
Montagmorgen, neue Woche, viel zu tun. Wer «Late Night Switzerland» gestern verpasst hat und es eilig hat, der startet am besten bei Minute 25. Der Einspieler ist grandios und komplex, sodass er hier nicht wortwörtlich wiedergegeben werden kann. Jedenfalls erklären die Landfrauen beim Karottenschälen herrlich das Entlastungspacket 27 des Bundesrates und der Kommentator eines Skirennens schafft es, während einer Abfahrt auch noch eine Abstimmung über den gemeinnützigen Wohnungsbau und die Wetterprognose einzuflechten.
Das Gefühl danach
Das Gefühl nach der ganzen Sendung «Late Night Switzerland», war wie das Wetter an diesem Wochenende: Es hatte von allem was. Abgeschiffte Jokes und helle Momente. Ein cooler Einfall war jedenfalls, dass Stefan Büsser die Oskarnacht dem Publikum zu ersparen versuchte und die Oskars gleich selbst verteilte: An je drei Einspieler der letzten Sendung, nämlich die unverständlich krächzende Einsiedler Larve, die drei Männer der Mitte-Partei im Anzug im Bad und einen Tagesschauausschnitt mit «dini Mueter».
Das gab zu reden
Wir können ja nicht in die Fernsehstuben reinhören, aber bekannt ist, dass das Durchschnittsalter des SRF-Publikums bei 63 Jahren liegt. Stefan Büsser ist offensichtlich überzeugt, dass die ältere Hälfte sehr gut über sich lachen kann. Denn er kommentierte den Fakt, dass ehemalige Armeeangehörige wieder Dienst leisten können sollen mit: «Im Tarnanzug sieht man wenigstens die Inkontinenz nicht, beim Schiessen braucht es keinen Gehörschutz, und die wissen wenigesten noch, wie man das veraltete Armeematerial bedient». Allerdings frage er sich, ob man im Ernstfall alte Menschen an die Front schicken dürfe - schliesslich gebe es schon genug Sterbehilfeorganisationen.

Das löst keine Entrüstung aus? Na dann könnte zu reden geben, dass Stefan Büsser sagte, Bundesrat Albert Rösti sei im falschen Amt.
Der grösste Fail
Flach war der Spruch, dass die Wallisser ob dem neuen veganen Raclette-Käse eine derart rote Glatze hätten, dass man darauf Raclette schmelzen könnte. Aber ein richtiges Fail wurde das zuerst lustige Sketch, in dem ein überzeugter Autofahrer ausnahmsweise den Zug nehmen muss, weil der Benzinpreis zu teuer wurde. Eine SBB-Angestellte erklärt ihm alles - die Pointe? Der Autofahrer steigt wieder aus, weil...? Na, weil der Benzinpreis halt wieder gefallen ist.
Der beste Spruch
Es wurde gezeigt, wie eine Eulen-Attrape in Zofingen laut Tele Bärn eine erfolgreiche Lösung ist, um Krähen zu verscheuchen. Der Nachteil: Die Flügel der Eule müssen via einer langen Schnur bewegt werden, damit die Krähen auch drauf reinfallen. Die Nachbarn wechseln sich morgens und abends ab. Stefan Büsser kommentiert: «Das klappt ja wie am Schnürchen.»

Nehmen wir auch «Büssis» Selbstdiagnose: «Comedian ist kein Beruf, das ist eine Diagnose.»
Und noch die Bilanz eines Aargauers in einem Video-Einspieler, in dessen Garten ein Auto gelandet war: «Dieses Jahr gibt es sicher keine Himbeeren.»
Der Gast

Man muss als Late-Night-Show natürlich immer einen Notfallplan haben. Nicht nur für den Fall, dass der Moderator selbst ausfällt (herrliches Sketch dazu aus der letzten Sendung). Sondern auch für den Fall, dass kein Gast gefunden werden kann. Dieser Fall ist offensichtlich am Sonntagabend eingetreten: SRF-Hausphilosoph Yves Bossart kam in die Sendung. Wahrscheinlich tun wir dem Late-Night-Show-Publikum unrecht, wenn wir davon ausgehen, dass die «Sternstunde Philosophie» nicht schaut, welche Bossart moderiert. Aber nur weil Bossart schon zweimal der Schweizer Illustrierten ein Interview gegeben hat, ist er noch kein echter Promi.
Und was sagt ein Philosoph, wenn er in einer Comedysendung auftritt? Hier die Kalendersprüche in aller Kürze: «Die Dosis macht das Gift» «Humor ist eine Haltung», «Lachen hat etwas Befreiendes» «Man sollte nicht über jene lachen, die am Boden liegen».
Das machen wir natürlich auch nicht. Ausserdem hat Bossart gesagt, dass er gut über sich selbst lachen könne.
Der Link zu «Late Night Switzerland».
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