrecht

Als Chester Bennington, der charismatische Frontmann von Linkin Park, 2017 starb, wusste die US-Band lange nicht, ob und wie es weiter gehen sollte. Schliesslich überraschte sie mit der Wahl der Sängerin Emily Armstrong. Denn mit der Entscheidung für eine Sängerin hat die Band gar nicht erst den Eindruck entstehen lassen, sie wolle ihren früheren Frontmann kopieren.

Vorbehalte sind schnell verflogen

Verglichen wird natürlich trotzdem. Auch am ausverkauften Konzert im Zürcher Letzigrund, wo sich die 40-jährige Sängerin erstmals dem Schweizer Publikum präsentierte. Doch in Zürich, dem letzten Konzert der gesamten «From Zero World Tour», waren die Vorbehalte schnell verflogen, denn Emily Armstrong ist grandios. Hochkonzentriert und fokussiert, meisterte sie nicht nur die leisen, verletzlichen Töne, sondern auch kraftvolles Knurren, markerschütterndes Schreien und rohe Ausbrüche.

Sängerin Emily Armstrong und Gründer Mike Shinoda von Linkin Park beim grossen Finale im Letzigrund Stadion.
Bild: André Albrecht

Vor einem Jahr musste der geplante Auftritt von Linkin Park in Bern wegen eines medizinischen Problems innerhalb der Band kurzfristig abgesagt werden. Diesmal setzte über Zürich kurz vor 21 Uhr ein Unwetter ein, das die pudelnassen Band zu einer dreiviertelstündigen Pause zwang. Bandleader Mike Shinoda begründete den Unterbruch mit Sicherheitsbedenken.

Doch weder Publikum noch Linkin Park liessen sich vom Gewitter beirren. Erst recht nicht Armstrong. Dass sie Songs wie «Emptiness Machine» oder «Up From The Bottom» von «From Zero» beherrscht, dem ersten Album mit ihr als Leadsängerin, war klar. Die eigentliche Bewährungsprobe war aber das Vermächtnis von Chester Bennington – und die Frage, wie sie mit  dessen Songs umgehen würde.

Emily Armstrong herzte das Publikum im gefüllten Letzigrund Stadion.
Bild: André Albrecht
Das begeisterte Publikum herzt zurück.
Bild: André Albrecht

Die Geschichte von Linkin Park ist noch nicht zu Ende

Emily Armstrong näherte sich den alten Linkin-Park-Songs mit viel Respekt. Interpretierte sie aber eigenständig und authentisch. Sie sang rau, kraftvoll, aber auch dunkler und weniger schrill als Bennington. Linkin Park-Klassiker wie «What I've Done» oder «Burn It Down» erhielten eine emotionale Färbung. Sie übernahm die Melodielinien weitgehend, sang aber gelegentlich etwas tiefer und vor allem in den ruhigeren Stücken brachte sie ihre eigene Persönlichkeit ein.

Emily Armstrong gelang es im Letzi vorzüglich, Vergangenheit und Gegenwart in der neuen Band zu vereinen. Mit ihrer wandelbaren Stimme, ihrer Bühnenpräsenz und ihrer Ausstrahlung bestätigte sie sich in Zürich als Idealbesetzung. Die Bandchemie stimmt und die Geschichte von Linkin Park ist noch nicht zu Ende erzählt.

Linkin Park verabschiedet sich vom begeisterten Publikum im Letzigrund Stadion: v.l. Colin Brittain, Alex Feder, Sängerin Emily Armstrong, Dave Farrell, Mike Shinoda und Joe Hahn.
Bild: André Albrecht
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