Es gibt eine Frage, welche viele Menschen in Deutschland miteinander vereint: Was haben Eltern, Grosseltern oder gar Urgrosseltern damals unter dem NS-Regime von Adolf Hitler getan? Wie standen sie zum Nationalsozialismus? Jemand, der sich diese Frage ebenfalls oft gestellt hat, ist der ehemalige Showmaster Thomas Gottschalk.

Er war gerade einmal 14 Jahre alt, als sein Vater Hans im Jahr 1964 an Krebs starb. Über dessen Vergangenheit wusste der ehemalige Moderator von «Wetten, dass …?» nur spärlich Bescheid. Doch nun hat die deutsche «Bild» Dokumente aus Archiven in Deutschland und Polen ausgewertet, welche über die NS-Vergangenheit von Hans Gottschalk Auskunft geben.
Demnach war der Rechtsanwalt nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern auch der paramilitärischen Sturmabteilung SA, des Nationalsozialistischen Altherrenbundes und des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbundes. In die NSDAP trat er gemäss Karteikarte am 1. November 1932 ein.
Widersprüchliche Aussagen
Wie die «Bild» schreibt, stellte Hans Gottschalk seine Vergangenheit völlig anders dar. In einem nach dem Krieg verfassten Lebenslauf bezeugte er ein Eintrittsdatum im Frühjahr 1933 – also nach Hitlers Machtergreifung – und gab an, dass er nur nach «wiederholtem Drängen seines Vorgesetzten» in die Partei eingetreten sei.
Auch die Mitgliedschaft in der SA bestätigte Hans Gottschalk. Er habe allerdings keinen SA-Dienst geleistet und in seiner Stellung bei der Wehrkreisverwaltung versucht, «dem Naziregime in jeder nur möglichen Weise aktiv Widerstand zu leisten».

Das Eintrittsdatum sei in seiner Darstellung auf seiner Mitgliedskarte rückdatiert worden, da in seinem Wohnort Breslau damals eine Aufnahmesperre gegolten habe und jene auf diesem Weg umgangen wurde. Ausserdem wurde sein Eintritt von einem SA-Führer veranlasst, wobei die Aufnahme in die Sturmabteilung ohne das Wissen von Hans geschehen sein sollte und er erst nach seiner Rückkehr nach Breslau davon erfahren habe.
Gegenüber der «Bild» meinte der Politikwissenschaftler Jürgen Falter, dass diese Schilderung einen eher ungewöhnlichen Fall darstelle. «Mitgliedsnummer und Eintrittsdatum sprechen für einen Beitritt 1932, die Berufsangabe als Rechtsanwalt dagegen für eine spätere Eintragung. Auch die geschilderte SA-Aufnahme ohne Wissen des Betroffenen ist obskur.» Aus der SA habe sich der Rechtsanwalt im Jahr 1934 wieder streichen lassen.
«Opfer oder Täter?»
Zu seiner Darstellung erhält Hans Gottschalk Unterstützung von mehreren Verfolgten unter dem NS‑Regime. So erklärte etwa die Jüdin Elly Rastetter, deren Mutter in Auschwitz ermordet worden war, Gottschalk sei kein nationalsozialistischer Aktivist gewesen. Auch der Widerstandskämpfer und spätere Vertriebenenminister Hans Lukaschek entlastete ihn. Dennoch wurde Hans Gottschalk als «Mitläufer» eingestuft und musste 500 Mark bezahlen.

Doch wie geht sein Sohn Thomas damit um? In seiner Autobiografie «Herbstblond» schrieb der 76-Jährige: «Mein Vater war Jahrgang 1902, hatte also als Jugendlicher den Ersten Weltkrieg erlebt und war einer der jungen Männer, die gerade ins Leben treten wollten, als der Kriegswahn erneut begann. Hat er mitgemacht? War er Opfer eines mörderischen Systems oder war er Täter?»
Weiter schrieb er, dass er sich gerne mit den Beschwichtigungen seiner Mutter Rutila zufrieden gab, laut denen er «natürlich kein Nazi gewesen sei». Diese Enthüllungen dürften ihm neue Einblicke in seine Familiengeschichte bescheren. Äussern möchte er sich jedoch nicht. Gegenüber der Bild sagte er: «Ich bin raus aus der Öffentlichkeit. Und äussere mich auch nicht mehr».
Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.