
Verstehen Sie die Teenager von heute? Nein? Das würde mich ja ziemlich … Sagen wir, es würde mich wurmen. Seit dieser Woche gibt es glücklicherweise Abhilfe: Die ZHAW kürt das «Jugendwort des Jahres» für die Schweiz. Dafür haben erstmals Jugendliche von 13 bis 20 Jahren abgestimmt. Sie gehören der Gen Z und der Gen Alpha an. Schliesslich wählte eine Jury, ebenfalls aus Jugendlichen, das Gewinnwort.
Oder man sollte im Plural von den Gewinnwörtern reden: Sie werden als Top Drei in allen Jugendsprachen des Landes bekanntgegeben. Wobei darunter natürlich viele Englische Wörter sind. Immerhin ist das beliebteste Wort der Jugendlichen in der Deutschschweiz kein Anglizismus sondern Mundart.
«Würd mi»
Es erhält seine poetische Kraft dadurch, dass es ein Lebensgefühl auf den Punkt bringt, dass typisch Gen Z ist: «Würd mi». Damit lässt sich pointiert kommentieren, wer beispielsweise einen Vortrag in der Schule halten oder gar einen Ferienjob antreten muss. «Du musst etwas? Tja, würd mi…». Der Kurzsatz lässt sich um Wörter wie «anöden» oder derbere Ausdrücke bereichern, doch die Jugend hält es kurz. Alles andere «würd sie» wahrscheinlich auch, immerhin redet man ja immer weniger.
Das Schönste daran: Die Motivationslosigkeit ist so ausgeprägt, dass Verpflichtungen nicht mehr aktiv auf die Nerven gehen. Die Gen Z greift schon zum Konjunktiv. So weit ist sie von jeglichem Tatendrang entfernt.
Die anderen Jugendwörter der Schweiz erklärt
Ein kurzer, mehrsprachiger Glossar der Schweizer Jugend:
Platz 1. der Romandie ist «Goumin»: heisst so viel wie Liebeskummer und darum geht es in der Westschweiz ja so gut wie immer.
Platz 1. der italienischen Schweiz ist «Aura»: heisst übersetzt dasselbe wie Charisma. Wer Aura hat, setzt Trends und kommt an. Auch auf Deutsch gibt es den Begriff, etabliert hat sich auch die sogenannte «Boss-Aura».
Platz 1. auf Rätoromanisch ist «Bursa»: Es gibt offenbar noch genügend Rumantschen für eine eigene Jugendsprache. Bursa bedeutet wörtlich Portemonnaie, wird aber als Synonym für Trottel benutzt.
Es ist «nöd so deep»
Das soll kein «Ragebait» gegen die Teenies sein (im Übrigen das Jugendwort der Deutschen) und ufert auch nicht zu einer tiefgreifenden Gesellschaftsanalyse aus. So überraschend ist das Ganze ja auch gar nicht. Oder, um das zweitplatzierte Jugendwort zu benutzen, es ist «nöd so deep», also nichts Weltbewegendes. Die Teenies hatten immerhin noch nie wirklich Bock. Wo früher etwas «vöörig» war, sagt man heute eben «würd mi».
Ältere, die sich darüber beklagten gibt es ebenfalls schon lange. Schon Friedrich der Grosse machte im 18. Jahrhundert seinem Ärger über die träge Jugend in einem Kommentar Luft. Ein Unterschied war, dass frühere Generationen mit einem ganzen Satz auf solcherlei Kritik reagieren mussten. Vielleicht mit «Es gelüstet mich nicht»? Jedenfalls kann man der Gen Z ein Kränzchen in Sachen Sprachökonomie winden. Ihr Jugendwort spart Zeit. Oder um das dritte Jugendwort «Peak» (aus dem Englischen für «maximal») zu verwenden: Es ist «Peak» Effizienz.

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