
Das ist der Banger, ein Hammer: Die Schweiz hat ihren Finanzplatz wieder mal bestens verkauft. Mit ein paar wenigen Sätzen, aber den richtigen, hat ein junger Vermögensverwalter mit dem Namen Roman P. in der Öffentlichkeit einen Irrtum richtiggestellt: Geld stinkt nicht, es ist einfach nur crazy geil.
Roman ist die Entdeckung des SRF-Journalisten Donat Hofer, er hat ihn vor sein Mikrofon geholt und zum Internet-Star gemacht. Der «Finance bro» als Klischee und Karikatur. Das perfekte Feindbild des Finanzhais. SRF hat wenige Stunden nach Ausstrahlung des Videos sämtliche Kommentare gelöscht, weil sie grösstenteils abwertend und beleidigend waren.
Blendwerk im Mund und auf der Zunge
Die Reizfigur Roman kam ins Bild, weil ihn der Journalist beim Überflug über die Zürcher Bahnhofstrasse quasi gestoppt hat. Er hielt ihm sein Mikro hin und fragte unverfänglich: «Choi mer übers Läbe rede?» Ein Normalschweizer beschleunigt in Fällen übergriffiger Strassenbefragungen seine Schritte und dreht sich ab.
Nicht so der Vermögensverwalter, gutgelaunt und gutaussehend. Arschglatt rasiert, strahlende Finance-Zähne (Veneer), weisse Jacke, Sonnenbrille. Blendwerk überall. Der grübelt seine Earplugs frei, bleibt stehen und lächelt in die Kamera. Und weil er «chatty» ist, das sagt er selbst, redet er über sein Leben, das heisst über sein Business, das heisst über Geld.
Roman verkauft ETF bei einem amerikanischen Asset-Manager. Denn «Markets» sei einfach eine «envolving story», sagt er und flicht in seine Sätze Anglizismen ein wie unsereine das «äh», wenn man nicht weiterweiss. Man muss Romans Werbespot fürs Finanzgeschäft im Detail gar nicht verstehen. Klar ist, dieser Mann hat an seinem Job den Narren gefressen. «Fucking clean» wie er das macht, um den Slang der «Finance bros» zu bedienen.
Nicht Geiz ist geil, Geld ist geil
Hierzulande soll man über Geld nicht reden. Bei uns spricht man von Money bloss, wenn man es nicht hat. Die, die es haben, schweigen und geniessen. Roman redet und geniesst. Er mag es, Geld zu scheffeln, und verrät sogar, was er verdient. Auf die Frage des Journalisten und schon im Abgang winkt er für die Kamera lässig zurück: «Multiple hundert»
Klasse! Ganz grosse Klasse ist das! Roman hat seine «multiplen hundert» tatsächlich verdient. Denn er tut diesem Land einen unschätzbaren Gefallen. Er ist die Type, die unseren Erfahrungen mit Schweizer Bankiers oder Salesmen – oder mit dem eigenen Bankberater – widerspricht. Man kennt die Teflon-Persönlichkeiten: verkniffene Lippen, freudlose Figuren.
Keine Ahnung, wohin die ihre Millionen wegsperren, man sieht ihnen ihr Wohlergehen nicht an. Bloss die unglaubwürdige Bürde der Verantwortung. Sie sind unnahbar, austauschbar und diskret. Fehlerlos und in fast jedem Fall verschwiegen – dort, wo es sich für sie lohnt.
Von alledem ist Roman das Gegenteil. Er kümmert sich nicht um seine Wirkung. Er hat Fun und liebt das Leben. Er quasselt, er spricht, er blufft, er plustert sich und sorgt damit für Transparenz. Unser «Finance bro» ist einer, der die Fragen nicht scheut. Und das ganz einfach darum, weil er sich nicht schämt, reich zu sein. Er verachtet die hiesige Doppelmoral, wonach Reichtum nur dann ethisch sei, wenn in der Öffentlichkeit keiner davon weiss.
Ob ich Roman mein Geld anvertrauen würde, damit er es investiert? Das auf keinen Fall. Aber seinen kostenlosen Anlagetipp mit den ETF werde ich mir auf jeden Fall überlegen.

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