Pop-Märchen

Soft Loft und Jorina Stamm - von Brugg auf die grossen Bühnen

Jorina Stamm ist die Stimme von Soft Loft. Doch die Sängerin versteht den internationalen Erfolg als Leistung einer Band – nicht einer Frontfrau.

Die Brugger Sängerin Jorina Stamm tourt mit ihrer Band Soft Loft durch Europa und spielt diesen Sonntag im Hallenstadion Zürich vor Tausenden Menschen. Sie steht vorne auf der Bühne, schreibt die Texte, gibt die Interviews und prägt mit ihrer markanten Stimme den Klang der Band. Aber Jorina Stamm will sich nicht hervorheben und betont, dass Soft Loft ein gemeinsames Projekt ist.

«Wir haben uns dafür entschieden, eine Band zu sein», sagt die 29-Jährige. Alles werde durch fünf geteilt, auch die Songrechte. Natürlich wisse sie, dass sie als Sängerin stärker wahrgenommen werde. «Doch was hinter diesem Gesicht passiert, soll genauso wichtig sein.»

Dieser Gedanke zieht sich durch ihre Geschichte. Sie ist weniger die Erzählung einer einzelnen Musikerin als die einer Gruppe von Menschen, die sich in und um Brugg gefunden haben und bis heute gemeinsam Musik machen.

In den USA nimmt sie Gitarrenunterricht

Stamm wächst in einer Familie auf, in der Musik zum Alltag gehört. Ihr Vater spielt Trompete, hört Jazz, Folk und Pop und besitzt eine grosse Plattensammlung. Früh lernt sie Geige, später wechselt sie zu Klavier und Gitarre, weil sie singen möchte. Eine klassische Gesangsausbildung hat sie nie. Ihre Stimme entwickelt sie, indem sie einfach singt.

Mit fünfzehn verbringt sie ein Austauschjahr in den USA und nimmt Gitarrenunterricht. Bis heute reiche es, sagt sie, um sich selbst zu begleiten. Für alles Anspruchsvollere gebe es zum Glück Leute in der Band, die besser Gitarre spielten. Kaum spricht sie über ihre eigenen Fähigkeiten, spricht sie schon wieder über die anderen.

Zu ihnen gehört Sarina Schmid, die sie in der Oberstufe kennenlernt. Aus einer Freundschaft entstehen erste gemeinsame Songs. Auch Musiker wie Dino Brandão bewegen sich im selben Umfeld. Freunde werden zu Bandkollegen, Musiker zu Freunden. Rund um Brugg entsteht eine kleine Szene, die sich eher wie eine grosse Familie anfühlt.

Anstatt auf Möglichkeiten zu warten, organisiert sich diese Generation ihre Konzerte selbst, etwa in Laura's Pub. Musik wird nicht nur gespielt, sondern auch veranstaltet. Brugg ist für Stamm deshalb kein Ort, dem sie entfliehen muss. Erst später zieht sie nach Zürich – nicht, weil sie ihre Herkunft hinter sich lassen möchte, sondern weil sie noch etwas anderes erleben will.

Der Erfolg der Band kommt schleichend

Aus der Band Ellas wird 2022 Soft Loft. Gemeinsam mit Sarina Schmid, Simon Boss, Marius Meier und Lukas Kuprecht entwickelt Stamm einen eigenständigen Sound. Ihr ausgeprägtes Vibrato macht ihre Stimme unverwechselbar. Dass sie so charakteristisch singt, sei ihr lange gar nicht bewusst gewesen, sagt sie. Manche mögen ihre Stimme, manche nicht. Beides sei in Ordnung.

Der Erfolg der Band kam schleichend. Aus kleinen Clubs werden grössere Säle, Europa-Tourneen führen nach Deutschland, England, Frankreich oder Prag. Mit PIAS steht eines der wichtigsten Indie-Labels hinter der Band, später darf Soft Loft AnnenMayKantereit auf einer Arenatour begleiten. Nun wartet das Hallenstadion.

Trotzdem spricht Stamm ungern vom grossen Durchbruch. Soft Loft sei eher ein «Slow Burner». Seit Jahren gehe es Schritt für Schritt vorwärts. Die Band ist erfolgreich genug, um international zu touren, kann von ihrer Musik aber noch nicht leben.

Ziel ist von der Musik leben können

Die fünf haben ihre Band als GmbH organisiert und wollten sich erstmals einen Lohn von tausend Franken pro Monat auszahlen. Doch oft fehlt die Liquidität. Tourneen kosten Geld, Crew und Angestellte werden zuerst bezahlt. Die Musiker stehen am Ende der Kette. Es ist die weniger glamouröse Seite eines Berufs, der von aussen längst professionell aussieht.

Stamm beschönigt das nicht. Natürlich wolle die Band irgendwann ausschliesslich von ihrer Musik leben. Von Anfang an sei klar gewesen, dass englischsprachige Songs auch ein internationales Publikum finden sollten.

Sie selbst schreibt zwar die Texte, die sich vor allem um das Innenleben, um Gefühle kreisen. Doch die meist melancholischen Songs entstehen gemeinsam. Ideen wandern von einer Person zur nächsten, werden ergänzt, verändert und weiterentwickelt. Am Ende lasse sich oft kaum mehr sagen, von wem ein Stück ursprünglich stammt.

Vielleicht beschreibt das Soft Loft am besten. Jorina Stamm steht vorne, ohne allein vorne stehen zu wollen. Und je grösser die Bühnen werden, desto häufiger spricht sie über diejenigen, die neben ihr stehen.

Der Erfolg von Soft Loft wird gerne als langsamer Aufstieg erzählt. Vielleicht ist es das falsche Bild. Bei dieser Band sieht es eher nach Kreisen aus, die immer grösser werden. In ihrer Mitte stehen fünf Freunde, die irgendwann in und um Brugg angefangen haben.

Soft Loft: Throw The Dice. Live: 27. September, 19 Uhr mit AnnenMayKantereit.

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