Eine Kultband sind The Swingles ihrer langen Geschichte wegen. Sie gehen auf die 1962 in Paris gegründeten Swingle Singers zurück. Diese Ensembletradition setzt die heutige Londoner Formation mit laufend wechselnder Besetzung fort. Sie ist der Headliner des fünften Vokalpop-Festivals «Voxpop».
In der Geschichte des Vocal Jazz und des modernen A-cappella-Gesangs ist das Ensemble prägend, weil es in den 1960er-Jahren eine damals ungewöhnliche Vorstellung populär machten. Die Stimme instrumental einzusetzen, war laut Gründer Ward Swingle (1927–2015), ein Amerikaner, der entscheidende Punkt. Dazu kamen Kontrabass und Schlagzeug. Die ursprünglichen Swingle Singers waren also keine reine A-cappella-Gruppe. «Jazz Sébastien Bach» wurde zu einem internationalen Erfolg. Mit der Platte, die in den USA unter dem Titel «Bach’s Greatest Hits» lief, gewann Ward Swingle 1964 den Grammy für «Best Performance By A Chorus» – die Swingle Singers wurden zum internationalen Crossover-Phänomen, und vier weitere kamen hinzu. Durch ihre populären Bach-Bearbeitungen berühmt geworden, zeigten die Swingle Singers in Luciano Berios «Sinfonia» ihre avantgardistische Seite.
Die französische Originalformation hörte 1973 auf, und Ward Swingle zog nach England, wo er ein neues Ensemble aufbaute und das Konzept um Renaissance, Madrigale, Pop, Jazz und zeitgenössische Musik erweiterte. Gleichzeitig verschwanden Bass und Schlagzeug zunehmend.
Von Bach bis Radiohead
Das Album «Folklore» von 2017 widmet sich der Volksmusik unterschiedlicher Herkunft, das jüngste, «Theatreland», der Broadway- und Musicalmusik. Die aktuelle Single «Gemiler Giresune», ein traditionelles Lied aus der Schwarzmeerregion, ist eine Neueinspielung eines älteren Swingle-Arrangements. Die heutigen, siebenköpfigen Swingles kann man als junge Generation bezeichnen. Drei Mitglieder sind erst seit 2024 dabei, zwei weitere seit 2025. Sie dürften, ganz traditionsbewusst, alte Bach-Arrangements von Ward Swingle, Volkslieder aus verschiedenen Ländern und neue Arrangements mit Beatboxing und Live-Looping im Programm haben.
Die Schweizer Formation Quite Loud, die am Freitag ebenfalls auftritt, nennt die Swingles neben Pentatonix und The Real Group ausdrücklich als Vorbild. Am Samstag stehen Maze Voices aus den Niederlanden auf der Bühne, und die Luzerner Gastgeber, Vocabular, präsentieren das im Frühling erschienene Album «Hitz» (wir berichteten). (reg)
Festival «Voxpop»: Freitag/Samstag, 9./10. Oktober, Hotel Schweizerhof, Luzern; Rahmenprogramm/Tickets: www.voxpop.ch.






Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.