«Tatort» - die TV-Kritik

Drei Fragen an den neuen «Tatort» aus Ludwigshafe. Fazit: Drei Machos sind zu viel für einen Sonntagskrimi

Die Sprengung eines Bancomaten und der Tod des Täters bringen dreierlei Machogewalt ans Licht.

Was erzählt uns dieser «Tatort» über die Gegenwart?

Erstens: Zu viele Männer sind vergiftet vom Machotum: Machtbesessen, brutal, wehleidig, selbstgefällig. Dieser «Tatort» führt es uns in drei Variationen und aus allen Gesellschaftsschichten vor. Zweitens: Allzu viele Krimis bebildern jugendliche Verwahrlosung und Gangkriminalität mit Figuren aus Migrationsmilieus. «Explosive Mischung» aus Ludwigshafen vermeidet dieses Klischee, was die Sozialanalyse nicht besser macht. Warum die Jugendlichen prügeln und Bancomaten sprengen, erfährt man nicht.

Welcher Satz bleibt hängen?

«Wenn es der Staat nicht schafft, kümmern wir uns.» Ulf Meisner, selbsternannter Quartiersheriff, raunzt der Kommissarin Lena Odenthal verächtlich und aggressiv diesen Macho-Spruch an den Kopf. Der Satz tönt nur plausibel, wenn man fordert, die Polizei sei für Sozialarbeit da. Dafür aber gibt es andere Profis. Die Kommissarinnen in diesem «Tatort» sind ansonsten ein starkes Frauenduo. Meisners Ordnungswille ist hingegen nur der Vorwand für das Ausleben seines Machtwahns und seiner Lust an Gewalt.

Was bleibt nach diesem «Tatort»?

Dramaturgisch ist dieser «Tatort» ärgerlich. Er klebt viel zu sehr an seinem Konzept der an sich interessanten, dreifachen Macho-Kritik, verpasst aber dabei die Entwicklung seiner Hauptfiguren, die deshalb holzschnittartig bleiben. Dazu kommt, dass man bei den vielen Nebenfiguren den roten Faden zu verlieren droht. Die Atmosphäre nächtlicher Ermittlungsarbeit îst hingegen toll, sodass man sich erst nach und nach fragt, warum die eigentlich die ganze Nacht durcharbeiten. Leider gibt dieser «Tatort» der Geiselnahme im zweiten Teil zu viel Platz. Dann wird der Krimi auch noch zäh und wirkt wegen den Action-Klischees und einem Schulterschuss sogar ein wenig plump.

Tatort Ludwigshafen, «Explosive Mischung», SRF 1, Sonntag, 20.05 Uhr.

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