Provokation

Nackt, vergoldet und 2,60 Meter gross: Dieser Trump sorgt für Aufsehen

Ein nackter, vergoldeter US-Präsident steht im Europäischen Parlament. Erstaunlich ist weniger die Skulptur als die Tatsache, dass sie kaum jemanden schockiert.

Donald Trump ist im Europäischen Parlament angekommen. 2,60 Meter gross, mit einem Golfschläger in der Hand und bemerkenswert schweigsam. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. In diesem Fall: 23 Karat.

Er beleidigt niemanden, verhängt keine Zölle, erhebt keine Ansprüche auf Grönland, postet nichts. Für einen Trump-Auftritt in Europa bleibt es erstaunlich ruhig. Nur angezogen ist er nicht.

Die nackte, vergoldete Skulptur heisst «The Orange Plague» und stammt vom dänischen Künstler Jens Galschiøt. Ins Parlament gebracht hat sie der EU-Abgeordnete Per Clausen. Inspiration fand Galschiøt bei einem Landsmann: Hans Christian Andersen und dessen Märchen «Des Kaisers neue Kleider».

Bei Andersen braucht es ein Kind, um auszusprechen, was längst alle sehen: Der Kaiser ist nackt. Bei Trump braucht es dafür offenbar 2,60 Meter Kupfer und 23 Karat Gold. Nur funktioniert die Pointe heute etwas anders. Niemand muss erst entlarven, was vor aller Augen liegt. Trump macht aus seinen Absichten selten ein Geheimnis. Selbst das Unwahrscheinliche landet inzwischen regelmässig in den Schlagzeilen.

Die Statue braucht wenig Erklärung: Trump sitzt auf dem Rücken eines schmächtigen Mannes, in der einen Hand die Waage der Gerechtigkeit, in der anderen den Golfschläger. Zu seinen Füssen liegt die Welt, praktischerweise bereits auf Golfballgrösse geschrumpft. Auf dem Sockel steht: «Ich sitze auf dem Rücken eines Mannes. Er sinkt unter meiner Last. Ich werde alles tun, um ihm zu helfen – ausser von seinem Rücken zu steigen.» Subtil ist anders. Aber subtil muss es offenbar auch nicht mehr sein. Der Präsident scheint das Wort ohnehin nicht zu kennen.

Schulterzucken bei den Schlagzeilen, Schulterzucken bei der Statue. Dabei stelle man sich dieselbe Aktion mit einem anderen Staatschef vor; die Frage nach Geschmack, Respekt und den Grenzen der Satire wäre wohl schnell gestellt. Hier gleicht es eher einer Attraktion. Das zeigt, wie sehr sich die Auffassung verschoben hat und wie abgestumpft wir sind. Vielleicht, weil die Messlatte längst nicht mehr dort liegt, wo sie einmal lag.

Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Hier schon.

Und offenbar konnte man davon im Parlament nicht genug bekommen. Galschiøt liess tausende Miniaturen drucken und gratis verteilen. Die Nachfrage war so gross, dass sich selbst Mitarbeitende aus der Parlamentsküche kleine Trumps holten. Fürs eigene Wohnzimmer muss es trotzdem keiner sein. Weder in gross noch in klein. Auch wenn die Miniatur immerhin eine Qualität der grossen Version teilt: Sie ist bemerkenswert schweigsam.

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