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Kolumne «Familiensache»

Sommerferien in St. Katharina Süd

Lohnt es sich wirklich, mit kleinen Kindern weit zu reisen? Unser Autor dachte lange darüber nach, nachdem er eine Playmobil-Pistole in einem Bus in Antwerpen suchte.
Claudio Zanini.

Wenn wir in die Ferien fahren, tun wir das meist mit einem Bus. Er ist relativ gross, man kann darin schlafen und kochen. Er ist nicht besonders neu, aber er sieht einladend aus, finde ich. Der Bus hat uns in den Ferien nie im Stich gelassen. Es sind eher die Personen, die in ihm drinsitzen.

Einmal fuhren wir nach Antwerpen. Ich fand es warm im Bus. Und es gab drei kleine Passagiere, die schimpften, als würden sie in einem Glutnest sitzen. Im Elsass brachen wir die Übung ab und nahmen am nächsten Tag einen weiteren Anlauf.

In Antwerpen regnete es ohne Unterbruch. Die Kinder wollten ins Hallenbad und mit Playmobil spielen. Als ich an einem Nachmittag im feuchten Bus eine Playmobil-Pistole von geschätzten 2 Zentimetern Länge suchen musste, fragte ich mich, ob man dieses Ferienprogramm nicht auch zu Hause hätte durchführen können.

Ein anderes Mal landeten wir ganz unten in Frankreich, an der Grenze zu Spanien. Auf der Heimreise erkundigte ich mich, ob es allen gefallen habe. Ein Sohn lobte das Kinder-WC auf dem einen Camping. Auf der WC-Tür gab es einen grünen Dino, der lachte. Weitere Highlights wurden nicht genannt.

Warum in die Ferne schweifen, wenn es auch hier ein Sandwich gibt? Die Autobahnraststätte St. Katharina Süd.
Bild: Pius Amrein

WC-Dinos und Playmobil-Pistolen müssten doch auf kürzeren Wegen zu erreichen sein, dachte ich mir. Letztes Jahr hatte ich eine Eingebung. Ich komprimierte den Anfahrtsweg und buchte eine Woche auf einem Campingplatz am Zürichsee. Google meinte, die Distanz von Luzern aus müsste in 43 Minuten zu bewältigen sein.

Wenn man in Luzern auf die Autobahn rollt und Richtung Zürich fährt, kommt schon nach einer Viertelstunde die Raststätte St. Katharina Süd. Dort machten wir einen ausgedehnten Halt. Ein Sohn benötigte ein WC und eine Cola. Der andere Sohn ein Sandwich mit Schinken – und wenn es Schinken nicht hat, dann Käse. Als ich Richtung Shop lief, bestellte die Tochter mit einem schrillen Stimmchen ein Spielzeug. Ich lernte dabei: Selbst kurze Wege können überraschend lang werden.

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